Frauen-Bundesliga

Zuschauerrekord, stolze Frankfurterinnen und unzufriedene Bayern: Die Stimmen zum Frauen-Bundesliga-Auftakt

Daniel Holfelder
Giulia Gwinn (links) und Laura Freigang (rechts) trennten sich 0:0
Giulia Gwinn (links) und Laura Freigang (rechts) trennten sich 0:0 / Alex Grimm/GettyImages
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Nach dem torlosen Remis zum Bundesliga-Auftakt waren sich Eintracht Frankfurt und der FC Bayern in einem Punkt einig: Mit der Rekordkulisse von 23.200 Zuschauern entwickelt sich der deutsche Frauenfußball in die richtige Richtung. Aus sportlicher Perspektive konnten die Adlerträgerinnen mit dem Unentschieden besser leben als die Münchnerinnen, auch wenn sich die SGE ein wenig darüber ärgerte, nicht noch mehr als nur einen Punkt im Deutsche Bank Park behalten zu haben. Aufseiten der Bayern überwog hingegen die Unzufriedenheit.

Die Stimmen zum Spiel, zitiert via eintracht.de und fcbayern.com:


Die Stimmen der Eintracht

Trainer Niko Arnautis: "Werbung für uns und die ganze Liga"

"Man hat der Mannschaft angemerkt, dass sie der Kulisse gerecht werden möchte, indem sie von der ersten Minute an Powerfußball gespielt hat. Danke an die Verantwortlichen und Zuschauer. Das war Werbung für uns und die ganze Liga. Die Zahl von 23.200 Zuschauern ist super, aber auch die Art und Weise, wie sie uns nach vorne gepusht haben. Wir genießen diesen Abend, es war ein toller Tag für Frauenfußball in Deutschland. Ich glaube, dass wir sehr gut eingestellt waren auf das neue System der Bayern. Wir waren mutig, haben den Gegner auch gegen den Ball früh unter Druck gesetzt, sodass sie nicht zu ihrem Spiel kamen. Über 90 Minuten waren wir die Mannschaft, die dem Sieg näher war. Im Kreis nach dem Spiel habe ich glückliche Gesichter gesehen. Aber wir wissen, dass auch drei Punkte drin waren. Es ist eine neue Entwicklung, dass wir die Bayern nicht nur bekämpft, sondern auch bespielt haben. Wir haben alles dafür getan, drei Punkte mitzunehmen. Wir ärgern uns ein bisschen, dass wir nicht gewonnen haben. Aber das ist okay, mit dem Punkt können wir leben. Wir müssen am Boden bleiben. Wir haben vor dem Spiel keinen Druck verspürt, sondern die Euphorie mitgenommen. Wir wussten, dass wir harte Arbeit auf dem Platz bringen müssen, um mit den Fans eine gute Leistung abzurufen. Das hat sie geschafft. Die Mannschaft erhält ein Pauschallob. Wer am Donnerstag unser Training im Elf-gegen-elf gesehen hat, weiß, dass es alle 22 Spielerinnen verdient gehabt hätten, heute auf dem Platz zu stehen. Dass Laura trotz Verletzung weiterspielen wollte, zeigt die Mentalität und den Charakter dieser Truppe."

Kapitänin Tanja Pawollek: "Haben leider unsere Chancen nicht genutzt"

"Es war ein Megaerlebnis. Man hat uns angemerkt, dass wir etwas Zeit gebraucht haben, um reinzukommen. Wir haben das ganze Spiel über dominiert, aber leider unsere Chancen nicht genutzt. Der Zuschauerrekord ist eine tolle Sache für den Frauenfußball. Wir hoffen, dass damit der nächste Schritt gemacht ist und die Menschen mehr Gefallen an der Frauenbundesliga gefunden haben."

Laura Freigang: "Die Kulisse hat uns beflügelt"

"Die Schulter tut weh. Da ist was, das spüre ich. Wir schauen es uns morgen an. Wir haben uns total gefreut, dass wir vor so vielen Zuschauern spielen konnten. Die Kulisse hat uns beflügelt, ich habe es dann nach meiner Einwechslung auf der Bank nochmal aufsaugen können. Die zweite Halbzeit war richtig gut. Man geht nicht in ein Spiel gegen Bayern und erwartet, mehr Ballbesitz zu haben. Wir haben das geschafft. Wir hätten in manchen Situationen noch ein bisschen näher ans Tor kommen können. Aber haben wir haben es gut gemacht, den Punkt nehmen wir gerne mit."

Sophia Kleinherne: "Unser Mindestziel haben wir erreicht"

"Wir hatten nicht die Erwartungshaltung, dass wir Bayern unbedingt schlagen müssen. Unser Mindestziel haben wir mit einem Punkt erreicht. Rückblickend wäre sogar mehr drin gewesen, was für unsere Qualität spricht. Die Zuschauer haben uns beflügelt. Wir werden das reflektieren und uns vielleicht auch ärgern, dass wir nicht gewonnen haben. Wir haben gezeigt, dass solch eine Kulisse umsetzbar ist. Natürlich würden wir uns freuen, wenn das häufiger gelänge. Das würde den Frauenfußball in Deutschland auf ein neues Level heben."

