Arbeitssieg in Unterzahl: Die Einzelkritik zu Wolfsburgs 3:0 gegen Essen

Marina Hegering und Sveindis Jonsdottir steuerten je ein Tor zum 3:0 gegen Essen bei.
Marina Hegering und Sveindis Jonsdottir steuerten je ein Tor zum 3:0 gegen Essen bei. / Christof Koepsel/GettyImages
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Der VfL Wolfsburg bleibt in der Frauen-Bundesliga das Maß der Dinge. Die Wölfinnen fuhren gegen Essen einen relativ ungefährdeten 3:0-Sieg ein. Erneut drehte Wolfsburg in der zweiten Hälfte das Spiel und siegte dank Toren von Alex Popp, Sveindis Jonsdottir und Marina Hegering trotz Unterzahl.

Tor und Abwehr

Merle Frohms (Tor): 7/10

Frohms erlebte einen ruhigen Nachmittag - trotz zehn erzielten Toren in den letzten zwei Spielen brachten die Essenerinnen wenige gefährliche Schüsse aufs Tor. Die deutsche Nationaltorhüterin zeigte auch gegen die SGS wieder, dass sie seit ihrem Wechsel nach Wolfsburg an ihrer Spieleröffnung gearbeitet hat, und spielte gute lange Pässe.

Lynn Wilms (RV): 6/10

Eher ruhiges Spiel von Wilms, die als Rechtsverteidigerin sonst mit einem großen Offensivdrang ausgestattet ist. Die Niederländerin hatte nicht wenig zu tun, gerade in der ersten Hälfte kam Essen gerne mal über links. Wilms kam dabei manchmal etwas zu spät, gewann dann aber zuverlässig ihre Zweikämpfe, aus sechs von sieben ging sie als Siegerin hervor.

Marina Hegering (IV): 8/10

Marina Hegering
Traf erneut: Marina Hegering / Christof Koepsel/GettyImages

Hegering hatte die erste Großchance für Wolfsburg, als sie nach einer Ecke eigentlich nur noch ins leere Tor köpfen musste. Die 32-Jährige wurde aber bedrängt und schaffte es nicht, den Ball im Tor unterzubringen. Anders sah das in der 87. Minute aus, als sie das kontroverse 3:0 erzielte - vermutlich war da aber ihr Arm im Spiel. Hegering wird es nicht stören, sie trug auch mit routiniertem Abwehrverhalten zum Sieg bei und bleibt eine der torgefährlichsten Innenverteidigerinnen der Liga. Spielte auch den entscheidenden Pass zum 2:0.

Kathrin Hendrich (IV): 7/10

Defensiv meist solide, versuchte sich auch in manch einer Aktion nach vorne. Das ging aber auch mal schief, und Hendrich verlor leichtfertig den Ball (15.) Meist suchte sie den Lauf ins Mittelfeld und anschließend einen tiefen Pass, was teilweise auch gut klappte.

Felicitas Rauch (LV): 6/10

Nach ihrem Gala-Auftritt gegen Freiburg wieder mit einer etwas unauffälligeren Vorstellung. Rauch schaltete sich zwar gerne nach vorne ein, suchte mit langen Bällen die Stürmerinnen, aber nicht immer ganz genau. Defensiv kaum bis gar nicht gefordert. Das Zusammenspiel mit Jonsdottir wollte nicht so recht klappen.

Mittelfeld

Lena Lattwein: 7/10

Lattwein hatte an der Seite von Lena Oberdorf zuletzt ein paar sehr gute Spiele gemacht und ihre Rolle gefunden. Gegen Essen musste sie sich nun allein zurechtfinden, machte das Zentrum gut zu. Nach vorne gelang Lattwein jedoch nicht der öffnende Pass, um für mehr Torgefahr zu sorgen - außer in der 66. Minute, als sie das Spiel auf die rechte Seite verlagerte und damit Huths entscheidende Flanke zum 1:0 erlaubte. Ansonsten eher mit einer "Staubsauger"-Rolle.

