In der Nachspielzeit erlöste Deniz Undav den VfB Stuttgart. Der Kapitän erzielte in der zweiten DFB-Pokalrunde bei Bundesliga-Konkurrent SC Paderborn den goldenen Treffer des Abends. Zuvor hatte Sturmpartner Ermedin Demirovic eine Reihe von Großchancen vergeben und die Schwaben beinahe zur Verzweiflung gebracht.
"Unsere erste Halbzeit war bodenlos, wirklich bodenlos."Deniz Undav
Über eine Halbzeit lang spielte der VfB in Überzahl, nachdem SCP-Kapitän Laurin Curda in der 37. Minute nach einem bösen Foul an Bilal El Khannouss die Rote Karte sah. Eine Szene, die das Duell endgültig zum Kippen brachte. Zuvor waren die Hausherren die bessere Mannschaft und hatten vor allem in der Anfangsphase zahlreiche gute Chancen.
"Wir wussten, dass es schwer werden würde. Unsere erste Halbzeit war bodenlos, wirklich bodenlos", legte Siegtorschütze Undav nach dem Spiel den Finger in die VfB-Wunde.
Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sah es ähnlich: "Dass wir nicht alles umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen haben, hat man gesehen."
SC Paderborn 0-1 VfB Stuttgart: Die Highlights im Video
Nach den beiden Bundesliga-Niederlagen gegen den HSV und Gladbach standen die Schwaben mächtig unter Druck. Die Krisen-Gefahr schwebte über Bad Cannstatt, die Klub-Bosse sollen bereits nervös geworden sein und den Druck auf Trainer Sebastian Hoeneß erhöht haben (90min berichtete).
Der zweite Saisonauftritt in Paderborn, nachdem man in Ostwestfalen schon am 5. Bundesliga-Spieltag mit 2:0 gewonnen hatte, dürfte den Alarm-Modus in Stuttgart nicht abgestellt haben. Im Gegenteil: Über viele Phasen des Spiels wirkte die Mannschaft verunsichert. Hinzu kamen zwei weitere Ausfälle.
Stiller-Sorgen und "alles was zählt"
Schon vor dem Spiel gab der VfB bekannt, dass Leo Sauer wegen muskulärer Probleme passen muss. In der Halbzeit musste dann auch noch Mittelfeld-Chef Angelo Stiller mit Adduktorenproblemen in der Kabine bleiben. Wie schwer es den 25-Jährigen erwischt hat, ist noch offen. Klar ist, ein längerer Stiller-Ausfall würde den Weg zurück zur gewohnten VfB-Stärke weiter erschweren.
"Wir müssen das jetzt abhaken und den Fokus auf das Spiel am Samstag in Leverkusen legen", hielt Undav fest. Wohlgemuth fügte hinzu: "Es ist wichtig, dass wir eine Runde weitergekommen sind, der Pokal hat für uns eine besondere Bedeutung." Und auch Demirovic meinte: "Heute hat nur der Sieg gezählt."
Das Fazit von Trainer Hoeneß liest sich derweil ähnlich: "Wir sind sehr schwer ins Spiel gekommen. Paderborn war sehr scharf. Wir haben Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten. Nach der Roten Karte kippt das Spiel. Am Ende ist es verdient, auch wenn das Tor spät fällt. Wir haben auf ein Tor gespielt."
Dass das Ergebnis am Ende gestimmt hat, dürfte der große Hoffnungsschimmer für den VfB sein. Denn beim schwierigen Saisonstart stimmte bislang schon häufig die Leistung, das Resultat aber nicht. Jetzt gilt es für die Schwaben, beides zusammenzufügen. Dafür braucht es dringend auch deutlich mehr Effektivität vor dem gegnerischen Tor...
Weitere Stimmen zum Spiel
VfB-Trainer Sebastian Hoeneß: "Wir sind schwer ins Spiel gekommen und hatten es auf der anderen Seite mit einer Mannschaft zu tun, die von Beginn an sehr scharf war und uns durch lange Bälle und zweite Bälle den Schneid abgekauft hat. Mit dem Start sind wir nicht zufrieden und haben Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten sind. Nach dem Platzverweis kippt das Spiel. Danach haben wir uns den Sieg verdient, weil wir nur noch auf ein Tor gespielt haben und keine klaren Möglichkeiten mehr zugelassen haben. Mit der letzten Aktion haben wir das Spiel auf unsere Seite ziehen können. Der Kopf spielt, gerade in einer Phase wie der aktuellen, eine große Rolle, daher hat die Mannschaft heute auch einen Charaktertest bestanden. Wir sind mit dem Weiterkommen happy, erkennen die gute Leistung der Paderborner aber an."
Deniz Undav: "Es war keine gute erste halbe Stunde von uns. Paderborn war ein harter Brocken und unangenehmer als vieler der Gegner der vergangenen Pokalsaisons. Durch viele Fehler in der ersten Halbzeit haben wir Paderborn gut ins Spiel kommen lassen. Wir müssen daran arbeiten, solche Phasen nicht mehr zuzulassen. Im Endeffekt zählt aber das Ergebnis und damit das Weiterkommen."
Ermedin Demirovic: "Es ärgert mich, dass ich meine beiden großen Möglichkeiten nicht nutzen konnte, gerade weil es als Stürmer immer schwierig ist, in solche Situationen zu kommen. Ich freue mich aber sehr, dass wir am Ende dank Deniz‘ Tor in die nächste Runde einziehen konnten, nachdem er meine beiden Chancen so gut vorbereitet hatte."
SCP-Trainer Ralf Kettemann: "Glückwunsch an den VfB zum Erreichen des Achtelfinals. Wenn man eine halbe Stunde so spielt wie wir und dann den Rest der Zeit in Unterzahl agieren muss, fühlt man sich der guten Leistung ein Stück weit beraubt, auch wenn der Platzverweis die richtige Entscheidung war. Wir hatten ein sehr gutes Gefühl, aber es gibt keinen größeren Einfluss auf ein Fußballspiel als eine Rote Karte. Es tut weh und wir sind vom Ausgang enttäuscht, fühlen aber auch einen großen Stolz. Die Mannschaft hat sich top präsentiert."
