Zweifel an Baumann & Bode: Werder-Machtkampf geht in die nächste Runde

Frank Baumann (l.) und Marco Bode (r.) könnten beim SV Werder künftig weniger Einfluss haben
Frank Baumann (l.) und Marco Bode (r.) könnten beim SV Werder künftig weniger Einfluss haben / TF-Images/Getty Images
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Während es für Werder Bremen sportlich bisher gut läuft, scheiden sich im Hintergrund die Geister. Das Wirrwarr und der interne Machtkampf einer "Gruppe besorgter Vereinsmitglieder" gehen in die nächste Runde. Sportdirektor Frank Baumann und Aufsichtsratschef Marco Bode müssen um ihre Macht bangen.

Da die eigentlich für Mitte November geplante Mitgliederversammlung coronabedingt in das Frühjahr verschoben wurde, sickern im Umfeld des SV Werder aktuell einige Informationen durch. So etwa, dass die einstigen Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer und Manfred Müller eine "Gruppe besorgter Vereinsmitglieder" um den einstigen Sportdirektor sowie Aufsichtsratschef Willi Lemke beraten haben. "Nach meiner Kenntnis ist es eine Gruppe um Willi Lemke, Jörg Wontorra und Lars Figura", verriet Präsident und Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald kürzlich im Interview mit dem WeserKurier.

Wontorra bestreitet Ambitionen auf Aufsichtsrat-Posten

Insgesamt sollen es knapp zehn Leute sein, die eine Veränderung der Bremer Vereinspolitik bezwecken möchten. Zuletzt spekulierte man, dass Wontorra, der einst um die Jahrtausendwende im Aufsichtsrat des Klubs fungierte, eine Rückkehr plane. Der TV-Moderator selbst hingegen wunderte sich auf Nachfrage der DeichStube über dieses Gerücht: "Ich bin kein Teil einer Gruppe. Ich weiß nicht, woher Hubertus das hat. Es gibt auch keine Zusammenrottung." Gegenüber BILD wurde Wontorra gar konkreter: "Das ist für mich überhaupt kein Thema. Von mir aus werde ich keine Aktivität anstreben."

Jörg Wontorra (72) war von 1999 bis 2003 Mitglied im Bremer Aufsichtsrat
Jörg Wontorra (72) war von 1999 bis 2003 Mitglied im Bremer Aufsichtsrat / Joerg Koch/Getty Images

Rechtsanwalt Figura, ebenfalls starker Kritiker und angebliches Mitglied der besagten Machtkampf-Gruppe, strebt dem Vernehmen nach ein Amt als Präsident im Klub an. Gegenüber BILD dementiert aber auch er seine vermeintlichen Ambitionen. Klar ist hingegen, dass die Kritikergruppe eine Vergrößerung des Aufsichtsrates von sechs auf neun Mitglieder fordert. "Sie haben uns um Hilfe bei Fragen zur Satzung gebeten – und da haben wir ihnen die entsprechenden Antworten geschickt", bestätigten Fischer und Müller im Gespräch mit der DeichStube.

Kritiker fordern: Es darf kein 'Weiter so' geben

Ehrenpräsident Fischer plädiert bereits lange Zeit für Veränderungen am Osterdeich: "Der aktuelle Aufsichtsrat mit Marco Bode an der Spitze steht für ein 'Weiter so'. Jedem Verein tut es gut, wenn neue Elemente dazukommen, das gilt auch für Werder." Die Anforderungen der Kritikergruppe würden tatsächlich einen starken Umsturz im Umfeld der Grün-Weißen bedeuten. Durch die angestrebte Vergrößerung des Aufsichtsrates etwa, beschnitte man Bode in seiner Macht. Der zweite Vorschlag, keinen Geschäftsführer mehr im ausgegliederten Profisport, sondern lediglich als Vertreter im Aufsichtsrat zu stellen, würde Hess-Grunewald seinen Job als Geschäftsführer, für den er 2014 seine eigene Anwaltskanzlei aufgab, kosten.

Von Friede, Freude, Eierkuchen kann man in Bremen derzeit kaum sprechen. Lemke forderte bereits nach der vergangenen Horrorsaison inhaltliche und personelle Veränderungen, um nicht noch weiter in den Abgrund zu geraten. Neulich bezeichnete er es als Affront gegenüber den Mitgliedern, dass der derzeitige Aufsichtsrat den im Sommer auslaufenden Kontrakt von Baumann noch vor Weihnachten verlängern möchte.

Klarer Werder-Kritiker: Ex-Manager und Aufsichtsratschef Willi Lemke (74)
Klarer Werder-Kritiker: Ex-Manager und Aufsichtsratschef Willi Lemke (74) / Christof Koepsel/Getty Images

"Ich erinnere an Ende Mai 2016, als der damalige Aufsichtsrat - mit Willi Lemke als Mitglied - Frank Baumann einen langjährigen Vertrag angeboten hat, obwohl auch da schon klar war, dass sechs Monate später ein neuer Aufsichtsrat gewählt wird. Damals habe ich diese Kritik nicht von ihm vernommen", zeigte Hess-Grunewald gegenüber der DeichStube seinen Unmut auf. "Es wäre doch fatal, wenn auf dieser Position erst Ende Mai geklärt werden würde, wer ab 1. Juli die Geschäfte führt."

Hess-Grunewald mit Seitenhieb gegen Baumann

Folgenden Satz hätte Hess-Grunewald abschließend lieber auslassen sollen: "Aber natürlich kann man über die Laufzeit des Vertrages nachdenken, über die mit Frank Baumann gesprochen wird, um etwaige Bedenken auch noch zu berücksichtigen." Selbst Baumanns Kollege scheint zumindest kein allzu großer Fan des aktuellen Sportdirektors zu sein. Von sämtlichen Kritiker erhält Hess-Grunewald damit sicher Beifall. Das interne Feuer löscht er damit aber nicht - eher im Gegenteil. Zumal er die Vertragsverhandlungen eigentlich gänzlich dem Aufsichtsrat zu überlassen hat.

Der Machtkampf in Bremen avanciert zu einem einzigen Wirrwarr. Niemand scheint seinem Nebenmann vertrauen zu können. Eine "Gruppe besorgter Vereinsmitglieder" agiert dabei besonders hinterlistig und dürfte bei entsprechendem Einfluss in der Zukunft vor allem die Arbeit von Florian Kohfeldt und Frank Baumann kritisch beäugen. Es bleibt also ebenso spannend wie undurchsichtig.