Sara Doorsoun: "Es war einfach geil"

"Es war einfach geil! Was die Fans geleistet haben, war für den Frauenfußball in Deutschland überragend. Wenn man uns die Bühne lässt, Werbung macht und das Umfeld drum herum daran arbeitet, so etwas auf die Beine zu stellen, ist so etwas häufiger möglich. Ein Sieg wäre möglich gewesen, wir waren nicht die schlechtere Mannschaft. Im Vorfeld hätten wir den Punkt wahrscheinlich genommen, nach dem Spielverlauf wären drei Punkte aber verdient gewesen. Wir haben schönen und aggressiven Fußball gespielt, waren stark in den Zweikämpfen und haben gut gepresst. Es war cool, wie sich die Emotionen vom Platz auf das Publikum übertragen haben."

Stina Johannes: "Insgesamt können wir zufrieden sein"

"Es war ein tolles Ereignis für uns alle. Wir sind dankbar, vor so vielen Zuschauern spielen zu dürfen. Das ist Gänsehaut und kommt nicht so oft vor. Wir haben es wirklich genossen. Es ist schön zu sehen, dass sich die Menschen immer mehr für den Frauenfußball interessieren. Das ist genau die Entwicklung, die wir uns erhofft haben. Die Zuschauer haben uns über 90 Minuten gepusht. Für einen Sieg hätten wir effizienter sein müssen, aber insgesamt können wir mit dem Punkt zufrieden sein. Es war ein guter Start in die Ligasaison. Das müssen wir nächste Woche bestätigen."

Sportdirektor Siegfried Dietrich: "Eine neue Benchmark"

"Die Saisoneröffnung mit dem großartigen Zuschauerrekord im Deutsche Bank Park war nach den EM-Erlebnissen ein richtungsweisender Abend für den deutschen Frauenfußball und ein tolles Signal für die FLYERALARM Frauen-Bundesliga. Was für eine Stimmung bei den mehr als 23.000 Fans, die in der atmosphärisch starken, digitalisierten Stadionwelt von Eintracht Frankfurt beide Teams begleiteten. Es war ein total begeisterndes Spiel. Die Zuschauer haben uns getragen. Das Spiel hätte am Schluss zu unseren Gunsten ausgehen können, als wir gute Kontermöglichkeiten gehabt haben. Das macht Hunger auf mehr und hat sicherlich viele neue Fans im Stadion, aber auch an den Bildschirmen, gewonnen. Zudem eine neue Benchmark, die auch andere Ligaklubs motivieren werden, ihre großen Stadien als Bühnen für mehr Wahrnehmung, Zuschauergewinnung und Eventisierung zu nutzen. Im Rückblick auf den tollen Fußballabend gilt den Kolleginnen und Kollegen der großen Adlerfamilie ein großes Dankeschön, die das Highlight-Spiel mit besten Rahmenbedingungen zu diesem tollen Erlebnis gemacht haben."

Vorstandssprecher Axel Hellmann: "Der Frauenfußball verdient diese Aufmerksamkeit"

"Der Frauenfußball verdient diese Aufmerksamkeit, wir haben ein tolles Spiel erlebt. Dass der Zuschauerrekord der Frauenfußballbundesliga in Frankfurt gefallen ist, zeigt auch die Begeisterung in der Region. Es ist schön zu sehen, wie viele Familien und junge Menschen den Weg in den Deutsche Bank Park gefunden haben."

Präsident Peter Fischer: "Irgendwann bis zu 30.000 Zuschauer"

"Ich denke, wir waren die bessere Mannschaft, gerade in der zweiten Halbzeit, als wir mutiger gepresst haben und ein paar Torchancen hatten. Wir haben den Zuschauern gezeigt, dass der Fußball, den diese Mannschaft zeigt, Spaß macht. Die Spielweise ist schön anzusehen und es ist spannend bis zum Schluss. Ich bin der Überzeugung, dass es uns gelingen wird, irgendwann bis zu 30.000 Menschen zu einem Spiel unserer Frauen in den Deutsche Bank Park zu bekommen. Das hätten sie sich absolut verdient."


Die Stimmen der Bayern

Trainer Alexander Straus: "Müssen uns steigern"

"Es war ein umkämpftes Spiel und die Intensität war sehr hoch. Eintracht hat es uns im Gegenpressing schwer gemacht. Heute waren wir nicht gut genug, um zu gewinnen. Wir hatten Chancen, aber haben diese nicht genutzt. Wenn wir 1:0 in Führung gegangen wären, wäre das Spiel anders gelaufen. Heute nehmen wir den Punkt mit, aber wissen, dass wir uns in den nächsten Spielen steigern müssen. Die Stimmung im Stadion war heute natürlich überragend, das war eine großartige Erfahrung für die Spielerinnen."

Lea Schüller: "Heute sind wir nicht zufrieden"

"Die Kulisse war natürlich überragend, da freut man sich, wenn man ins Stadion kommt. Wir sind mit dem Unentschieden nicht zufrieden, das hätten wir viel besser machen können. Am Anfang waren wir meiner Meinung nach zu ängstlich und haben zu viele lange Bälle gespielt. Eigentlich haben wir es in den letzten Spielen gut gemacht, aber heute sind wir nicht zufrieden."

Giulia Gwinn: "Haben uns erhofft, dass die EM-Euphorie anhält"

"Heute war etwas ganz Besonderes für uns. Es ist genau das, was wir uns erhofft haben, dass die Euphorie nach der EM anhält. Die Atmosphäre war sehr schön und die Zuschauer waren echt laut, das spürt man auch auf dem Platz. Für uns ist das Ergebnis natürlich nicht zufriedenstellend. Wir waren über weite Strecken nicht zufrieden mit dem, was wir aufs Feld gebracht haben."


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