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Visionär Xavi: Wieso es manchmal besser ist, nichts zu sagen

Xavier Hernandez
Xavi spricht liebend gerne über seinen Traum, den FC Barcelona zu trainieren | Eurasia Sport Images/Getty Images

Man darf Träume und Ambitionen haben. Man sollte diese auch verfolgen. Aber vielleicht sollte man nicht so oft darüber sprechen wie Xavi. Der frühere Mittelfeldspieler betonte im Gespräch mit Marca erneut, dass er eines Tages als Trainer zum FC Barcelona zurückkehren will. Laut Klub-Präsident Josep Maria Bartomeu soll es auch genau so kommen. Damit entmachtet der Verein allerdings jeden Trainer, der in der Zwischenzeit angeheuert wird.

Xavi war bereits für den Trainerposten im Gespräch, als Quique Setiens Vorgänger Ernesto Valverde noch im Amt war. Zu Jahresbeginn wurden Verhandlungen zwischen dem Ex-Mittelfeldspieler und Barça-Sportdirektor Eric Abidal publik, Valverde war daher nicht mehr zu halten. Doch Xavi entschied sich für einen Verbleib beim Al Sadd Sports Club, sagte seinem Herzensverein vorerst ab. Stattdessen wurde Setien verpflichtet.

Der 61-Jährige konnte das sinkende Schiff aber nicht mehr retten. Barça wurde nur Vizemeister hinter Real Madrid, ist in der Copa del Rey bereits im Viertelfinale ausgeschieden und hat laut Lionel Messi das Achtelfinal-Aus in der Champions League zu fürchten. Klubpräsident Bartomeu schließt ein vorzeitiges Ende Setiens aus, gleichzeitig wurde relativ forsch kommuniziert, dass Xavi irgendwann auf die Trainerbank soll. Und der 40-Jährige kündigte gegenüber der Marca an: "Wenn Barcelona auf mich zukommt, lang- oder kurzfristig, wird es passieren."

Jedoch verlängerte Xavi erst Anfang Juli seinen Vertrag bei Al Sadd bis 2021, darüber hinaus hat er erst eine Saison als Cheftrainer absolviert. Der direkte Sprung zu einem Verein wie dem FC Barcelona kann gelingen - allerdings ist nicht zu erwarten, dass Xavi der zweite Pep Guardiola wird. Auch Guardiola heuerte ohne große Erfahrung bei den Katalanen an, feierte in seinem ersten Jahr das Triple und wurde zu einem Weltklasse-Trainer, der jede Mannschaft auf ein völlig neues Niveau heben kann. Der aktuelle Trainer von Manchester City ist eine absolute Ausnahmeerscheinung. Die Hoffnung, in Xavi eine zweite Version von ihm zu finden, ist illusorisch.

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Als Spieler feierte Xavi im Trikot des FC Barcelona zahllose Pokale. Kann er diese Erfolge als Trainer wiederholen? | VI-Images/Getty Images

Darüber hinaus wird Setien endgültig zur Lame Duck. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt galt er als Lückenfüller, damit Xavi im Sommer übernehmen kann. Weil der aber noch mindestens ein Jahr auf sich warten lässt, darf Setien aller Voraussicht nach im Amt bleiben. Aber welche Macht besitzt ein Trainer, der weiß, dass er nur locker im Sattel sitzt und sein in den Startlöchern stehender Nachfolger vorbereitet wird? Bei RB Leipzig hat dieses Übergangsmodell mit Ralf Rangnick gleich zweimal funktioniert, allerdings war er gleichzeitig auch Sportdirektor. Setien ist wesentlich austauschbarer, steht ohnehin schon in der Kritik. Das dürfte auch einen Einfluss auf die Spieler haben. Wer hört schon auf einen Trainer, der bald weg ist?

Xavi hat um Respekt für Setien gebeten, tritt diesen aber selbst mit Füßen. Es war nicht das erste Mal, und es wird auch nicht das letzte Mal sein, dass er so offen über seinen großen Traum spricht. Manchmal sollte man seine Träume aber für sich behalten. Geholfen hat er seinem vermeintlichen Vorgänger damit jedenfalls nicht.