Vitor Matos: Der stille Portugiese hinter Jürgen Klopp

Vitor Matos, hier im Gespräch mit Xherdan Shaqiri
Vitor Matos, hier im Gespräch mit Xherdan Shaqiri / Michael Regan/Getty Images
facebooktwitterreddit

Beim Champions-League-Match des FC Liverpool beim dänischen FC Midtjylland (1:1) schickte Jürgen Klopp die jüngste Startformation, die jemals für den englischen Traditionsklub in der Königsklasse auflief, auf das Feld.

23,6 Jahre. Das ist das Durchschnittsalter der Truppe, die Klopp am Mittwoch in das Spiel gegen die Dänen schickte. Natürlich ist die vermehrte Präsenz von Nachwuchskräften in den verschiedenen Startformationen der Reds auch dem heftigen Verletzungspech geschuldet.

Trotz Verletzungspech kein Einbruch

Einer nach dem anderen brachen Klopp zuletzt Säulenspieler wie Virgil van Dijk, Joe Gómez, Alex Oxlade-Chamberlain, Xherdan Shaqiri und James Milner weg. Doch diese personellen Engpässe schlugen sich bisher noch nicht in einer Verschlechterung der sportlichen Performance nieder.

Die nicht ganz leichte Champions-League-Gruppe D (mit Atalanta Bergamo, Ajax Amsterdam und FC Midtjylland) gewannen die Scousers letztlich souverän vor den Italienern. Und auch in der heimischen Premier League ist man nach elf Spieltagen wieder an der Spitze (punktgleich hinter Tottenham Hotspur).

Natürlich hat das zum einen mit der Tiefe des Kaders zu tun - aber auch mit einem Mann, der sehr still und leise im Hintergrund seinen Job erledigt.

Vitor Matos - der Verbindungsmann zwischen Nachwuchs und Profis

Im letzten Jahr verpflichteten die Reds Vitor Matos vom FC Porto. Matos war bei den Drachen für die Jugendarbeit zuständig - und erledigte diese Aufgabe mit großem Erfolg. Die Nachwuchskicker der Hafenstädter gewannen sogar die UEFA Youth League.

Diese Fähigkeit, mit jungen Spielern erfolgreich zu arbeiten und sie peu a peu für die Profi-Mannschaft vorzubereiten, hat ihm in seinem neuen Klub bereits den Spitznamen "the connector" (der Verbindungsstecker) eingebracht.

Denn es ist vor allem Matos' Verdienst, dass in dieser Spielzeit mit Caoimhín Kelleher, Vitezslav Jaros (beide Torhüter), Rhys Williams, Billy Koumetio (beide Innenverteidiger), Curtis Jones, Leighton Clarkson, Jake Cain (alle Mittelfeld) oder Neco Williams (Rechtsverteidiger) bislang schon mehr als ein halbes Dutzend Nachwuchskräfte ihre Einsatzzeiten unter Klopp bekamen.

Lob von Pep Lijnders

Der Mann, dem Matos seinen neuen Spitznamen verdankt, ist Pep Lijnders, der im Juni 2018, nach einem halbjährigen Intermezzo beim holländischen Erstligisten NAC Breda, zurück an die Anfield Road kehrte. Lijnders bezeichnet Matos nach dessen Präsentation im vergangen Jahr als "beste Verpflichtung der Saison".

Dem zurückhaltenden Matos ist dies fast schon zu viel der Lobeshymnen. Er lässt vielmehr Taten sprechen. Als Erklärung für seinen Erfolg wartet Matos mit einem überraschend simplen Gedanken auf: "Mein größtes Ziel ist es, eine Entwicklung anzuschieben. Eine Entwicklung kann man wiederum auf verschieden Arten einleiten. Doch das wichtigste dabei ist, den Fußball als einen Kollektiv-Sport zu verstehen."

Harmonisierung von Spielphilosophie und individueller Entwicklung

Das System fuße, so Matos, auf den Interaktionen zwischen den Spielern. Und diese Interaktionen wiederum stehen in engem Bezug zu der Spielidee des Klubs. So käme man dann, im Idealfall, zu der Erkenntnis: "Ok, das ist die Art, wie Liverpool Fußball spielt."

"Die Spielidee", so Matos weiter, "und die Spielphilosophie bringen wiederum die individuelle Entwicklung der Spieler nach vorne."

Sein Job sei es am Ende, "zu sagen: Ok, wir haben diese Nachwuchskräfte. Wie können wir ihnen helfen, die Spielideen oder die Philosophie der Profi-Mannschaft zu erlernen? Und wie können wir die Spielideen ihrerseits nutzen, um die individuelle Entwicklung der Spieler voranzubringen?"

Bislang hat der 32-Jährige auf diese Fragen mehr als zufriedenstellende Antworten gegeben.