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Transfer

Wechsel zu Barça noch im Winter? Das Memphis-Depay-Dilemma

Jan 15, 2021, 10:07 AM GMT+1
Memphis Depay.
Memphis Depay. | Xavier Laine/Getty Images
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Dass Memphis Depay von Olympique Lyon zum FC Barcelona wechselt, gilt als so gut wie sicher. Dass es in diesem Winter schon passiert, ist allerdings sehr fraglich - alle drei Parteien stecken diesbezüglich in einem kleinen Dilemma.

Seit Ronald Koeman im vergangenen Jahr den Trainerposten beim FC Barcelona übernommen hat, will er Memphis Depay von Olympique Lyon zu den Katalanen holen. Während Koemans Zeit als Bondscoach der Niederlande hat er sich von Depays Qualitäten schließlich mehr als genug überzeugen können, auch dank Koeman reifte der 26-Jährige zu einem besseren Angreifer und Führungsspieler.

Doch ein Transfer in der ausgedehnten Sommer-Transferperiode 2020 scheiterte. Depay soll sich mit seinem neuen Verein bereits einig gewesen sein, doch letztlich konnte Barca die Ablöse aufgrund der zahlreichen Einbußen durch die Corona-Pandemie wohl nicht stemmen. Mittlerweile ist es Januar und ständig tauchen neue Berichte darüber auf, dass Depay, dessen Vertrag in Lyon im Juni ausläuft, dann jetzt aber wechselt. Alle drei Parteien, also Spieler und beide Vereine, stecken jedoch in einem kleinen Dilemma.

Bei Lyon und Barca geht es ums Geld

Bei Olympique Lyon ist es ganz einfach: Lässt man seinen Top-Torjäger im Januar noch ziehen, kann man noch eine Ablösesumme kassieren. Im Sommer dann eben nicht mehr. Allerdings steckt OL aktuell mitten im Titelkampf und führt die Tabelle der Ligue 1 an. Rein sportlich kann es sich Lyon nicht leisten, Depay herzugeben. Die Franzosen müssen sich also entscheiden, was wichtiger ist: Die Chancen auf die Meisterschaft oder eine Ablösesumme?

Ronald Koeman.
Ronald Koeman. | BSR Agency/Getty Images

Das liebe Geld ist auch beim FC Barcelona bestimmendes Thema. Koeman wird von der angespannten finanziellen Situation des Klubs seit seinem Amtsantritt ein wenig ausgebremst und kann seine Pläne für den Kader kaum bis gar nicht verwirklichen. Eigentlich ist auch kein Geld da, jetzt im Januar groß auf Shopping-Tour zu gehen, wie auch Sportdirektor Ramon Planes kürzlich klarstellte (via barcawelt): "Wir arbeiten bis zum letzten Tag daran, jemanden zu holen, der einen wertvollen Beitrag leisten und die Mannschaft verbessern kann. Aber wir verpflichten niemanden, nur um jemanden zu verpflichten. Ich schließe nichts aus, aber es wird schwierig. In den nächsten Monaten öffnet der Transfermarkt erneut, dessen müssen wir uns bewusst sein."

Vor allem in der Offensive sei das Team ohnehin gut aufgestellt, hinten sei man etwas dünner besetzt. Abgesehen davon ist kein Geld da, es müssten erst Spieler verkauft werden, damit überhaupt etwas geht. Falls das gelingt, müsste sich Barca dann überlegen, wo die Prioritäten sind: Bei Depay oder in der Abwehr.

Depay ist auf dem Weg zur Vereinslegende

Und Depay selbst? Der hat in Lyon mittlerweile schon fast einen Heldenstatus erreicht. Präsident Jean-Michael Aulas schwärmte kürzlich auf Twitter von seinem Schützling und schrieb, dass der in Lyon zu Hause sei und bleiben könne, so lange er wolle. Depay ist Lyons bester Torschütze und Kapitän, zudem scheinen die Titelchancen in diesem Jahr ganz gut zu stehen. Das alles aufgeben, um bei Barca neu anzufangen mit dem Rucksack auf, dass sein erster Versuch bei einem derartigen Klub (Manchester United) schief ging?

Andererseits ist es eben der FC Barcelona, der immer noch eine große Strahlkraft hat. Zudem träfe er dort auf seinen alten Bondscoach und auf den Nationalmannschafts-Kollegen Frenkie de Jong. Depay hat sich als Spieler und Mensch inzwischen weiterentwickelt, zudem ist er ohnehin selbstbewusst genug, um es bei Barca zu probieren. Aber schon jetzt? Im Sommer wäre es wahrscheinlich sinnvoller. Bis dahin könnte er in Lyon mit dem Gewinn der Meisterschaft noch zur Vereinslegende werden.

Es wäre sicher ganz nach seinem Geschmack, bekannte er doch neulich bei Canal+ nach dem Sieg über Lens seine Liebe zu OL und Aulas. Ob er bleibe? "Ich konzentriere mich auf das, was ich hier mache, ich möchte kein Fass aufmachen", sagte Depay: "Lassen Sie uns meine Anwesenheit hier vielleicht bis zum Ende der Saison genießen. Wir haben ein großartiges Team. Das ist alles, was ich zu sagen habe."

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