Bundesliga

Verlängerung der Halbzeitpause - warum eigentlich nicht?

Marc Knieper
Rares Gut aus Zeitmangel: Dieser Fan konnte sich Bier und Bratwurst innerhalb 15 Minuten besorgen
Rares Gut aus Zeitmangel: Dieser Fan konnte sich Bier und Bratwurst innerhalb 15 Minuten besorgen / Christof Koepsel/GettyImages
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Der südamerikanische Fußballverband bringt eine einst bei Werder Bremen entfachte Diskussion um die Verlängerung der Halbzeitpause zurück ins Rollen. Mehr Zeit für Bier, Bratwurst und die Toilette - warum eigentlich nicht?


Endlich Halbzeit. Der Hals ist trocken, die Blase drückt, der Magen grummelt. Doch Zeit für ein Bier, eine Bratwurst und den Toiletten-Gang gibt es kaum. Abertausende Menschen strömen gleichzeitig auf die Promenade ihres Stadions. Unter den Tribünen tummeln sich die Fans an den Kiosks und Toiletten. Ab jetzt haben sie 15 Minuten Zeit für Essen, Trinken und Pipi machen.

Ein Rennen gegen die Zeit, das man nur verlieren kann - findet auch Manfred Müller, ehemaliger Geschäftsführer des SV Werder. Müller machte sich bereits 2008 für eine Verlängerung der Halbzeitpause stark, sprach dafür sogar mit der Fifa, blieb aber erfolglos.

Fußball-Fans brauchen mehr Zeit in der Halbzeit um Bier und Co. zu kaufen
Der Bundesliga-Zuschauerdurchschnitt lag vor Corona bei mehr als 43.000 Zuschauern pro Spiel - Wie soll da jeder in der Halbzeit versorgt sein? / ANP Sport/GettyImages

Eine Verlängerung sei weiter unumgänglich, findet der 77-Jährige auch heute noch: "Wir haben bei den vielen Geisterspielen gesehen, wie wichtig die Zuschauer im Stadion für den Fußball sind", sagt Müller gegenüber der Deichstube. "Und die haben ein Recht darauf, ein vernünftiges Stadionerlebnis zu bekommen. Es gibt nun einmal kein Stadion auf der Welt, das in einer 15-minütigen Pause die Bedürfnisse aller Zuschauer befriedigen kann."

Verlängerung der Halbzeitpause von 15 auf 25 Minuten?

Nach Müllers Bemühungen im Jahr 2008 nimmt das Thema der Halbzeitverlängerung nun wieder Fahrt auf. Der südamerikanische Fußballverband Conmebol hat dem Beratungsgremium des International Football Association Board (Ifab) einen Vorschlag zur Verlängerung der Pause von 15 auf 25 Minuten unterbreitet. Bei der Generalversammlung des Ifab im März 2022 dürfte das Thema noch einmal zur Sprache kommen.

"25 Minuten sind zu lang, 20 reichen", meint Müller, der trotzdem zufrieden sein dürfte, dass das Thema der Halbzeitpausenverlängerung wieder Aufmerksamkeit erhält. "In der Halbzeit machen die Vereine 60 Prozent ihres Umsatzes im Catering. Das könnte man durch eine längere Pause steigern." Zudem würden durch mehr TV-Spots die Werbeeinnahmen in die Höhe schnellen.

"Es ist doch sehr nervig, wenn nach dem Anpfiff noch nach und nach Zuschauer auf ihren Platz kommen und die anderen dafür aufstehen müssen."

Manfred Müller via Deichstube

Umsatzsteigerung dank Catering- und TV-Spot-Erhöhung - ein netter Nebenverdienst für die dank Krise finanziell geschwächten Fußball-Klubs. Müller sowie vielen aktiven Stadiongängern geht es aber primär um die eigenen Interessen. Fünf Minuten mehr Zeit für Essen, Trinken und Pipi machen könnten dabei schon ausreichen.

Verlängerung der Pause als Kommerzialisierung des Fußballs?

Doch das Ifab, welches sich einmal im Jahr für die Beratung und den Beschluss potenzieller Änderungen der Fußballregeln trifft, gilt nicht gerade als sehr bemüht, wenn es um die Änderungen von Regeln geht, die in Verdacht stehen, vornehmlich kommerzielle Zwecke zu erfüllen.

Dabei sind es die Spieltagszerstückelungen und schier unzähligen Wettbewerbe der verschiedenen Verbände (Fifa, Uefa, Conmebol), die den Fußball kommerzieller und unmenschlicher machen. Wer hat Bock auf Fußball am Montag? Wer hat Bock auf zig internationale Wettbewerbe, die teils bedeutungslos sind?

Dass die Verbände mit ein paar mehr Minuten in der Halbzeit mehr Geld verdienen, damit die aktiven Zuschauer in Ruhe etwas essen und trinken können, ist völlig in Ordnung. Dass die Verbände aber alle Spiele zeitlich derart streuen, neue nichtssagende Wettbewerbe ins Leben rufen, nur um noch mehr Geld zu verdienen, das ist alles andere als in Ordnung und steuert immer mehr zur Kommerzialisierung des Fußballs bei.

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