Als Hansi Flick im Sommer 2024 überraschend Cheftrainer des FC Barcelona wurde, dachte Raphinha ernsthaft daran, die Katalanen zu verlassen. Der Brasilianer war zwei Jahre zuvor für 58 Millionen Euro von Leeds United zu Barça gewechselt, konnte die hohen Erwartungen aber nie so ganz erfüllen, auch wenn 45 Scorer in 87 Spielen keine allzu schlechte Quote darstellten.
Glücklich schien Raphinha in Barcelona aber nicht zu sein. "Als er [Flick] kam, hatte ich innerlich schon mit dem Gedanken gespielt, den Verein zu verlassen. Ich war mir sicher, dass ich gehen würde", erklärte der 29-Jährige nun im Gespräch mit der Gazzetta dello Sport.
Der ehemalige Bundestrainer brachte den Flügelstürmer aber zum Umdenken. "Er rief mich an, bat mich, mit meiner Entscheidung noch zu warten, und sagte, er wolle persönlich mit mir sprechen. Dieses Gespräch war entscheidend", berichtete Raphinha.
"Das verdanke ich alles Flick. Er hat meine Mentalität verändert."Raphinha (Gazzetta dello Sport)
Raphinha unter Flick ein Scorer-Monster
Mittlerweile hat sich seine Situation komplett gedreht. Unter Flick gewann er mit Barça nicht nur zwei spanische Meisterschaften in Folge. Flick machte Raphinha vor allem auf Anhieb zu einem unumstrittenen Schlüsselspieler. Dieses Vertrauen zeigte sich auf beeindruckende Weise auf dem Platz. Im ersten Flick-Jahr legte Raphinha überragende 34 Tore und 26 Assists in 57 Pflichtspielen auf. Dabei war er im Schnitt alle knapp 78 Minuten direkt an einem Barça-Tor beteiligt.
Auch wegen zweier Oberschenkelverletzungen kam er in der Vorsaison nicht mehr ganz an diese Fabelzahlen heran. 21 Tore und acht Assists in 33 Partien lieferte Raphinha dennoch.
Raphinha vor Barça-Verlängerung bis 2030
Damit hat er sich auch auf die Zettel zahlreicher Klubs gespielt. In den vergangenen Monaten gab es beinahe täglich neue Wechselgerüchte. Doch der 29-Jährige sieht seine Zukunft weiter in Barcelona, wie er erst kürzlich bei RAC1 betonte (90min berichtete). Am liebsten wolle er sogar seine Karriere hier beenden.
Mittlerweile scheint seine Unterschrift unter einen neuen, bis 2030 gültigen Vertrag nur noch Formsache zu sein. Für Flick bleibt Raphinha unverzichtbar – und das 26/27 in völlig neuer Rolle.
Raphinhas Fabelzahlen als Mittelstürmer
Weil es die Katalanen nicht schafften, nach den Abgängen von Robert Lewandowski und Ferran Torres einen neuen Star-Mittelstürmer zu verpflichten, schulte Flick seinen Musterschützling kurzerhand zum Neuner um. Mit erneut durchschlagendem Erfolg. Nach den ersten acht Pflichtspielen der Saison steht Raphinha bei irrwitzigen 14 Toren und drei Assists. Macht einen Scorer alle knapp 37 Minuten!
"Wie kam es zu meinem Positionswechsel? Ganz allmählich. Vom Flügel rückte ich ins Zentrum, und im Sommer begannen wir mit einigen Tests. Sie funktionierten, und ich bin froh, weil ich gerne näher am Tor spiele. Außerdem ergeben sich dadurch mit Mitspielern dieses Kalibers natürlich viele Chancen. Habe ich als Kind als Mittelstürmer gespielt? Sagen wir mal im Angriff, aber nie als Mittelstürmer", verriet Brasiliens neue Nummer zehn der Gazzetta.
Als Hauptgrund, warum der Positionswechsel so gut funktioniert, nennt Raphinha seinen Trainer. "Hier war es aber einfach, und das verdanke ich alles Flick. Er hat meine Mentalität verändert", schwärmte er. Schon seit Flicks Ankunft in Barcelona habe er ihm "Selbstvertrauen" gegeben. "Er zeigte mir Seiten an mir, die ich vorher nicht gesehen hatte."
