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Stephan Ambrosius: Löst ein Eigengewächs die Abwehrprobleme des HSV?

Bald ein fester Bestandteil in der 2. Bundesliga? - Stephan Ambrosius
Bald ein fester Bestandteil in der 2. Bundesliga? - Stephan Ambrosius | TF-Images/Getty Images

Der knappe 1:0-Erfolg des HSV gegen den FC Hansa Rostock offenbarte wenige Tage nach Beginn der Vorbereitung noch eine Menge Verbesserungspotenzial, trotzdem konnten einige Spieler überzeugen. Einer von ihnen: Stephan Ambrosius. Der junge Innenverteidiger traf nicht nur spät per Kopf zum Sieg, sondern präsentierte sich auch im übrigen Spiel als souveräner Bestandteil der Abwehr - ein Vorzeichen für die neue Saison?

Schon vor ein paar Jahren drängte sich Stephan Ambrosius auf und stand kurz vor einem Durchbruch in der ersten Mannschaft der Rothosen. Ein Kreuzbandriss bremste den Innenverteidiger im Jahr 2018 jedoch aus.

Besonders im Defensivverbund der Hanseaten klafft aktuell eine riesige Lücke, die nun, auch bedingt durch wenig finanziellen Spielraum, mit jungen Spielern aus den eigenen Reihen besetzt werden könnte - ähnliches schlug auch schon Rafael van der Vaart im Gespräch mit 90min vor. In der viertklassigen U21 gehört Ambrosius zu den absoluten Leistungsträgern und ist ein Führungsspieler im Team - genau diese Rolle ist ihm längerfristig auch bei den Profis zuzutrauen.

Klein, aber oho!

Mit einer Größe von 182cm verfügt der gebürtige Hamburger nicht über eine optimale Länge für die defensive Mitte. Mit seiner unfassbaren Sprungkraft kann der Innenverteidiger dieses Defizit jedoch wettmachen. Dazu ist auch die Physis des 21-Jährigen beachtlich - in Zweikämpfen gewinnt Ambrosius oft die Oberhand.

Stephan Ambrosius, Timo Letschert
überzeugte im Training - Stephan Ambrosius (2.v.re.) | TF-Images/Getty Images

Von der fast HSV-typischen Nervosität ist beim Rechtsfuß kaum etwas zu sehen, der sich souverän und selbstbewusst seinen Gegnern entgegenstellt. Warum sucht man also eine externe Lösung, wenn man einen Spieler wie Ambrosius im Kader hat?

Zugegeben, die Erfahrung von 52 Regionalliga-Partien und jeweils eine Halbzeit in der 1. und 2. Bundesliga sprechen (noch) nicht für den Innenverteidiger und die Verpflichtung eines weiteren, erfahrenen Innenverteidigers würde durchaus Sinn ergeben - mit Stephan Ambrosius drängt sich nun jedoch eine weitere, ernsthafte Alternative auf.

Mit unbändigem Willen in die erste Mannschaft?

In der gestrigen Partie gegen Hansa Rostock war Stephan Ambrosius einer der wenigen Spieler, die über die komplette Spieldistanz auf dem Rasen zu finden waren. Gemeinsam mit dem ebenfalls sehr jungen Jonas David stellte der 21-Jährige die Innenverteidigung des Hamburger Sport-Vereins. Eine Konstellation, die gut funktionierte.

Stephan Ambrosius
Stephan Ambrosius ist ein Hoffnungsträger des HSV | TF-Images/Getty Images

Ambrosius präsentierte sich umsichtig und zweikampfstark. Nach guten Trainingsleistungen und dem Siegtreffer erntete der Verteidiger lobende Worte von seinem Trainer Daniel Thioune, der sich im kicker zufrieden zeigte: "Stephan hat sich belohnt und die anderen beschenkt." Dennoch gibt es für den HSV knapp einen Monat vor Start der neuen Saison noch einiges zu tun - vor allem in der Offensive, die gestern nur selten gut aussah.

Erfahrene Verstärkung soll noch kommen

Das Team des HSV war im vergangenen Testspiel mit einigen jungen Spieler besetzt, die die Vorbereitung für sich nutzen wollen. Aus der Jugend und von den Amateuren möchte sich der neue Trainer der Rothosen einige potenzielle Verstärkungen anschauen. Dass es nicht nur mit jungen Spielern funktionieren kann, weiß auch Daniel Thioune, der im kicker noch einmal die Notwendigkeit von erfahrenen Akteuren unterstrich: "Wir haben zwei sehr junge Innenverteidiger, und natürlich wünsche ich mir noch Qualität und Robustheit, weil die junge Kette Führung gebrauchen könnte. Aber jede Herausforderung ist eine Chance."

Die Türen für die jungen Spieler sind geöffnet, auch für Stephan Ambrosius, der seine Sache sehr gut machte. Noch ein Jahr steht der Deutsch-Ghanaer beim Hamburger SV unter Vertrag - bei guten Leistungen könnte ein längeres Engagement herausspringen.

Fazit: An den HSV sind einige vielversprechende Talente gebunden, die Spielpraxis brauchen. Aufgrund der noch immer hochgesteckten Ziele wäre es dennoch fahrlässig, die Saison nur mit jungen Spielern anzutreten. Wie Trainer Thioune richtig feststellte, fehlt es im Kader der Rothosen an Erfahrung und Härte. Mit Klaus Gjasula wurde ein erster Kämpfer verpflichtet, der zwar notfalls auch auf der Position des Innenverteidigers spielen könnte, aber eher für das defensive Mittelfeld vorgesehen ist, weshalb ein erfahrener Abwehrmann dringend gesucht wird.

Dass die Jugendarbeit im Volkspark wieder aufblüht, ist an den zahlreichen Talenten abzulesen, die den Sprung zu den Profis bereits geschafft haben. Josha Vagnoman, Jonas David, Aron Opoku und Stephan Ambrosius sind hervorragende Beispiele für die vielversprechende Jugend des HSV, was nicht nur den HSV-Fan freut. Falls der 21-jährige Ambrosius seine jüngsten Leistungen bestätigen sollte, werden definitiv einige Einsätze in der neuen 2. Liga-Saison winken und am Ende ist die Entwicklung sicherlich noch nicht.