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Wie Schachtar Donezk die Brasilianer für sich entdeckte

Junior Moraes
Schachtar Donezk setzt seit 2004 verstärkt auf brasilianische Spieler - mit großem Erfolg | Handout/Getty Images

Schachtar Donezk hat den VfL Wolfsburg unter der Woche aus der Europa League geworfen, mit Junior Moraes traf natürlich auch ein Brasilianer. Davon stehen bei den Ukrainern derzeit 14 im Kader, seit 2002 verfolgen sie damit das Ziel, Dynamo Kiew auszustechen und den Zuschauern eine Show zu bieten. Auch dank Trainer-Legende Mircea Lucescu, der das ganze ins Rollen brachte, gelingt dies Donezk mit großem Erfolg.

Mircea Lucescu ist ein Mann, der es liebt, Herausforderungen einzugehen. Einer, der es versteht, verschiedene Gruppen zu einer Gemeinschaft zu verschmelzen. Deshalb war der Rumäne 2004 auch die perfekte Wahl als Trainer von Schachtar Donezk - und auch deshalb, weil er fließend portugiesisch spricht. All diese Eigenschaften benötigt seither ein Trainer beim ukrainischen Arbeiter- und Bergbauverein.

Dass der Verein so etwas benötigt, erkannte auch der Milliardär und Gönner der Ost-Ukrainer, Rinat Achmetow. Die Mannschaft Schachtars bestand schon lange aus vielen ausländischen Spielern, weil die meisten ukrainischen Talente eher zum großen Dynamo Kiew gingen. Um den Hauptstädtern Konkurrenz machen zu können, hatte Schachtar Anfang des Jahrtausends eine Idee: Junge Süd-Amerikanische Spieler sollten kommen, um den Leuten in Donezk eine Show zu bieten.

Brandao und Damian, die ersten Brasilianer in Donezk

So kamen 2002 in Brandao und Damian die ersten beiden Brasilianer, doch hakte es noch an allen Ecken und Enden. Damian ging bereits nach kurzer Zeit zurück nach Amerika und wechselte nach Mexiko, Brandao spielte kaum und hatte noch große Probleme. Also holte Achmetow 2004 Lucescu als Trainer und mit ihm gleich fünf weitere Brasilianer.

UEFA Europa League"AZ v  FC Zenit"
Mircea Lucescu formte die brasilianischen und die einheimischen Spieler zu einer Einheit | VI-Images/Getty Images

Lucescu, der es geschafft hatte, mit den verfeindeten Istanbuler Klubs Besiktas und Galatsaray kurz hintereinander Titel zu gewinnen, schaffte den Brasilianern fortan ein Umfeld, in dem sie sich entfalten und wohl fühlen konnten. Während die Defensive hauptsächlich von großen Ukrainern oder Kroaten geregelt wurde, tobten sich vorne die Ballkünster von der Copacabana aus. Diese verschiedenen Kulturen unter einen Hut zu bringen war eine Kunst, die Lucescu exzellent beherrschte.

Er verstand es, die Bedürfnisse all seiner Spieler zu befriedigen. Brasilianer, die zu spät aus dem Winterurlaub in der Heimat zurückkehrten? In Donezk kein Thema, denn das Trainingslager wurde nicht selten einfach direkt in Rio de Janeiro ausgetragen. "Europäische Klubs nehmen nur selten ganz junge brasilianische Spieler auf. Das Risiko, sie zu integrieren, ist viel zu hoch", sagte Lucescu einmal (via Spiegel). Für ihn jedoch kein Problem. Und so zündete irgendwann auch Brandao und wechselte 2009 für sechs Millionen Euro zumOlympique Marseille.

Brandao
Brandao war einer der ersten Brasilianer, die für Schachtar spielten | Jean Catuffe/Getty Images

Schachtar war fortan eine beliebte Anlaufstelle für junge Brasilianer und ist es bis heute. Sie treffen dort auf viele Landsmänner und haben die Chance, sich auf hohem europäischen Niveau weiterzuentwickeln und für große Klubs zu empfehlen, schließlich ist Donezk mittlerweile Dauergast in der Champions League. So fanden schon Namen wie Fernandinho, Douglas Costa oder Willian ihren Weg über Donezk zu den ganz großen Klubs in Europa. Doch längst nicht alle gehen diesen Weg, viele fühlen sich derart wohl, dass sie lange bei dem Klub bleiben; Taison zum Beispiel ist in Europa seit Jahren bekannt und wurde von zahlreichen Vereinen gejagt, bleibt Schachtar aber seit 2013 treu.

Lucescu ging, die Philosophie aber nicht

Lucescu wechselte 2016 nach zwölf Jahren in Donezk zu Zenit St. Petersburg, seine Arbeit wird aber fortgesetzt: Mit Paulo Fonseca und aktuell Luis Castro folgten zwei portugiesische Trainer. Seit 2004 hat Schachtar so zwölf Mal die ukrainische Meisterschaft gewonnen, dazu mehrmals den Pokal und 2009 sogar den UEFA Cup. Aktuell stehen 14 Brasilianer im Kader, einige davon sehr jung und mit großem Potenzial. Am kommenden Dienstag geht es im Viertelfinale der Europa League gegen den FC Basel, Außenseiter ist Donezk dort sicher nicht.

Mircea Lucescu übrigens wollte sich erst kürzlich an eine neue Herausforderung wagen und heuerte ausgerechnet bei Dynamo Kiew an. Diesmal war er jedoch nicht erfolgreich, nach nur vier Tagen trat er aufgrund der massiven Gegenwehr der Dynamo-Fans wieder zurück. Er wird also erst einmal nichts daran ändern, dass Kiew von Schachtar längst der Rang abgelaufen wurde.