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"Der Teamgeist fasziniert mich am meisten am Fußball" - Svenja Huth im Interview

Daniel Holfelder
Svenja Huth ist Führungsspielerin im DFB-Team
Svenja Huth ist Führungsspielerin im DFB-Team /
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Am 8. Juli wird es ernst für die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft. Im Auftaktmatch gegen Dänemark wollen die DFB-Kickerinnen zeigen, dass sie das Zeug zum Gewinn der Europameisterschaft mitbringen. Während der Turnier-Vorbereitung hatte 90min die Möglichkeit, mit Flügelspielerin Svenja Huth vom VfL Wolfsburg zu sprechen.



90min: Wie würdest du deine Rolle im Team beschreiben?

Svenja Huth: Ich bin eine der erfahrenen Spielerinnen im Team. Ich habe sowohl einige Erfolge als auch Rückschläge erlebt. Mit diesen Erfahrungen, die natürlich auch bei der Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Rolle spielen, kann und will ich gerade für die jüngeren Spielerinnen eine Ansprechpartnerin sein. Auf dem Platz will ich meine bestmögliche Leistung bringen und dazu beitragen, die mannschaftlichen Ziele zu erreichen.

90min: Du bist auf dem rechten Flügel eingeplant, oder?

Svenja Huth: Wir haben noch keine endgültige Position festgelegt. Mit Spielerinnen, die flexibel einsetzbar sind, kann man andere Teams immer mal wieder überraschen. In Wolfsburg habe ich gezeigt, dass ich die ein oder andere Position spielen kann. Welche es letzten Endes sein wird, muss man abwarten. Grundsätzlich glaube ich aber schon, dass ich vorwiegend auf den Außenbahnen eingesetzt werde, sofern alle fit sind.

90min: Im US-Sport heißt es über erfahrene Athleten mitunter: "The game slows down for them." Das Spiel erscheint mit der Zeit langsamer, weil das Gehirn mehr Informationen in höherer Geschwindigkeit verarbeiten kann. Geht es dir ähnlich? Oder merkst du eher, dass du selbst langsamer wirst?

Svenja Huth (lacht): Das merke ich Gott sei Dank noch nicht. Sonst müsste ich mir vielleicht Gedanken machen… Aber je mehr Spielerfahrung du hast, desto öfter erlebst du bestimmte Abläufe auf dem Platz. Bestimmte Abläufe kommen dir dann vielleicht tatsächlich ein bisschen langsamer vor.

90min: Was machst du heute anders als zu Beginn deiner Karriere? Sowohl auf als auch neben dem Platz?

Svenja Huth: Je mehr Erfahrung man hat und je mehr Vertrauen man von den Trainern spürt, desto überzeugter tritt man auf dem Platz auf. Man sucht eher das Eins-gegen-eins oder traut sich, einen schwierigen Ball zu spielen. Über die Jahre lernt man, mit gewissen schwierigen Situationen besser umzugehen, weil man diese Situationen schon öfter erlebt hat. Das gilt auch außerhalb des Platzes.

90min: Gibt es oder gab es Spieler oder Spielerinnen, von denen du dir bestimmte Dinge abgeguckt hast?

Svenja Huth: Früher war Birgit Prinz mein Vorbild. Es passt also ganz gut, dass sie auch jetzt wieder bei der Nationalmannschaft dabei ist [Anm. d. Red.: Birgit Prinz ist als Sportpsychologin für das DFB-Team tätig]. Sie kann gerade die Jüngeren im Team mit vielen Tipps unterstützen und ihre Erfahrungen weitergeben. Für mich war sie damals die Spielerin schlechthin. Sie war schon sehr jung Nationalspielerin, hat viele Erfolge gefeiert und tolle Leistungen gebracht. Als junge Spielerin habe ich zu ihr aufgeblickt und versucht, mir das ein oder andere von ihr abzuschauen. Außerdem hatte ich das Glück, noch mit ihr zusammenzuspielen. Ich glaube, das schafft nicht jeder, mit seinem Vorbild auch noch gemeinsam auf dem Platz zu stehen.

90min: Letzte Frage. Gibt es einen Rat, den du Jungen und Mädchen geben würdest, die wie du Fußballprofi werden wollen? Oder einfach drauflos spielen und Spaß haben?

Svenja Huth: Drauflos spielen und Spaß haben ist ein guter Einstieg. Es braucht allerdings auch einen gewissen Ehrgeiz. Auch den jungen Spielerinnen und Spielern sollte klar sein, dass einem nichts zugeflogen kommt. Wenn man Träume hat, muss man dafür hart arbeiten. Was ich außerdem wichtig finde ist, dass die Kinder dieses Teamgefühl kennenlernen, das mich auch heute noch begeistert. Ich habe damals neben dem Fußball Tennis gespielt und musste mich irgendwann zwischen beiden Sportarten entscheiden. Für mich war ganz klar, dass ich den Fußball wähle. Der Teamgeist, gemeinsam zu verlieren, gemeinsam zu gewinnen und auf ein Ziel hinzuarbeiten, hat mich fasziniert und fasziniert mich noch heute.


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