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Uruguays Abwehrlegende Diego Lugano im 90min-Gespräch - über Suarez, Fenerbahce & PSG

Guido Müller
Diego Lugano bei der WM 2010 im Spiel um Platz 3 gegen Deutschland
Diego Lugano bei der WM 2010 im Spiel um Platz 3 gegen Deutschland
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Vor vier Jahren hängte Diego Lugano (40) seine Stiefel an den berühmt-berüchtigten Nagel. Der Uruguayer, lange Jahre Kapitän der celeste, der Nationalelf des Landes, sprach mit 90min über einige Stationen seiner langjährigen Reise durch die Fußballwelt.

Auf diesen traf er während seiner siebzehn Jahre als Profi auf so manchen (bisweilen nur vermeintlichen) Weltstar, wie Luis Suárez, Robinho oder Mesut Özil, um nur einige zu nennen.

Direkt auf den Wechsel von seinem langjährigen Mitstreiter im Dress der Nationalmannschaft angesprochen, hat Lugano eine klare Meinung: "Ich halte ihn weiterhin für den besten Spieler, den Uruguay in den letzten, sagen wir mal, dreißig Jahren hervorgebracht hat. Nicht nur wegen seiner Tore, sondern vor allem wegen seines Einsatzes und seiner Kompromissbereitschaft bewundere und liebe ich ihn."

Lugano über Suárez und Atlético

Den Wechsel des pistolero zu Atlético Madrid sieht er professionell-nüchtern: "Das sind normale Dinge im Fußball. Die großen Teams müssen bisweilen solche Entscheidungen treffen, um eine schlechte Spielzeit zu verarbeiten. Mal trifft es den Trainer, mal einen Referenzspieler. In dem Fall traf es Luis. Ich glaub, als Südamerikaner hast du es in Europa etwas schwieriger, vielleicht noch mehr in einem Klub wie dem FC Barcelona. Aber offensichtlich hat ihn dies nicht groß beeindruckt, denn er performt weiterhin auf einem großartigen Niveau."

Luis Suárez passt zur "uruguayischsten Mannschaft Europas" wie die Faust aufs Auge
Luis Suárez passt zur "uruguayischsten Mannschaft Europas" wie die Faust aufs Auge / Denis Doyle/Getty Images

Suárez' neuen Klub bezeichnet Lugano als die "uruguayischste Mannschaft Europas. Es ist ein aggressives Team, mit einem sehr vertikalen Fußball, sehr kampfbetont und solidarisch, und all diese Faktoren liefert auch Luis der Mannschaft. Deshalb können seine aktuellen Leistungen auch eigentlich niemanden überraschen."

Luganos schönste Jahre

Seine nach eigenen Angaben schönsten Jahre verbrachte Lugano in der Türkei - beim neuen Özil-Klub Fenerbahce. "Diese fünf Jahre waren die schönsten in meiner Karriere, sowohl in sportlicher als auch in privater Hinsicht. Wir gewannen Meisterschaften, spielten die bis dahin besten Europapokal-Saisons der Klubgeschichte, gewannen fast jedes Derby. Und ich erzielte, als Innenverteidiger, 30 Tore."

"Anfangs verstand ich nicht ganz, wie ein Fußball, der im globalen Vergleich noch nicht auf dem Top-Level angekommen ist, solche Begeisterung auslösen konnte. Emotional ist der Fußball dort weit mehr als in Argentinien, Brasilien oder Uruguay. Einfach unglaublich!"

Von einem Transfer wie dem vom deutschen Weltmeister Mesut Özil erhofft sich Lugano weitere Impulse, sowohl für Fener als auch für die türkische Liga insgesamt: "Für den Klub ist diese Verpflichtung sehr wichtig, denn Fenerbahce fiel nach 2013 in ein Loch, so dass sie auf europäischer Ebene kaum noch eine Rolle spielten. Das zog schwerwiegende Konsequenzen, finanzieller und sportlicher Art, nach sich. Deshalb ist es so wichtig für den Klub, große Spieler zu holen."

