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Werder Bremen: Hier wurden Stars gemacht und nicht gekauft

Marc Knieper
Frank Baumann ist nicht mehr der Richtige für Werder
Frank Baumann ist nicht mehr der Richtige für Werder / Stuart Franklin/GettyImages
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Werder Bremen avanciert mehr und mehr vom einst attraktiven Ausbildungsklub zur Ausbildungs-Bruchbude. Hier wurden Stars gemacht und nicht gekauft. Doch das ist längst Geschichte. Um das Ruder noch rechtzeitig herumzureißen, bedarf es einer neuen Besatzung. Ein Kommentar.


Mensch, was haben sie schon für Stars geschnitzt beim SV Werder: Diego, Özil, Ailton, Micoud – die Liste der einstigen Mega-Stars vom Osterdeich ist lang. Doch sie stagniert seit Jahren. "Hier werden Stars gemacht und nicht gekauft" singen die Afterburner in ihrem bekannten Vereinslied 'Wir sind Werder Bremen' aus dem Jahre 2004. Im Vers zuvor heißt es: "Kein Geld der Welt wird hier verschenkt, verpfändet oder falsch gelenkt."

Doch die aktuelle, bittere Realität sieht anders aus. Werder macht Spieler schlechter. Sie performen nicht (mehr). Eine attraktive Ausbildungsstätte verfällt mehr und mehr zur Bruchbude. Fußball bedeutet Selbstvertrauen und Spaß. Attribute, die in der Hansestadt längst vermisst werden.

Wo ist sie? Die Magie? Die Lust? Der Zauber des einst magischen Dreiecks? Das magische Dreieck aus Marko Marin, Mesut Özil und Aaron Hunt etwa – drei Bremer Emporkömmlinge, die in der Folge mit ihren Verkäufen die Kassen des damaligen Bundesliga-Topklubs sprengten. Allein die Abgänge von Diego (27 Mio. Euro), Özil (18 Mio.) und Klose (15 Mio.) brachten zwischen 2007 und 2009 satte 60 Millionen Euro ein.

Werder Bremen schnitzte Diego zum Star
Diego ist mit 27 Mio. Euro Werders Top-Abgang / Etsuo Hara/GettyImages

Die Grün-Weißen schnitzten aus Talenten echte Stars und generierten einen Haufen Kohle. Werders damaliger Manager, Klaus Allofs, verpasste nicht etwa wie zuletzt Frank Baumann, den richtigen Zeitpunkt für die Abgabe seiner Stars. Auch wenn derartige Abgänge schmerzten, so lief das Geschäft nun einmal. Werder diente als attraktive, international vertretene Ausbildungsstätte für talentierte Spieler, um letztlich den Sprung in die absolute Fußball-Elite (Real Madrid, Juventus Turin, Bayern München und Co.) zu packen.

Werder-Manager Baumann mit falschem Timing

Kein Geld verschenken, verpfänden oder falsch lenken: Dinge, die in jüngerer Vergangenheit allzu häufig passierten. Spieler wie Milot Rashica und Maximilian Eggestein hätten vor geraumer Zeit für mehr als das Doppelte ihrer jetzigen Ablösesumme wechseln können, doch Werder verpasste den richtigen Zeitpunkt, geriet auch sportlich in eine größer werdende Abwärtsspirale und sorgte für ein individuelles Tief bei einzelnen Akteuren in ihren Reihen.

Werder ahmt längst Vereinen wie Schalke und dem HSV nach – macht genau das, worüber sie sich vor Jahren noch schrott gelacht hätten. Mit dem Abstieg in die 2. Bundesliga wird Grün-Weiß immer unattraktiver. Der Verein verliert mit seiner Misswirtschaft, der (internen) Inkonsequenz und dem immer mehr dahinschwindenden Wir-Gefühl mehr und mehr seine Attraktivität für Youngsters.

Doch noch ist der einst glorreiche SVW bei vielen Fans, Spielern und Funktionären als großer Klub verankert. Es gilt, das Ruder herumzureißen – und das mit einer neuen Besatzung. Beginnend beim wohl wichtigsten Kapitän der Kaderplanung: Baumann muss von Bord.

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