Skip to main content

BVB-Bosse wehren sich – Ricken mit überraschender Einordnung

Nach wachsender Kritik an den jüngsten Leistungen schlägt die BVB-Führungsebene nun zurück.
VonJan Kupitz
Lars Ricken und Carsten Cramer
Lars Ricken und Carsten Cramer | Jürgen Fromme - firo sportphoto/GettyImages

Borussia Dortmund hat seine kleine Talfahrt mit drei sieglosen Spielen in Serie überwunden und im DFB-Pokal gegen Werder Bremen (3:2) den dritten Sieg in Folge eingefahren. Somit hat der BVB nun neun der 13 Pflichtspiele in dieser Saison gewonnen. Eine starke Bilanz.

Trotzdem gab und gibt es rund um die Schwarzgelben immer wieder Unmutsbekundungen; viele Fans – gerade in den sozialen Netzwerken – sind mit dem Spielstil unter Niko Kovac nicht einverstanden und ledern direkt drauf los, wenn ein Ergebnis mal nicht wie gewünscht ausfällt.

"Kein Klub wird so kritisch gesehen wie wir"

"Wir merken auch, dass die Erwartungshaltung an uns unfassbar hoch ist, insbesondere im eigenen Umfeld. Kein Klub wird so kritisch gesehen wie wir", monierte BVB-Boss Carsten Cramer in der Sport Bild. "Wir müssen ja schon fast dafür entschuldigen, wenn wir nach vier Siegen in Folge mal unentschieden in der Liga spielen."

"Wir wollen besser werden, wir wollen näher heranrücken. Aber man muss die Vorraussetzungen zwischendurch einordnen. Was Lars [Ricken], Ole [Book] und Niko [Kovac] hier in den vergangenen Monaten aufgebaut haben, ist außergewöhnlich", verdeutlichte Cramer. "Das wird mit einer 0:1-Niederlage bei Bodö/Glimt plötzlich komplett ignoriert. Das fehlt mir das Maß", kritisierte der 57-Jährige.

Ricken sieht Spektakel beim BVB

Sportchef Ricken pflichtete seinem Kollegen bei und warf zudem die These in den Raum, dass der BVB gar nicht so unattraktiv spiele, wie viele Fans es der Mannschaft und Kovac vorwerfen. Vielmehr sieht der Ex-Profi die Vorgabe, Arbeit und Spektakel zu vereinen, als "zu hundert Prozent erfüllt" an.

"Dort, wo Borussia Dortmund spielt, ist viel los auf dem Platz. [...] Wir haben diesen Anspruch, ansehnlich zu spielen. Dass wir noch Luft nach oben haben, ist auch klar. Aber auch da muss ich sagen: Wir haben in dieser Saison rund 50 Spiele. Da ist es gar nicht möglich, nur Hurra-Fußball zu spielen."

Die BVB-Verantwortlichen
Die BVB-Verantwortlichen | Sebastian El-Saqqa - firo sportphoto/GettyImages

"Ein Gradmesser ist für mich, wenn wir mit anderen Vereinsvertretern zusammensitzen. Und ich sage Ihnen: Die haben alle keine Lust, gegen Borussia Dortmund zu spielen. Selbst mit einer guten Leistung hoffen sie eher auf ein Uentschieden als auf einen Sieg. Und genau das wollen wir auch ausstrahlen, dass wir für jeden Gegner unangenehm zu bespielen sind", führte Ricken aus.

Wobei das, was er beschreibt, ehrlicherweise wenig mit Spektakel zu tun hat – sondern genau eine Beschreibung dessen ist, was viele Fans als unattraktiven Kovac-Ball beschreiben.

Vergleich zum FC Bayern

Natürlich durfte in dem Interview auch der direkte Vergleich mit dem FC Bayern München nicht fehlen. Der BVB sieht sich selbst als zweiter Leuchtturm in Fußball-Deutschland, schaffte es in den letzten Jahren aber viel zu selten, die Münchner wirklich herauszufordern. Ex-BVB-Boss Hans-Joachim Watzke verwies diesbezüglich immer wieder auf die wirtschaftlichen Unterschiede – und genau das tat Cramer ebenfalls.

Michael Olise, Ramy Bensebaini
Kann der BVB dem FC Bayern mal Paroli bieten? | Stuart Franklin/GettyImages

"Der Einstieg [von Viessmann, für 250 Millionen Euro] zeigt natürlich auf, wie groß der Vorsprung der Bayern ist. Wir würden uns gegen einen so werthaltigen Deal sicher auch nicht wehren, diese wirtschaftliche Dimension ist jedoch eine andere Kategorie. Das muss man auch so ehrlich sagen. Darüber beklagen wir uns nicht. Aber er hilft, die Lage in der Liga einzuordnen", wollte Cramer betont wissen.

Für Ricken geht es daher "noch mehr um Detailarbeit". Auch wenn der FC Bayern dem BVB finanziell enteilt sei, möchte man nicht im Voraus kapitulieren. "Wir wollen sie schlagen, wenn wir gegen sie spielen", untermauerte der Sport-Geschäftsführer.

Größere Töne machte man in Dortmund aber nicht spucken. "Wer laut ist, wird dadurch nicht unbedingt besser oder gar schneller zum Ziel kommen", warf Cramer ein.


Füg uns bei Google als bevorzugte Quelle hinzu