Vergabe der TV-Rechte für die Frauen-Bundesliga: Gut für alle Seiten - außer die Spielerinnen

Helene Altgelt
Die Spielerinnen von Wolfsburg treffen die Montagsspiele nicht so hart - die von Potsdam oder Bremen dagegen schon
Die Spielerinnen von Wolfsburg treffen die Montagsspiele nicht so hart - die von Potsdam oder Bremen dagegen schon / Christof Koepsel/GettyImages
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Wie der DFB am Mittwoch bekanntgab, werden die Spiele der Frauen-Bundesliga ab nächster Saison auch bei DAZN gezeigt. Magenta Sport wird weiterhin alle Spiele übertragen, womit sich Fans eine kostengünstigere Alternative bietet. Ein überfälliger Schritt aus dem Schatten heraus - aber mit der Ansetzung von Montagsspielen zeigt der DFB, dass auf die Interessen der Spielerinnen nicht genug geachtet wurde.


Die Entscheidung war mit Spannung erwartet worden. Ob ARD, DAZN oder Sky: Fast alle Sender, wo es Fußball zu sehen gibt, wurden im Vorfeld als mögliches Zuhause für den Frauenfußball gehandelt. Am Ende ist es DAZN geworden, was es der Liga ermöglichen wird, deutlich über den bisherigen Interessentenkreis hinaus Zuschauer zu finden. Dass das Abo teuer ist - 30 Euro pro Monat sind nicht für jeden so einfach zu stemmen -, wurde gut gelöst, indem auch Magenta Sport weiterhin die Rechte behält. Bei dem Telekom-Sender ist man schon mit zehn Euro pro Monat dabei.

Vor einigen Jahren noch undenkbar: Vertrag zeigt Fortschritt der letzten Jahre

Damit endet eine Periode, die für leidenschaftliche Fans vielleicht bequem war, aber für Gelegenheitsschauer und vage Interessierte nicht. Wer wirklich die Frauen-Bundesliga verfolgte, hatte kein Problem mit dem Magenta-Sport-Abo, aber durch die Übertragung wurden eher wenige potenzielle Fans auf die Liga aufmerksam. Magenta Sport ist nicht auf Randsportarten spezialisiert, aber die, die hinter den dominanten Fußball-Ligen platziert sind: Eishockey und Basketball etwa, oder die dritte Fußball-Liga der Männer. Die Plattform ist vielen Fußballfans gar nicht bekannt, und so stießen wohl nur wenige zufällig auf die Frauen-Bundesliga. Mit DAZN, das Rechte an der 1. Männer-Bundesliga, zahlreichen internationalen Ligen und der Champions League hält, wird sich das ändern.

Die Entscheidung ist auch ein guter Zeitpunkt, um einen Blick zurückzuwerfen: Noch vor wenigen Jahren wirkte solch ein Vertrag völlig außer Reichweite. Einige Spiele wurden überhaupt nicht übertragen, die anderen waren auf der Website des DFB zu sehen - oft nur mit zwei Einstellungen und kaum professioneller Aufmachung. Mit dem Vertrag mit Magenta Sport hat sich das bereits geändert, zu vielen Spielen gibt es nun Interviews, Vor- und Nachberichte, Highlights und vieles mehr. Im Männerfußball selbstverständlich, für die Frauen-Bundesliga ein großer Schritt nach vorne.

Auch, dass ARD und ZDF zukünftig zehn Spiele zeigen und damit ein größeres Publikum ermöglichen - Hoffenheim gegen Wolfsburg verfolgten etwa 1,45 Millionen Zuschauer - ist ein gutes Zeichen. Ebenso wie die lange Vertragsdauer: Bis 2026/27 hat der DFB die Rechte vergeben, für die nächsten Jahre gibt es also Sicherheit.

Auf alle Interessen geachtet...

Und doch hinterlässt der neue Deal einen faden Beigeschmack. Der DFB hat bei der Verhandlung auf alle Rücksicht genommen - bis auf die Spielerinnen. Die Vereine werden zufrieden sein, denn der Deal ist mit über fünf Millionen Euro Einnahmen lukrativ. Damit wurden die Erlöse um das 16-fache gesteigert - ein Zeichen dafür, wie viel sich in den letzten Jahren getan hat. Bei der Aushandlung des letzten Vertrages haben die Interessenten nicht gerade Schlange gestanden - jetzt schon.

Die verschiedenen Sender können sich ebenfalls freuen - DAZN etwa hat neben der Frauen-Champions-League, die ab nächster Saison exklusiv dort läuft, nun ein weiteres Argument für Frauenfußball-Fans, sich ein Abonnement zu besorgen. Und dadurch, dass viele verschiedene Sender am Deal beteiligt waren, wird die finanzielle Last verhältnismäßig einfach zu stemmen gewesen sein.

