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Union Berlin sorgt für heftige Kritik und Diskussionen - Testspiel vor Zuschauern trotz Corona-Hotspot in Berlin

Yannik Möller
Union Berlin mit Fans beim Testspiel gegen Hannover 96
Union Berlin mit Fans beim Testspiel gegen Hannover 96 / TOBIAS SCHWARZ/Getty Images
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Die Länderspielpause nutzen viele Klubs, um Testspiele zu organisieren. So auch Union Berlin, die am Donnerstag gegen Hannover 96 spielten - und zwar vor einigen Fans, obwohl in Berlin die Infektionszahlen drastisch ansteigen. Im Netz gab es teils heftige Kritik für das Vorgehen des Vereins.

Derzeit laufen die vorsichtigen Tests, ob und in welchem Rahmen es wieder möglich ist, Zuschauer in die Fußball-Stadien zu lassen. In den letzten Tagen und Wochen steigen die Infektionszahlen in einigen Städten und Gebieten so stark, dass einige Spiele in der Bundesliga weiterhin vor leeren Rängen stattfinden müssen. In einer solchen Zeit lädt Union Berlin Zuschauer für ein Testspiel gegen Hannover 96 ein - während die ganze Stadt Berlin zum Hotspot wird.

Loris Karius gab seinen Einstand für Union Berlin
Loris Karius gab seinen Einstand für Union Berlin / TOBIAS SCHWARZ/Getty Images

Die Ansteckungen schnellen in Berlin stark in die Höhe, einige Bezirke sind schon längst Teil der als Hotspot deklarierten (Land-)Kreise, von denen es nach und nach immer mehr gibt. Inzwischen hat ganz Berlin den Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten, sodass die Hauptstadt in Gänze als Hotspot bezeichnet werden kann. Gleichzeitig wurden - den Angaben des Vereins nach - 1759 Zuschauer für ein Testspiel von Union Berlin eingeladen.

Union Berlin in der Kritik: Verantwortung beim Testspiel aus den Augen verloren?

Doch nicht nur die reine Zahl sorgt angesichts der derzeitigen Entwicklung in Berlin für Kritik, auch die Anordnung und das augenscheinliche Ausreizen der geltenden Hygiene-Bestimmungen ist vielen Fans in den sozialen Netzwerken ein Dorn im Auge gewesen. Beim Einlaufen der Spieler kann man einen guten Blick auf die Menschenmenge hinter dem Tor werfen - ein Anblick, der aktuell eher für Unverständnis sorgt.

Union hat schon vor einigen Wochen für eine ganze Ladung an Kritik gesorgt, als der Klub bekannt gab, mit einer vollen Auslastung des Stadions zu planen. Die sinngemäße Erklärung hinter diesem Plan lautete stets, dass es zur Atmosphäre im Stadion gehöre, dass die Plätze belegt und alle Fans lautstark mitfiebern können. Um das zu gewährleisten, sollten möglichst aktuelle und natürlich negative Corona-Tests vorzulegen sein. Dass das keine allzu sichere Grundlage ist, um ein solches Zusammenkommen von Tausenden von Menschen zu gewährleisten, in Kombination mit der jeweiligen Infektions-Entwicklungen, schallte dem Bundesligisten zuhauf entgegen.

Union Berlin spielt mit dem Status als Kult-Klub, so sehen es viele Fans dieser Tage. Das fehlende Verständnis, der Ärger und auch die Wut sind deutlich zu erkennen. Dieser Tage dürften die Eisernen so einige Sympathie-Punkte verloren haben.

Anzumerken ist es aber auch, dass der Klub keine geltenden Regeln oder neue Vorschriften gebrochen hat. Auch in Hotspots dürfen Sportveranstaltungen, je nach gegebener Umstände und Maßnahmen, vor Publikum stattfinden - wenn, dann in der Regel allerdings stark eingeschränkt. Ob Union ein solches Zeichen setzen muss, reine Erlaubnis hin oder her, ist allerdings eine andere Frage.

Das Spiel gewann der Erstligist gegen Hannover mit 4:1. Akaki Gogia, Marius Bülter und Cedric Teuchert (traf doppelt) waren die Torschützen für die Berliner. Valmir Sulejmani - der selbst ein halbes Jahr für Union spielte (2015) - erzielte das zwischenzeitliche 1:1 für die Gäste.

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