FC Barcelona

Xavi-Start bei Barça: Heiße Wochen und viele Fragezeichen für die Klub-Ikone

Guido Müller
Bekommt es zum Start gleich mit dem Stadtrivalen Espanyol zu tun: Xavi Hernández
Bekommt es zum Start gleich mit dem Stadtrivalen Espanyol zu tun: Xavi Hernández / LLUIS GENE/GettyImages
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Seit einer Woche ist Xavi Hernández neuer Cheftrainer des FC Barcelona. Nach den turbulenten Tagen rund um seine medienwirksame Präsentation als neuer Hoffnungsträger eines in tiefe Depressionen verfallenen Klubs geht seine Arbeit nun erst richtig los. Das Programm bis zum Ende des Monats ist dabei durchaus anspruchsvoll.


Stadtderby gegen Espanyol

Denn schon am Samstag (21.00 Uhr) empfangen die Blaugrana den Lokalrivalen Espanyol zum stets emotionsgeladenen Stadtderby. Statistisch gesehen sollte es eine klare Sache für die Hausherren werden: die letzte Heimniederlage gegen den "kleinen Bruder" setzte es am 24. Spieltag der Saison 2008/09.

Am 11. Februar 2009 gewannen die Gäste durch einen Doppelpack des Ex-Azulgrana Iván de la Peña mit 2:1. Damals noch als Spieler auf dem Platz: Xavi Hernández.

In den folgenden elf Heimspielen (in der vergangenen Saison fiel das Barcelona-Derby aufgrund der Zweitklassigkeit Espanyols aus) rückte der "große Bruder" die Verhältnisse wieder zurecht - und gewann elf Mal in Folge - mit einem Torverhältnis von 34:2.

Champions League-"Finale" gegen Benfica

Drei Tage später wartet dann schon ein echtes Endspiel auf den neuen Coach. Im vorletzten Spiel der Champions-League-Gruppe D empfangen die Katalanen Benfica. Ein Sieg würde sie vorzeitig für das Achtelfinale qualifizieren. Und somit das letzte Spiel bei den Bayern bedeutungslos machen.

Bei einer Niederlage hingegen müssten sie in München gewinnen - und gleichzeitig auf einen Ausrutscher der Portugiesen gegen Dynamo Kiew hoffen.

Auswärtsspiel beim amtierenden Europa-League-Sieger

Die stets unangenehme Reise nach Villarreal (am 27. November) beschließt dann den ersten Pflichtspiel-Zyklus des von vielen als Heilsbringer auserkorenen neuen Trainers.

Ein kniffliger Aufgalopp also für den neuen starken Mann an der Seitenlinie. Gespannt warten nun Fans und Beobachter, mit welchen Spielern Xavi diesen Auftakt in seine neuen Karriereabschnitt bewältigen will.

Wie sieht das Barça-Mittelfeld unter Xavi aus?

Vor allem in der Zone, in der er als Spieler über ein Jahrzehnt hinweg auf Weltklasseniveau agierte, im Mittelfeld, gibt es viele Fragen. Die einzige, die man jetzt wohl schon beantworten kann, betrifft die Grundausrichtung. Denn dass auch Xavi mit einem 4-3-3 agieren wird, gilt als sicher.

Unter seinem Vorgänger Ronald Koeman waren im Mittelfeld Sergio Busquets, Frenkie de Jong und Pedri in der Regel gesetzt.

Nico González und Gavi als Alternativen für de Jong und Pedri?

Mit der Ende September zugezogenen Verletzung von Pedri war jedoch schon der Holländer in den letzten Wochen gezwungen, Alternativen für den Kanarier zu finden. Er fand sie zuletzt in Eigengewächs Nico González.

Nico Gonzalez
Zuletzt dreimal in Folge in der Startelf: Nico González / Alex Caparros/GettyImages

Aber auch Gavi, der zuletzt in der A-Nationalmannschaft Spaniens brillierte, und Coutinho durften sich, mit mehr oder weniger Erfolg, in der Schaltzentrale der Blaugrana versuchen. Was auch am anhaltenden Formtief von Frenkie de Jong gelegen haben dürfte, der nach einer starken Vorsaison bislang überhaupt noch nicht in Tritt gekommen ist.

Pablo Paez 'Gavi'
Durfte zuletzt viermal bei der A-Nationalmannschaft ran: Gavi / Alex Caparros/GettyImages

Somit war die einzige Konstante im Koeman'schen Mittelfeld zuletzt Routinier Sergio Busquets, mit dem Xavi noch zusammengespielt hat. Busquets war bei besagter letzter Heimniederlage gegen Espanyol übrigens auch auf dem Platz.

Schafft Riqui Puig unter Xavi endlich den Durchbruch?

Alternativ zu den Genannten stünden Xavi noch Riqui Puig und Sergi Roberto zur Verfügung. Ersterer wird seit Jahren als eines der größten Talente des Klubs angepriesen. Die drei Vorgänger von Xavi auf der Trainerbank (Ernesto Valverde, Quique Setién und eben Ronald Koeman) hatten da aber offenbar andere Meinungen - und ließen den kleinen Mittelfeldspieler regelmäßig außen vor.

Riqui Puig
Muss den Vorschusslorbeeren auch bald mal Leistungen folgen lassen: Riqui Puig / Quality Sport Images/GettyImages

Beim bislang ebenfalls schleppend in die Spielzeit gekommenen Sergi Roberto wiederum wird Xavi sich wohl noch etwas gedulden müssen.

Offenbar ist beim dritten Kapitän der Mannschaft die alte Muskelverletzung wieder aufgebrochen, die ihn schon in der vergangenen Spielzeit die meisten Partien verpassen ließ. Ein Einsatz schon am kommenden Wochenende dürfte für ihn noch zu früh kommen.

Coutinho will Barça im Winter nicht verlassen

Sehr gespannt darf man auch auf Xavis Umgang mit Rekordeinkauf Philippe Coutinho sein. Der Brasilianer geht bislang als eine der größten Enttäuschungen in die Klub-Historie ein - und wird sich enorm strecken müssen, um seinen neuen Trainer vom Gegenteil zu überzeugen.

Der wiederum will von der Vergangenheit nichts wissen - und sich erstmal lieber selber ein Bild machen. Doch müsste schon viel passieren, damit Coutinho auf einmal wieder eine echte Option für sein Team wird.

Kämpferisch jedenfalls zeigte sich der Brasilianer zuletzt. Auch nach dem Aus von Ronald Koeman, der mehr als dessen Vorgänger an ihn geglaubt hat, am Ende aber ebenfalls daran gescheitert ist, den Coutinho aus Liverpooler Zeiten zu reaktivieren.

Einem Wechsel im bevorstehenden Winter hat Coutinho trotz der trüben Aussichten bereits eine klare Absage erteilt. Wenig überraschend angesichts seines fürstlichen Gehalts.

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