Eigentlich lief es für den FC Barcelona am Dienstagabend in der Champions League wie am Schnürchen. Mit 3:0 gewannen die Katalanen locker und leicht gegen Aston Villa, wobei Raphinha weiterhin seine Topform unterstrich.
Und doch gab es einen ganz großen Wermutstropfen. Denker und Lenker Rodri musste zur Halbzeit mit Oberschenkelproblemen in der Kabine bleiben, einen Tag später gab es die niederschmetternde Diagnose: Eine Pause von mindestens vier Wochen. Es ist für Barça ein Worst-Case-Szenario.
Ein Sechser allein auf weiter Flur
Auf den ersten Blick haben die Katalanen mit Frenkie de Jong, Gavi oder Marc Bernal zwar reichlich Alternativen für den 30-Jährigen, doch auf den zweiten Blick sieht es anders aus.
Denn ein wirklicher Sechser sind sie alle nicht, vielmehr sind sie eher als klare Achter zu sehen. Das defensive Verständnis, wie es Rodri mitbringt, hat keiner von ihnen. Die Stärken von Gavi, de Jong und Bernal liegen eher in der offensiven Spielgestaltung.
Als Spielgestalter unersetzbar?
Barça droht also ohne Rodri seine Stabilität zu verlieren. Der 30-Jährige ist im System von Hansi Flick einer der Schlüsselspieler, eben weil er für defensive Absicherung sorgt und gleichzeitig das Spiel lenken kann.

Um einmal Rodris großen Einfluss in Zahlen zu verpacken: In der spanischen Liga spielte er bislang 820 Pässe, womit er im 100. Percentile, also dem höchsten möglichen Prozentsatz rankt (Quelle: FotMob). Kein Mittelfeldspieler in La Liga spielte mehr Pässe als er.
Gleichzeitig brachte er von diesen 820 Zuspielen 94,4 Prozent an den Mann. Auch seine 138 linienbrechenden Pässe sind Spitzenwert in der spanischen Liga und unterstreichen, wie wichtig Rodri nicht nur defensiv, sondern auch offensiv ist. Zum Vergleich: Selbst Pedri, der eine deutlich offensivere Rolle als Rodri einnimmt, kommt im Vergleich "nur" auf 122 linienbrechende Pässe.
Spieler | Anzahl Pässe | Passquote | Linienbrechende Pässe |
|---|---|---|---|
Rodri | 820 | 94,4 | 138 |
Pedri | 652 | 91,6 | 122 |
Dani Olmo | 229 | 93,9 | 49 |
Marc Bernal | 218 | 88,3 | 37 |
Erfahrener Anker
Defensiv sieht das ganze sogar noch deutlicher aus. Hier zeigt sich am prägnantesten, dass Rodri im Kader der einzige echte Sechser ist. Zwölfmal fing der 30-Jährige schon gegnerische Pässe ab und garnierte das mit 46 defensiven Aktionen sowie 20 Tacklings – alles Spitzenwerte im Vergleich zu seinen Teamkollegen.
Flick muss deshalb Lösungen finden, um den Ausfall von Rodri aufzufangen, zumal er nicht nur aufgrund seiner bloßen Statistiken für Barça enorm wichtg ist – sondern auch aufgrund seiner Erfahrung.

Rodri ist mit 30 Jahren der älteste Spieler in Barcelonas Mittelfeld und hat im Fußball schon alles erlebt. Gleichzeitig hat er auch schon nahezu alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt und weiß, wie sich diese großen Spiele anfühlen.
Damit war er insbesondere für die jüngeren Spieler wie zum Beispiel Fermin Lopez immer eine wichtige Bezugsperson. Denn auch, wenn Fermin in der letzten Saison durchstartete, so stand er – wie die übrige Mannschaft – noch nie in einem Champions-League-Finale.
Härtetest gegen Atlético
Rodri hat das hingegen schon erlebt, er verliert auch in brenzligen Situationen oder bei Rückstand nie seine Ruhe. Nun kann man natürlich nicht davon reden, dass Barça nach Rückständen seinen Kopf verliert, dennoch wird es spannend zu sehen sein, wie die junge Mannschaft in den kommenden Wochen ohne Rodri auftreten wird.
Zumal an diesem Wochenende bereits ein harter Brocken auf die Blaugrana wartet. Am Sonntag geht es für die Katalanen ins Wanda Metropolitano zum aufgeheizten Duell gegen Atlético Madrid. Ein enges und unangenehmes Spiel ist dabei fast garantiert, zumal Atléti auch gerne kontert.

Die Absicherung bei Barça muss also passen, ohne Rodri wird das jedoch schwierig. Es müssen andere Spieler in die Bresche springen, die Frage ist, wem Hansi Flick das Vertrauen aussprechen wird. Doch auch er dürfte sich wieder darüber freuen, wenn Rodri zurückkehrt – dafür hängt am 30-Jährigen zu viel.