Denn, so Lugano: "Solche Transfers halten den Verein auf dem europäischen Radar. Özil ist türkischer Abstammung und Fan des Klubs, sodass seine Anpassung leichter fallen wird."

Kurzes Gastspiel in Paris

Ein eher dunkler Fleck auf Luganos Weste ist sein nur kurzes (eineinhalbjähriges) Gastspiel bei PSG. "Der Wechsel aus der Türkei nach Frankreich bedeutete einen himmelweiten Unterschied. Mich erwartete dort das genaue Gegenteil zur Türkei. Das Leben an sich und der Fußball werden in Frankreich anders gelebt als in der Türkei."

"Ich kam", erinnert sich Lugano, "als einer der ersten des neuen Projekts der katarischen Eigentümer. Ich glaube, nach mir kam direkt "el Flaquito" ("Der Dünne") Pastore. Als die Kataries anfingen, Geld in die Hand zu nehmen, holte mich Leonardo mit dem Projekt, den Kader von Grund auf umzukrempeln. Sie wollten zu einem der größten Klubs der Welt werden."

Eine der ersten Großtransfers in der katarischen Ära von PSG: Javier Pastore
Eine der ersten Großtransfers in der katarischen Ära von PSG: Javier Pastore / John Berry/Getty Images

Das sah vor allem der Rest der französischen Gesellschaft mit einer gewissen Skepsis. "In der Gesellschaft, selbst im Sportministerium, traf der Klub auf breite Ablehnung. Wir erhielten damals ständige Kritiken wegen der hohen Gehälter für die neuen Spieler. Es hieß, dass ein Fußballer es nicht verdient habe, solche Gehälter zu kassieren."

Danach sei es zu einem gewissen Ungleichgewicht gekommen zwischen den hoch entlohnten Neuankömmlingen und den älteren Spielern im Kader. "Ich hatte die wichtigste Arbeit in der Kabine zu erledigen. Und darauf bin in immer noch stolz. Ich war wie das Empfangskomittee für die ganze Legion von Stars, die nacheinander kamen: Lavezzi, Thiago Silva, Zlatan Ibrahimovic, Maxwell, Marquinhos, Verrati. Intern wird heute noch gewürdigt, was ich für den Klub getan habe."

Sportlich hielt sich der Erfolg in jenen Anfangsjahren des "neuen" PSG jedoch für Lugano in Grenzen. "Meister wurden wir zwar nicht, aber Zweiter. Und wir qualifizierten den Klub nach 15 Jahren wieder für die Champions League. Im zweiten Jahr wurde die Konkurrenz schärfer, denn die Neuen waren nun viel jünger - und besser. Deshalb bat ich um Freigabe, um mehr Spielzeit zu erhalten."

Nach weiteren Stationen in Spanien (FC Málaga), England (West Bromwich) und Schweden (BK Häcken) kehrte Lugano im Sommer 2015 Europa den Rücken - und ging zurück nach Südamerika. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paraguay (Cerro Porteno) kehrte er 2016 zu seinem früheren Verein Sao Paolo zurück, wo er schließlich seine Karriere 2017 beendete.

Robinho sein stärkster Gegenspieler

Gefragt zu den Gegenspielern, die ihm während seiner Karriere die meisten Probleme bereitet hatten, braucht Lugano nicht viel Zeit zum Nachdenken: "Robinho, während seiner Zeit beim FC Santos." Auf Nationalmannschaftsebene waren der Chilene Alexis Sánchez, der Franzose Olivier Giroud und der Türke Ardan Turan die für ihn unangenehmsten Gegenspieler.

Robinho während seiner Zeit beim FC Santos
Robinho während seiner Zeit beim FC Santos / Friedemann Vogel/Getty Images

In Luganos Wunsch-Elf mag die Abwesenheit eines Lionel Messi verwundern. Luganos Top-11 hat trotzdem einen starken südamerikanischen Einschlag: Rogério Ceni - Cicinho, Thiago Silva, Godín, Junior - Verrati, Josue, Thiago Motta - Suárez, Ibrahimovic, Alexis Sánchez. Sein Lieblingstrainer: Uruguays Nationaltrainer Óscar Tabárez.

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