Am Boden zerstört: Das WM-Debakel der Bayern-Stars

Frustration pur: Kimmich und Musiala hat das Aus hart getroffen
Frustration pur: Kimmich und Musiala hat das Aus hart getroffen / Marvin Ibo Guengoer - GES Sportfoto/GettyImages
facebooktwitterreddit

Was für ein Tiefschlag! Die deutsche Nationalmannschaft ist wie bereits 2018 in der WM-Vorrunde ausgeschieden. Dies bedeutet für den FC Bayern, dass ganze sieben Spieler deutlich früher als geplant in den Urlaub und damit verbunden auch in die Vorbereitungen auf die Rückrunde starten können. Natürlich klingt das aber jetzt besser, als es in Wirklichkeit ist. Tatsächlich ist das Münchner Totalfiasko bei der WM auch fatal in Hinblick auf die großen Ziele in dieser Saison.


Es sollte die WM der Bayern-Stars werden. Mit insgesamt 16 Kickern stellte der FC Bayern die größte Anzahl an Teilnehmern. Und trotzdem hatte alles irgendwie schon schlecht begonnen. Die Rede ist von Sadio Mané, der sich im letzten Bundesligaspiel vor der WM verletzt hatte und auch zum Rückrundenstart nicht fit sein wird. Womöglich verpasst er sogar das Champions-League-Achtelfinale gegen PSG.

Zwar scheint der Liverpool-Neuzugang mental so gefestigt zu sein, dass er den Tiefschlag übersteht, Spuren dürfte die Situation dennoch hinterlassen haben. Es ist hinlänglich bekannt, dass es Mané alles bedeutet hätte, mit seinem Heimatland bei der WM antreten zu können. Man darf zumindest guter Dinge sein, dass man den Senegalesen in München wieder aufrichten kann und dieser noch Top-Leistungen zeigen wird.

Hernández mit Kreuzbandriss, Pavard im Kreuzfeuer: Nur Mazraoui hat Grund zur Freude

Dies wird Lucas Hernández hingegen in den kommenden sechs bis acht Monaten nicht gelingen. Der Abwehrspieler hat sich im ersten Spiel gegen Australien einen Kreuzbandriss zugezogen und wird bis in die Spielzeit 2023/24 fehlen. Der völlig konsternierte Verteidiger soll nach seiner Verletzung sogar über ein Karriereende nachgedacht haben. Zwar stellt Frankreich trotz der Hernández-Verletzung mit Upamecano, Pavard und Coman noch drei weitere Spieler, die noch im Kampf um den WM-Titel vertreten sind, jedoch läuft es mit Ausnahme von Upamecano auch für diese nicht sonderlich gut. Kingsley Coman ist nur Joker und zeigt dabei ähnlich wie zuletzt in München keine gute Leistungen.

Noch schlechter sieht es für Pavard aus, der gleich nach dem ersten Spiel einen Einlauf von Deschamps kassiert hat und seitdem nicht mehr spielen durfte. Stattdessen soll sich sogar eine kleine Gruppe an Spielern gebildet haben, die gegen Pavard ätzt, da dieser nicht leistungsstark genug sei. Natürlich ein Schlag in das Ego des Defensiv-Allrounders.

Ähnlich ist die Lage auch bei Matthijs de Ligt. Der Holländer hat ein mieses erstes Spiel abgeliefert und ist seitdem nur Ersatz in einer bislang enttäuschenden, aber zumindest erfolgreichen Elftal. De Ligt bildet mit Upamecano, Pavard, Coman, dem noch nicht eingesetzten Stanisic und Mazraoui das aus Münchner Sicht verbliebene Sextett. Letztgenannter ist so ziemlich der einzige Bayern-Star, der obenauf ist. Immerhin hat er mit Marokko die Gruppe gewonnen.

Wenig Erfreuliches brachte die WM auch für Alphonso Davies, der mit Kanada zwar eine ordentliche, letztlich aber punktelose Weltmeisterschaft gespielt hat. Der Bayern-Star stand mit seinem verschossenen Elfmeter gegen Belgien sinnbildlich dafür. Immerhin: Davies dürfte das positive Erlebnis mitnehmen, dabei gewesen zu sein und ist sicherlich keiner, dem man groß aufrichten muss. Gleiches dürfte auch für Choupo-Moting gelten, der mit Kamerun vor dem Aus steht.

