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WM 2022: Wie sich Katar die Weltmeisterschaft erkaufte

Marc Knieper
FIFA-Präsident Sepp Blatter verkündet Katar als WM-Austragungsort
FIFA-Präsident Sepp Blatter verkündet Katar als WM-Austragungsort / PHILIPPE DESMAZES/GettyImages
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Klopf! Klopf! Es ist soweit: Die Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Noch in diesem Jahr findet sie erstmals im Nahen Osten statt. Zum ersten Mal heißt es nicht Bier und Badebuchs, sondern Glühwein und Winterjacke - mit dem Finale am vierten Advent.

Die WM 2022 in Katar ist die wohl umstrittenste Fußball-WM aller Zeiten. Menschenrechtsverletzungen und Korruption überschatten das bevorstehende Ereignis und werfen die Frage auf: Sollte man sich die Spiele überhaupt angucken? Die millionenschwere Korruption einer emotionslosen Fußballnation im Überblick.


Am 2. Dezember 2010 entschied der Fußball-Weltverband über die WM 2022. Australien, Japan, Südkorea, Katar und die USA hatten sich als Austragungsländer beworben. FIFA-Boss Sepp Blatter präsentierte einen überraschenden Sieger. Die Mehrheit der Fußballwelt schien angesichts dieser Entscheidung sprachlos.

Die millionenschwere Korruption Katars

Die 22 Männer des FIFA-Exekutivkomitees gaben ihre Stimme ab. Katar hat sich viele - wenn nicht alle - der 14 Stimmen schlicht und ergreifend erkauft. Als Strippenzieher der WM gilt Mohammed Bin Hammam - damals der katarische Vertreter im Exekutivkomitee. Bestens vernetzt, sollen Millionen Dollar zu anderen Exekutiv-Mitgliedern geflossen sein.

Übrigens: Von den 22 Mitgliedern sind heute bis auf zwei alle vom Fußball ausgeschlossen und verurteilt, angeklagt oder werden der Korruption beschuldigt.

Emir of the State of Qatar Sheikh Hamad
Katars Ex-Emir Hamad bin Khalifa Al Thani freut sich über die WM-Verkündung / PHILIPPE DESMAZES/GettyImages

Das ivorische Mitglied Jacques Anouma etwa soll 1,5 Millionen Dollar für seine Stimme pro Katar bekommen haben. Der Zyprer Marios Lefkaritis sogar 32 Millionen - angeblich für ein Stück zypriotisches Land. Eine katarische Firma kaufte es wenige Tage vor der Stimmenvergabe.

Das Schlimme: Offiziell verurteilt wegen der Korruption rund um die WM 2022 wurde keiner der 22 Männer. Katar hat sich überall eingekauft. Beweisen kann man trotzdem schlecht, dass die Stimme einer bestimmten Person gekauft worden ist.

Katar, eine emotionslose Fußballnation

Korruption ist im Fußball allerdings schon lange keine Seltenheit mehr. Was bei der Kritik rund um die Weltmeisterschaft im Emirat dazukommt: Katar ist keine Fußballnation. Die meisten Kataris interessieren sich überhaupt nicht für Fußball. Bei Ligaspielen hält sich der Andrang in Grenzen, gerne kommen auch weniger als 50 Fans.

Al-Duhail vs Al Rayyan - Qatar Stars League
Leere Ränge in der Qatar Stars League zwischen Al-Duhail und Al Rayyan / Simon Holmes/GettyImages

2015 kauften sich die Klubs in der Qatar Stars League eine Vielzahl ihrer Zuschauer einfach ein. Afrikanische und indische Bauarbeiter wurden in ein weißes Gewand gesteckt, bekamen eine Trommel in die Hand und übten arabische Fangesänge ein. Dafür gab's dann sieben Euro pro Mann. Das ist kein Scherz!

Nun ist es trotzdem soweit: Zum ersten Mal seit 1934 darf ein Land eine WM ausrichten, das zuvor noch nie daran teilgenommen hat bzw. die Qualifikation sportlich nie erreichte. Fußball-Euphorie kann und sollte im Emirat nicht aufkommen.

Die Frage nach der Moral muss sich ein jeder angesichts der menschenverachtenden Bedingungen zwangsläufig stellen. Emotionslose Spiele in leeren Stadien wären das wohl beste Zeichen gegen diese erkaufte und von mehr als 6.500 Toten überschattete Weltmeisterschaft.


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