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"True or not true" - Wenn zu unvorsichtig mit Informationen um sich geworfen wird

Leroy Sane
Leroy Sané ist nur ein Beispiel für die wahnwitzige Berichterstattung in den sozialen Medien | Michael Regan/Getty Images

Der mediale Wandel hat auch den Journalismus vorangetrieben. Das Print-Angebot wird seit vielen Jahren online publiziert, darüber hinaus finden sich einige Pressevertreter in den sozialen Medien wieder und verbreiten dort Exklusivinformationen, die später entweder in gedruckter Form oder auf der Website ausführlicher behandelt werden. Vertreter der Sport Bild jonglieren gerne mit ihren Informationen, speziell wenn es um den FC Bayern geht. Aufgrund teils irrsinniger Behauptungen leidet darunter allerdings die Reputation - und mittlerweile nervt es nur noch.

Wer sich auf Twitter herumtreibt und mit Fußball beschäftigt, wird früher oder später auf Tweets von Christian Falk stoßen. Der ist Fußballchef der Sport Bild und berichtet über den FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft. Auf sich aufmerksam macht Falk mit Exklusivinformationen über den deutschen Rekordmeister. Allen voran während der Transferperioden meldet er sich häufiger zu Wort, darüber hinaus kommentiert er Informationen und Gerüchte, die von der nationalen Konkurrenz und ausländischen Medien gestreut werden. Diese sind je nachdem, ob sie sich mit den Informationen der Sport Bild decken, entweder "true" oder "not true", also wahr oder falsch.

Für gewöhnlich sind Reporter aus dem Hause Axel Springer sehr gut über die Geschehnisse beim FC Bayern informiert. Der Transfer von Mario Götze, die Entlassung von Carlo Ancelotti oder die Rückkehr von Jupp Heynckes waren offene Geheimnisse, nachdem BILD zuerst darüber berichtet hatte. Wie mit den vertraulichen Informationen umgegangen wird, steht aber auf einem anderen Blatt Papier - und gerade in den sozialen Medien wird gerne etwas verkündet, was später revidiert wird.

Hin und her bei Thiago: Wie soll man das noch glauben?

Vor wenigen Tagen hat sich Falk selbst übertroffen. Anfang Mai verkündete er überschwänglich die Vertragsverlängerung von Thiago - doch die wurde nie bekanntgegeben. Wie Sport Bild und kicker übereinstimmend berichten, ist der neue Vertrag bereits ausgehandelt worden, Thiago zögert jedoch.

Stand jetzt tendiere der Spanier zu einem Wechsel. Also zitierte Falk seinen eigenen Tweet, kommentierte seine eigene Meldung mit "not true" und gab eine neue Wasserstandsmeldung ab. Dabei revidierte er schon vor knapp einem Monat seine ursprüngliche Aussage und behauptete, es seien noch finale Details in den Verhandlungen zu klären.

Erst war der Vertrag unterschriftsreif, dann waren Kleinigkeiten zu klären, und anschließend wurde er doch nicht verlängert. Aufgrund der Dynamik im Fußball-Business kann das passieren, förderlich für die eigene Reputation ist es aber nicht, wenn vorschnell mit Informationen um sich geworfen wird.

Besonders eitel war im Übrigen ein Kommentar bezüglich eines kicker-Berichts über das kolportierte Interesse des FC Liverpool an Thiago. Denn, dass der FC Bayern darüber Bescheid weiß, liege daran, dass die Sport Bild an der Säbener Straße gelesen wird. Der Scherz ging nach hinten los...

Leroy Sané: Will er zum FC Bayern oder will er nicht?

Auch die Transfer-Posse um Leroy Sané wird von Sport Bild mitgetragen. Mal stand der Transfer kurz vor dem Abschluss, dann ging es doch wieder um die Ablösesumme, dann wollte Sané doch nicht, dann mussten die Verträge neu ausgehandelt werden, und jetzt streiten sich Bayern und Manchester City noch immer um die Ablöse. Dieses ewige hin und her zeugt nicht von seriöser Berichterstattung. Auch der kicker hat darunter gelitten.

Wahnsinn kompakt: Neuer zu Chelsea, Nübel nicht zu Bayern - und keine Gespräche mit Flick

Manche Informationen, die gestreut werden, sind aber grundsätzlich nur Unfug. Wie war das noch mit dem angeblichen Interesse des FC Chelsea an Manuel Neuer? Und noch im Dezember 2019 war man überzeugt davon, dass Alexander Nübel nicht zu den Bayern wechseln wird. Ende März hieß es derweil, dass mit Hansi Flick noch keine Gespräche über eine Vertragsverlängerung stattgefunden hätten - wenige Tage später wurde allerdings bekannt, dass der Cheftrainer einen Vertrag bis 2023 erhält.

Natürlich können sich Entscheidungen binnen weniger Stunden oder Tage ändern. Das ist im Fußball normal - sowohl auf dem Platz als auch in der Führungsetage. Es ist ein schnelllebiges Geschäft. Ein bisschen mehr Bodenständigkeit würde allerdings guttun. Man schneidet sich nur ins eigene Fleisch, wenn Informationen zur Erhöhung der Reichweite voreilig herausposaunt werden. Damit macht man sich nur lächerlich.