"Warum hast du Negro gesagt?" - Reaktionen und Pressestimmen zum Schiedsrichter-Eklat in Paris

PSG und Basaksehir verließen schließlich gemeinsam den Platz
PSG und Basaksehir verließen schließlich gemeinsam den Platz / Xavier Laine/Getty Images
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Es war ein Novum, aber ein sehr trauriges: Die Partie zwischen Paris Saint-Germain und Istanbul Basaksehir wurde erst unter- und dann gänzlich abgebrochen, weil sich der Vierte Offizielle rassistisch über Istanbuls Co-Trainer äußerte. Lob gab es für die Reaktion der Teams, Solidarität und Entsetzen im Netz sowie in der (internationalen) Presse.

Die genauen Umstände sind zwar nach wie vor unklar, doch wurde relativ schnell bekannt, dass der Vierte Offizielle den Co-Trainer Basaksehirs, Pierre Webo, als "Negro" bezeichnet haben soll. Er habe ihn so angesprochen und mit dem rumänischen Hintergrund sei damit keinesfalls ein Schimpfwort gemeint, sei eine vermeintliche Entschuldigung gewesen. Demba Ba stellte ihm aber die richtige Frage (sinngemäß): Warum nennst du ihn bei seiner Hautfarbe, du sagst doch auch nicht 'du Weißer', oder?

Sowohl PSG, als auch Istanbul verließen anschließend den Platz, das Spiel wurde abgebrochen. Lob für diese konsequente Haltung gab es massenweise, auch von Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu, die bei Twitter schrieb (via kicker): "Heute Abend haben Sportler, Athleten eine historische Entscheidung getroffen gegenüber einer Einstellung, die sie als inakzeptabel beurteilt haben." Zwar warte sie noch die laufenden Untersuchungen ab, erklärte weiter: "Aber ich kann die starke Symbolik ihrer Geste und ihrer Solidarität nur begrüßen."

Der Beginn der Eskalation: Pierre Webo wird nach Anweisung des Vierten Offiziellen des Platzes verwiesen
Der Beginn der Eskalation: Pierre Webo wird nach Anweisung des Vierten Offiziellen des Platzes verwiesen / Xavier Laine/Getty Images

"Warum hast du Negro gesagt?" - Demba Ba als Held des Abends

Auch Julian Nagelsmann, der zeitgleich mit RB Leipzig durch den 3:2-Sieg gegen Manchester United die K.o.-Phase klarmachte, äußerte sich nach seinem Spiel zum Vorfall: "Ich habe nur gehört, dass es eine rassistische Beleidigung gab. Das verurteile ich aufs Schärfste. Wir leben in einer bunten Gesellschaft, das ist auch gut so. Das sollte jeder auch für gut befinden." Dass es derartige Vorfälle noch immer und immer wieder gebe, sei "traurig" - schließlich gehörte sowas nicht nur nicht auf den Fußballplatz, sondern "nirgends hin".

Die französische L'Equipe titelt zu dem Spiel die einfache Frage von Demba Ba: "Warum hast du Negro gesagt?" - "PSG vs. Basaksehir nach Rassismusvorwürfen unterbrochen: Die Geschichte eines chaotischen Abends"

Gemeinsame Beratschlagungen: Paris und Basaksehir entschieden zusammen
Gemeinsame Beratschlagungen: Paris und Basaksehir entschieden zusammen / Xavier Laine/Getty Images

Eine "einstimmige und wegweisende Entscheidung" nennt Le Parisien den Entschluss sämtlicher Spieler, das Feld zu verlassen. Das Blatt weiter: "Die Solidarität beider Vereine war im Internet und ebenso vor den Fernsehern in aller Welt zusehen: Es war in der Tat eine gemeinsame Entscheidung, die zum Abbruch des Abendspiels in der Champions League führte."

"Die Champions haben an diesem Dienstag in Paris ein noch nie dagewesenes Kapitel in ihrer jüngeren Geschichte geschrieben", so bezeichnet die spanische Marca das Geschehen am Abend. Dass es durch den rassistischen Vorfall auch zum Abbruch und zur Verschiebung des Spiels gekommen sei, und das nicht nur durch Basaksehir und Pierre Webo, sondern auch und offenbar besonders auch Neymar und Kilian Mbappé, sei beispielhaft und historisch.

Die italienische Gazzetta dello Sport nahm die Worte von Demba Ba in den Fokus, mit denen er den Schiedsrichter-Assistenten die Fragen stellte, die sich am Abend die allermeisten Zuschauer stellten. Weiter: "Es sei vorgeschlagen worden, Coltescu durch den fünften Mann, Mariani, zu ersetzen, aber Basaksehir habe sich geweigert."

In England wählte die BBC die einfachen Worte "Die Spieler verlassen das Feld" als Titel.


Netzreaktionen: Empörung, Unverständnis und Solidarität

Auch im Netz gab es zahlreiche Reaktionen auf den Vorfall. Während der Ex-Hoffenheimer Ba für viele ein Held des Abends ist, wundern sich wiederum andere, wie es zu so etwas überhaupt kommen kann.