Nicht zuletzt ist der Vertrag auch für den DFB ein Erfolg: Der Verband konnte einen deutlich höheren Erlös aushandeln und die Fans mit einem breiten Angebot an Sendern zufriedenstellen. Holger Blask, Geschäftsführer der DFB GMBH und Co., zeigte sich etwa erfreut: "Wir werden die Sichtbarkeit der FLYERALARM Frauen-Bundesliga damit weiter erhöhen und so auch die wirtschaftliche Grundlage für den Frauenfußball verbessern. Das ist genau das Ergebnis, das wir uns erhofft haben", sagte er.

Es ist also gelungen, viele Interessen unter einen Hut zu bekommen. Keine einfache Aufgabe, und daher ist es verständlich, den Vertrag als Erfolg zu werten. Aber ein Detail des Deals ging in der Berichterstattung etwas unter, folgte erst nach der Steigerung der Erlöse und der Bekanntgabe der Sender: die Montagsspiele.

...bis auf die der Spielerinnen

FC Carl Zeiss Jena v FSV Zwickau - 3. Liga
Fans von Carl Zeiss Jena beschweren sich über Montagsspiele - mit Erfolg: In der dritten Liga wurden sie nun abgeschafft / Karina Hessland/GettyImages

Im Männerfußball sind sie das Symbol für den modernen, kapitalistischen Fußball schlechthin: Fußballspiele zu einer Zeit, die für Fans äußerst ungünstig liegt und Auswärtsreisen - als Kontrast ein Symbol für die bedingungslose Liebe zum eigenen Verein - fast unmöglich machen. All das für eine weitere Zerstückelung des Spieltags, ergo mehr Einnahmen auf Kosten der Fans. Für die Frauen-Bundesliga bedeuten die Montagsspiele, bei Sport1 gezeigt, ein Alleinstellungsmerkmal und vermutlich gute Quoten.

Aber um diese Grundsatzkritik soll es hier gar nicht gehen. Auch, dass die Stadien aller Voraussicht nach eher leer sein werden, ist bedauerlich, aber nicht das Hauptproblem. Der Punkt ist, dass ein Montagsspiel in der Ferne auch für die Spielerinnen eine Auswärtsreise bedeutet: Eine Auswärtsreise, für die viele, ebenso wie der normale Fan, Urlaub nehmen müssen. Weil sie neben dem Fußball arbeiten, oft halbtags. Weil es ansonsten einfach nicht reicht. Schon Freitagsspiele sind für viele ein Ärgernis, wiederholt haben Spielerinnen in Podcasts und Interviews gesagt, dass sie stets auf ein Heimspiel hoffen.

Zwei Urlaubstage aufbrauchen für ein Fußballspiel

Aber Montagsspiele? Montagsspiele sind nochmal eine ganze Nummer darüber, denn sie bedeuten gleich zwei Arbeitstage, die geopfert werden müssen. Wenn eine Spielerin aus Potsdam zum Beispiel im untersten Winkel der Republik, in Freiburg, antritt, und am Dienstag mit dem Bus zurückfährt - dann gehen dafür beide Tage drauf. Urlaub nehmen für das, wovon man eigentlich leben können sollte - eine ironisch-traurige Situation. Und eine, die dem DFB offenbar nicht bewusst war - oder aber, die Interessen der eigenen Spielerinnen wurden unter die der Sender gestellt.

Möglich wäre es, dass die Auswärtsspiele montags vor allem an Bayern und Wolfsburg vergeben werden - diejenigen Klubs also, bei denen sich die Spielerinnen nicht freinehmen müssen. Angesichts der Champions-League-Spiele unter der Woche wäre das aber auch ein schwieriges Unterfangen. Hat der DFB vergessen, dass eben nicht alle Spielerinnen Alex Popp oder Lina Magull heißen, sondern auch zum Beispiel Michelle Weiß?

Mit ihr hatte 90min vor Saisonstart ein Interview geführt - auf die Möglichkeit von Montagsspielen angesprochen, sagte die Verteidigerin von Werder Bremen damals: "Irgendwann ist auch die Grenze überschritten, dass ich deswegen Urlaub nehmen müsste und irgendwann vielleicht nicht mehr die Möglichkeit habe, nach Hause zu fahren, weil ich schon meine ganzen Urlaubstage aufgewendet habe." Damit steht sie nicht allein da: Laut Weiß gibt es im Bremer Kader bloß drei oder vier Spielerinnen, die sich komplett dem Fußball widmen.

Der DFB schreibt es sich gerne die Authentizität und Nähe der Frauen-Bundesliga auf die Fahnen: Die Spielerinnen leben nicht in einer anderen Welt, sondern gehen Jobs wie viele andere nach. Umso enttäuschender, dass ausgerechnet ihre Interessen bei der Aushandlung des TV-Vertrags unter den Tisch gefallen sind.


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