Alexandra Popp: 9/10

Popp war eine absolute Schlüsselspielerin bei diesem Wolfsburger Sieg. Versuchte mit langen Bällen immer wieder, Essens dicken Abwehrriegel zu knacken (11., 22.). Das gelang ihr später dann mit ihrem eigenen Treffer, als sie in typischer Popp-Manier nach einer Flanke per Kopf den Dosenöffner beisteuerte. Das zeigt erneut: In Abwesenheit der verletzten Oberdorf macht Popp zwar eine gute Figur im Mittelfeld, aber ihre wahren Stärken liegen weiterhin in der Box. Aber auch ihre defensive Mitarbeit war unheimlich wichtig, etwa als sie in der 31. als letzte Frau klärte.

Svenja Huth: 5/10

Svenja Huth
Mit Gelb-Rot die Unglücksrabin des Spiels: Svenja Huth / Martin Rose/GettyImages

Wie auch der Rest der Wolfsburgerinnen tat sich Huth gegen gut organisierte Essenerinnen auf dem sehr sandigen Platz an der Hafenstraße nach vorne schwer. Das machte sie aber mit einer sehr schönen Flanke auf Popp zum 1:0 wieder wett - eine Kombination, die fast immer funktioniert. Ihre gelb-rote Karte war vollkommen unnötig, denn auch Hendrich hätte noch einfach klären können. Ein recht unerklärlicher Fauxpas der Kapitänin, über den sie nach dem Spiel mit Popp auch lachen konnte. Die erste gelbe Karte dagegen war recht diskutabel und wohl als Zeichen der Schiedsrichterin gedacht, nicht alles durchgehen zu lassen.

Sturm

Jule Brand (RW): 5/10

Brand stand recht tief und fungierte eher als eine Art Schienenspielerin. Sie half defensiv diszipliniert viel aus, was aber etwas auf Kosten ihrer offensiven Mitarbeit ging. Brand machte viel schmutzige Arbeit, holte Bälle zurück und Freistöße heraus. Aber die Qualitäten, die ihr die Auszeichnung als Golden Girl einbrachten, konnte sie nicht zeigen.

Ewa Pajor (ST): 5/10

Pajor war umtriebig und vom Strafraum über die Eckfahne bis an die Mittellinie viel unterwegs. Aus dem Nichts sprintete sie mehrmals in die Tiefe, stand in der 24. Minute aber im Abseits. Kam danach nicht mehr zu vielen Chancen - ein eher frustrierender Nachmittag für Polens Fußballerin des Jahres.

Sveindis Jonsdottir (LW): 6/10

Die isländische Nationalspielerin spielte ihr Tempo gut aus, konnte von der SGS mehrmals nur per Foul gestoppt werden. Es wirkte in manchen Szenen aber so, als würde Jonsdottir zu viel nachdenken, wodurch sie etwa zu schnell abgedrängt wurde (17.) oder die falsche Entscheidung traf. Biss sich an Gegenspielerin Beke Sterner in Zweikämpfen öfters die Zähne aus - bis diese in der 74. Minute ausrutschte, Jonsdottir profitierte und markierte das wichtige 2:0. Insgesamt aber eher durchwachsene Leistung.

Einwechselspielerinnen

Rebecka Blomqvist (62. Minute für Jule Brand): keine Bewertung

Blomqvist sollte mit ihrer Einwechselung für Brand etwas mehr Schwung reinbringen. Die Schwedin konnte aber nur wenige Akzente setzen.

Pauline Bremer (62. Minute für Ewa Pajor): keine Bewertung

Bremer bildete eine Doppelspitze mit Popp, die vom Mittelfeld nach vorne gezogen wurde. Hatte dort weit weniger Aktionen als ihre Mitspielerin mit der Nummer 11.

Pia-Sophie Wolter (74. für Jonsdottir): keine Bewertung

Wolter war nicht so agil wie Jonsdottir, musste beim Stand von 2:0 aber auch nicht mehr den ganz großen Offensivdrang zeigen.

Joelle Wedemeyer (91. für Lynn Wilms): keine Bewertung

Wedemeyer ist als Rechtverteidigerin aktuell nur dritte Wahl. Ihre Einwechselung diente lediglich dazu, die Nachspielzeit schneller verrinnen zu lassen.


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