DFB-Stars nach Aus konsterniert: Sorgen um Kimmich und Musiala

Dafür wird man bei den sieben DFB-Kickern einiges an Aufbauarbeit leisten müssen. Dies gilt insbesondere für Joshua Kimmich und Jamal Musiala. Ersterer erklärte nach dem Aus völlig niedergeschlagen in einem Interview, dass es für ihn der schwerste Tag in seiner Karriere ist und er Angst hat, in ein Loch zu fallen. Der enorm ehrgeizige Kimmich hat die Ansicht, dass sein Name besonders im Zusammenhang mit dem erneuten Scheitern fallen wird.

Der 27-Jährige war schon nach dem WM-Aus 2018 komplett down, jedoch dürfte der Schmerz jetzt nochmal ein ganzes Kaliber höher sein. Kimmich ist definitiv ein Spieler, um den man sich jetzt Sorgen machen muss, selbst wenn er Erfahrung im Umgang mit Misserfolgen hat.

Dies trifft auf Jamal Musiala hingegen weniger zu. Dem Youngster ist in seiner Karriere eigentlich fast immer alles gelungen. Tatsächlich gehörte der Youngster zu den besten DFB-Spielern im Turnier, jedoch war er auch der Akteur mit dem größten Pech. Es nagt an Musiala, dass er kein Tor erzielen konnte und zudem die Großchancen gegen Spanien vergab.

Der 19-Jährige, der bereits nach dem Spanien-Match angekündigt hatte, wohl nicht so gut schlafen zu können, wird dies womöglich häufiger tun. Aus seinem Interview nach dem Spiel war deutlich herauszuhören, dass er sich auch eine Teilschuld für das deutsche Ausscheiden gibt. Darf Musiala eines nicht verlieren, dann ist es seine Unbeschwertheit. Leichter gesagt als getan, nach einem solchen Turnier.

Da ist es mit Sicherheit nicht gerade positiv, dass die meisten seiner Mitspieler ebenfalls ziemlich geknickt nach München zurückkehren werden. Selbst Thomas Müller, der ein enttäuschendes Turnier gespielt hat und womöglich nie mehr für Deutschland spielen wird, dürfte die Stimmung mit seinen lockeren Sprüchen fürs Erste nicht aufheitern können. Es ist die erste harte Prüfung, die Musiala jetzt bestehen muss.

Trainingslager in Katar: Rückkehr an den Ort des Grauens

Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass Julian Nagelsmann in der Vorbereitung auf die Rückrunde eher das Gefühl hat, eine Selbsthilfegruppe zu leiten, als ein Profi-Fußball-Team. Erschwerend kommt dann noch dazu, dass das Trainingslager ausgerechnet in Katar stattfinden wird. Für die Bayern-Stars ist das ein Ort, der nun mit sehr vielen negativen Emotionen verbunden ist. Flashback-Gefahr ist da jedenfalls vorprogrammiert. Rein psychologisch hätte man sich keinen schlechteren Ort ausdenken können, um den Kopf frei zu bekommen und sich auf die kommenden Aufgaben zu konzentrieren. Ganz miese Voraussetzungen vor dem CL-Kracher gegen Paris Saint-Germain, deren Stars wie Messi oder Mbappé bei der WM schon Großes geleistet haben.

Zehn Jahre nach Triple 2013: Schaffen geknickte Bayern erneut den Turnaround?

Die einzige Hoffnung, die bleibt, ist, dass sich im Team eine "Jetzt-erst-recht-Mentalität" breit macht und die Münchner der ganzen Welt zeigen wollen, wo der Hammer hängt. Heftige Niederlagen sind oft der erste Schritt auf dem Weg zum ganz großen Erfolg.

Das letzte Mal, als zahlreiche Bayern-Stars derart am Boden waren, dürfte im Jahr 2012 nach dem verlorenen Finale Dahoam gewesen sein. Was folgte, war die spektakuläre Triple-Saison 2013. Nun gilt es für Spieler wie Kimmich oder Musiala zu zeigen, dass sie ein Schweinsteiger oder ein Robben sein können und all die Enttäuschung in Kraft umwandeln.


WM-Debakel perfekt: Tobias Escher analysiert mit 90min das deutsche Aus


Alles zur DFB-Auswahl & WM 2022 bei 90min:

Alle DFB-News
Alle WM-News