Borussia Dortmund hat einen Traumstart in die neue Bundesliga-Saison hingelegt und thront nach den ersten vier Spieltagen an der Tabellenspitze. Als einziges Team der Liga hat der Vizemeister die perfekte Punkteausbeute auf dem Konto - und auch der Champions-League-Auftakt (3:2 gegen den FC Villarreal) und die Erstrundenpartie im DFB-Pokal (5:0 gegen HEBC Hamburg) gestalteten die Dortmunder positiv. Der Kader harmoniert schon früh gut und gewinnt auch enge Spiele.
Gerade die Defensive überzeugte bisher, während offensiv neben dem neu entdeckten Sturmduo Serhou Guirassy und Fabio Silva bereits zwölf weitere Spieler durch Scorerpunkte ihren Torgefahr zeigten. Alles scheint rund zu laufen - doch wo sich eine Stamm-Auswahl gefunden hat, bleiben auch zwangsläufig andere auf der Strecke.
Vom Engpass zum Überangebot in der Innenverteidigung
Gerade in der Defensive ist die Konkurrenzsituation extrem - erst recht seit Nico Schlotterbeck nach seinem Innenbandriss im Sprunggelenk zurückgekehrt ist und gleich wieder seinen Stammplatz in der Innenverteidigung eingenommen hat. Im Zentrum der Dreierkette ist Waldemar Anton der unangefochtene Kommandogeber. Und rechts hat sich der hochtalentierte Neuzugang Joane Gadou (19) in Windeseile als echte Stütze etabliert.

Erster Leidtragender ist Ramy Bensebaini, der in seinen 32 Einsätzen in der Vorsaison noch 25 Mal in der Startelf stand. Aktuell ist der Algerier, für den der Supercup gegen Bayern München durch einen Platzverweis und eine zuvor erlittene Rippenverletzung äußerst unglücklich verlief, nur Bankdrücker. Zu Saisonbeginn hätte sich eigentlich die Chance ergeben, durch Schlotterbecks Abwesenheit Minuten zu sammeln, doch stattdessen setzte Bensebaini verletzt aus.
Und auch die defensive Außenbahn, die er bekleiden könnte, ist derzeit fest vergeben. Nur 21 Bundesligaminuten sammelte Bensebaini nach seiner Rippenblessur bisher - und aufgrund der Stabilität der Abwehr sieht es nicht danach aus, als würden zeitnah viele längere Einsätze hinzukommen. Das Brisante: Bensebainis Vertrag läuft im kommenden Sommer aus. Argumente für eine Verlängerung sammelt er derzeit nicht.
Schlotterbeck und Bensebaini verletzt - und auch Emre Can fehlt nach seinem Kreuzbandriss noch langfristig: Zu Saisonbeginn ergab sich somit die große Chance für Luca Reggiani, mal wieder auf sich aufmerksam zu machen. Doch tatsächlich ist der erst 18 Jahre alte Italiener, der vergangene Saison bereits sieben Startelfeinsätze sammelte, nur noch Innenverteidiger Nummer sechs (Can herausgerechnet).

In der Sommervorbereitung ist der ebenfalls mit 21 Jahren noch junge Filippo Mane nach einer schwierigen Vorsaison an Reggiani vorbeigezogen. Mane war es daher auch vorbehalten, die Defensivlücke zu Saisonbeginn zu füllen - bis ihn selbst mal wieder eine Verletzung zurückwarf. Reggiani kommt in der laufenden Saison dagegen erst auf 50 Minuten Einsatzzeit. In fünf Partien schmorte der U21-Nationalspieler Italiens die gesamte Spielzeit auf der Bank.
Für einen hochtalentierten Spieler in seinem Alter ist das kein Zustand, der von Dauer sein sollte. Bleibt seine Rolle derart klein, dürfte spätestens im Winter die Frage aufkommen, wie der BVB Reggiani ausreichend Spielpraxis verschaffen will. Auch eine Leihe wäre dann eine naheliegende Option - zumal auch Can irgendwann zurückkehren wird. Immer wieder gibt es zudem Gerühte um großes Transfer-Interesse aus seiner italienischen Heimat.
Auch 20-Millionen-Mann Chukwuemeka ist bei Kovac kaum gefragt
Und auch Carney Chukwuemeka fällt in der erfolgreichen ersten Saisonphase des BVB bisher mit rund 80 Minuten Einsatzzeit ab. Anders als etwa bei Reggiani sind dabei die Erwartungen an ihn ungleich größer. Über 20 Millionen Euro überwiesen die Dortmunder für den österreichischen Nationalspieler an den FC Chelsea. Doch der 22-Jährige kommt einfach nicht aus der Reservistenrolle heraus - und das obwohl auch im Mittelfeld einige Ausfälle Türen öffneten.
Chukwuemeka scheint bei Kovac einfach keine feste Rolle zu finden. Bei seinen Kurzeinsätzen pendelte er schon vergangene Saison immer wieder zwischen den Positionen im Zentrum und den offensiven Zehnern. In beiden Positionsgruppen hat Chukwuemeka Spieler vor sich, an denen er einfach nicht vorbeikommt. Im Zentrum spielen sich Joey Veerman und Felix Nmecha fest. Während Jobe Bellingham zumindest noch nah dran zu sein scheint, bleibt Chukwuemeka nur die Jokerrolle.

Noch klarer ist die Situation auf den Zehnern. Hier warf Kovac nach den Ausfällen von Giannis Konstantelias und Konstantinos Karetsas lieber Neuzugang Ethan Nwaneri herein, obwohl der Last-Minute-Transfer erst wenige Tage beim Team war. Und auch der im Sommer bereits als heißer Abgangskandidat gehandelte Marcel Sabitzer, Fabio Silva und Maximilian Beier haben auf den offensiven Mittelfeldpositionen die Nase vorn.
Ein Ausweg aus der Reservistenrolle ist nach den ersten Saisonwochen für Chukwuemeka nicht in Sicht. Eine unbefriedigende Situation sowohl für den 20-Millionen-Mann als auch für Borussia Dortmund.
