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Wie die digitale Plattform TransferRoom den Transfermarkt revolutioniert

Simon Zimmermann
Transfers online abwickeln? TransferRoom macht's möglich
Transfers online abwickeln? TransferRoom macht's möglich / Billie Weiss/Boston Red Sox/Getty Images
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Exklusiv - Stell dir vor, du könntest Transfers wie bei einem Manager-Spiel abwickeln. Oder besser gesagt: Du hättest eine digitale Plattform, auf der du Angebote einstellen und finden könntest. Wäre das Manager-Leben nicht viel einfacher? So ähnlich versucht TransferRoom den Transfermarkt zu revolutionieren. Viele Klubs setzen bereits auf die Plattform.


TransferRoom erlaubt es den Klubs direkt über die Plattform zu handeln. Dabei funktioniert es so ähnlich wie eBay or Amazon - oder, wenn man es am besten beschreiben möchte: wie Facebooks Marketplace.

Tiago Pinto, Geschäftsführer der Roma, sagt: "Ich habe mindestens schon fünf Deals über TransferRoom abgewickelt." Zu den Kunden gehören auch die ganz großen Klubs wie Barça, Man City, Liverpool, Juventus oder Arsenal. Insgesamt sind bereits über 500 Klubs weltweit auf der Transfer-Plattform.

90min hat exklusiv mit CEO und Gründer Jonas Ankersen gesprochen. Wie kam er auf diese Idee und wie konnte er sie im Spitzenfußball etablieren?

"Ich habe gesehen, dass viele Fußballvereine in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, vor allem in Dänemark. Und als ich die Gründe dafür untersuchte, war der Transfermarkt ein wichtiger Faktor", erklärt Ankersen und führt weiter aus: "Ein großes Problem auf dem Transfermarkt war - und ist immer noch - der fehlende Zugang zu zuverlässigen, aktuellen Informationen darüber, welche Spieler die Vereine kaufen und verkaufen wollen. Es erschien mir seltsam, dass andere Branchen wie die Immobilienbranche die Möglichkeiten des Internets genutzt haben, um ihren Markt transparenter und benutzerfreundlicher zu gestalten, der Fußball jedoch nicht."

Schneller Zugang zu Informationen und direkte Kommunikation

"TransferRoom existiert, um allen Marktteilnehmern Zugang zu den benötigten Informationen zu verschaffen und ihnen die Möglichkeit zu geben, darauf zu reagieren, indem sie direkt miteinander kommunizieren."

"Durch die Mitgliedschaft bei TransferRoom erhalten Vereine Zugang zu einem globalen Netzwerk von mehr als 500 anderen Vereinen aus 78 Ligen in 44 Ländern - und jetzt auch zu Agenten auf allen Ebenen des Spiels in allen vier Ecken der Welt."

"Die Verantwortlichen haben Zugang zu verlässlichen Echtzeit-Informationen über den Markt und können diese Informationen austauschen und direkt miteinander verhandeln - auf Knopfdruck. Die Plattform hat eine solche Reichweite erreicht, dass sie heute ein unverzichtbares, alltägliches Instrument ist und es ein echter Nachteil ist, nicht daran teilzunehmen."

Corona-Krise hilft TransferRoom beim Wachstum

Die finanzielle Schieflage durch die Corona-Krise und die Schwierigkeiten zu reisen haben laut Ankersen dazu geführt, dass seine Plattform schneller wachsen konnte und immer wichtiger wird.

"Ich denke, dass die Covid-19-Krise den bestehenden Nutzern vor Augen geführt hat, wie effektiv es ist, Zeit und Geld zu sparen - insbesondere in einer Zeit, in der der finanzielle Druck auf alle im Fußball gestiegen ist und Reisen schwierig oder unmöglich sind."

"Vor der Pandemie waren unsere 'Deal Day'- und 'Summit'-Veranstaltungen sehr beliebt, vor allem die persönlichen Treffen im Speed-Dating-Stil, an denen die Entscheidungsträger des Klubs teilnehmen konnten. Aber seit Covid-19 ausgebrochen ist und wir die Veranstaltungen online durchgeführt haben, ist die Beteiligung sogar noch gestiegen."

"Ich glaube, dass TransferRoom eine Schlüsselrolle dabei gespielt hat, den Transfermarkt in den letzten 18 Monaten in Bewegung zu halten, und dass es zu einem alltäglichen Standardwerkzeug für Vereine auf der ganzen Welt geworden ist. Ohne die Plattform wären einige Deals einfach nicht zustande gekommen."

Macht TransferRoom Berater überflüssig?

Auf den ersten Blick scheint die Transfer-Plattform Spielerberater überflüssig zu machen. Ankersen wischt die Bedenken aber beiseite. Vielmehr sei es auch für die Agenten ein wichtiges Hilfsmittel. Die Plattform wolle Berater nicht ausschließen, sondern integrieren, versichert Ankersen.

"Einige der weltweit führenden Agenturen gehörten zu den ersten, die sich erfolgreich um den Trusted Agent Status beworben haben, als wir ihn im Sommer dieses Jahres eingeführt haben", erklärt er.

"TransferRoom war nie darauf aus, Agenten zu eliminieren oder ihnen das Leben schwer zu machen. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des Marktes. Aber es stimmt, als wir vor dem Start der Plattform im Jahr 2017 eine Marktforschung durchführten, gab es unter den Klubs eine Menge Frustration über die Agentenlandschaft. Es gab einfach so viele Mittelsmänner und so viele unterschiedliche Behauptungen darüber, wer welchen Spieler vertritt und welche Spieler verfügbar sind, dass die Vereine nicht wussten, was sie glauben sollten."

Auf TransferRoom soll klar gekennzeichnet sein, wer welchen Spieler vertritt: "Agenten können nun Spieler, die sie vertreten, registrieren, sofern sie von ihren Spielern bestätigt werden und wir sie selbst überprüfen. Wenn Vereine Informationen über Spieler, die sie suchen, weitergeben, erhält jeder Agent, der einen Kunden hat, auf den das Profil passt, eine Benachrichtigung und kann dem Verein dann den oder die Spieler vorschlagen. Während des aktuellen Zeitfensters hat eine Agentur einen Spieler innerhalb von 15 Minuten nach der Benachrichtigung vermittelt, und der Kontakt führte zu einem Vertrag."

TransferRoom soll wie Bloomberg für den Fußball werden

"Wir wollen, dass TransferRoom für diejenigen, die auf dem Transfermarkt tätig sind, so wichtig ist wie Bloomberg für Finanzhändler - und wir denken, dass wir bereits große Fortschritte auf dem Weg dorthin gemacht haben. Ich komme auf den Ausgangspunkt zurück: Die richtige Transferpolitik ist entscheidend für das Wohlergehen der Vereine auf allen Ebenen und damit für die Nachhaltigkeit des Fußballs als Ganzes. Solange dies der Fall ist, wird TransferRoom den Vereinen, Agenten und Spielern helfen, die richtigen Möglichkeiten zur richtigen Zeit zu finden."

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