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Zwei unterschiedliche Gesichter: RB Leipzigs Turnaround gegen PSG

Nov 5, 2020, 4:31 PM GMT+1
RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann (l.) durfte sich über einen 2:1-Sieg gegen Paris St. Germain freuen
RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann (l.) durfte sich über einen 2:1-Sieg gegen Paris St. Germain freuen | Maja Hitij/Getty Images
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Im ersten Aufeinandertreffen nach dem Champions-League-Halbfinale der vergangenen Saison hat RB Leipzig zwei unterschiedliche Halbzeiten gegen Paris St. Germain (2:1) geboten. Nach einem schwachen Start war die Leistung im zweiten Durchgang umso besser.

Schnell und aggressiv nach vorne spielen, auf engstem Raum Lösungen finden, den Gegner durch ein kluges Positionsspiel und wenige Ballkontakte auseinanderziehen und sich auf diese Weise zahlreiche Chancen erspielen: Das ist - grob zusammengefasst - die Herangehensweise von RB Leipzig. Von hinten heraus soll flach aufgebaut werden, mit dem angriffslustigen Angelino wird vorzugsweise über links gespielt, im Zentrum sorgen mit Yussuf Poulsen, Emil Forsberg, Dani Olmo, Christopher Nkunku, Alexander Sörloth oder Hee-Chan Hwang viele Spieler für Furore. Davon war in der ersten Halbzeit gegen Paris St. Germain aber wenig zu sehen.

In den ersten 45 Minuten hinterließen insbesondere Dayot Upamecano und Nordi Mukiele einen schwachen Eindruck. Das französische Abwehr-Duo versuchte das hohe Anlaufen von PSG mit Chipbällen hinter die erste Pressinglinie zu überspielen. Diese waren aber derart kopf- und sorglos gespielt, dass daraus viele Ballverluste resultierten. Naive Entscheidungen, mangelnde Passschärfe und viele Unkonzentriertheiten hatten dazu geführt, dass der Gast aus der französischen Hauptstadt früh in Führung gegangen war und um ein Haar auf 2:0 gestellt hätte - wenn Peter Gulacsi in der 16. Minute nicht den Elfmeter von Angel Di Maria pariert hätte.

Alessandro Florenzi, Peter Gulacsi
Leipzigs Lebensversicherung: Peter Gulacsi (r.) | DeFodi Images/Getty Images

In der Spitze fehlte am Mittwochabend ein Zielspieler wie Poulsen, der lange Bälle festmachen und sich gegen eine körperliche Defensive behaupten kann. Also musste es mit präzisen Flachpässen und viel Tempo über die Außenbahnen funktionieren - so wie beim Ausgleichstreffer durch Nkunku (42.). Angelino machte das Spiel breit, legte das Spielgerät für Forsberg ab, nahm dessen Position im linken Strafraumeck ein und sorgte mit den Mitspielern im Zentrum dafür, dass sich die letzte Abwehrreihe von PSG tief zurückzog. Daraus ergab sich im Rückraum der nötige Platz für Nkunku, der den Ball unbedrängt im Tor von Keylor Navas versenken konnte.

Verwandelte Leipziger in Durchgang zwei

Das Tor war ein echter Wirkungstreffer. Das Momentum war auf der Seite der Hausherren, die den Schwung mit in die zweite Halbzeit nahmen. Mit nun drei Spielern im Angriffspressing wurde PSG im Aufbau in Schach gehalten, brenzlig wurde es vor dem Tor von Gulacsi nur selten - auch, weil die Körpersprache gestimmt hat. Besonders Upamecano und Mukiele waren in Zweikämpfen viel wacher und robuster, spielten zudem viel besser von hinten raus. Konzentration, Übersicht und Passschärfe waren wieder vorhanden.

Dayot Upamecano
Dayot Upamecano bot - wie die gesamte Mannschaft - ein Spiel mit zwei Halbzeiten | Pool/Getty Images

Das diagonale Angriffsspiel war weiterhin Leipzigs Markenzeichen, und auch nach der Umstellung auf ein flaches 4-4-2 im Spiel gegen den Ball behielt RB die Oberhand. Das Siegtor durch Forsberg - wenn auch durch einen Elfmeter (57.) - war die logische Konsequenz.

In der Folge nahmen die Sachsen den ersatzgeschwächten Parisern, die ohne Neymar und Kylian Mbappé antreten mussten, die Lust am Fußballspielen. In Minute 69 wurde Idrissa Gueye des Feldes verwiesen, nach dem Platzverweis für Presnel Kimpembe (90.+5) war der französischer Meister sogar nur noch zu neunt.

Tuchel hadert: "Haben uns von der Hektik anstecken lassen"

"Wir haben uns von dem ganzen Lärm von der Seite und der Hektik anstecken lassen", konstatierte Thomas Tuchel laut kicker nach dem Spiel. Besonders die Entstehung des Strafstoßes - ein Handspiel von Kimpembe - verärgerte den PSG-Coach: "Der war ohne Not. Da machen wir ein Handspiel, ohne dass wir eine Torchance verhindern mussten."

Auch der eingewechselte Thilo Kehrer befand: "Trotz der Umstände haben wir in den ersten Minuten ein gutes Spiel gemacht. Dann haben wir uns aber dem Stil der Leipziger angepasst, sonst hätten wir sicherlich gewinnen können." Das ist die wohl größte Lehre für das Rückspiel, das am 24. November stattfinden wird.

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