FC Barcelona

Statistiken belegen den sportlichen Niedergang des FC Barcelona

Guido Müller
Bild mit Symbolcharakter: Der FC Barcelona (hier Memphis Depay) liegt am Boden
Bild mit Symbolcharakter: Der FC Barcelona (hier Memphis Depay) liegt am Boden / Quality Sport Images/GettyImages
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Dass der aktuelle FC Barcelona nichts mit dem von vor einigen Jahren gemein hat, erkennen selbst diejenigen, die mit Fußball nicht so viel am Hut haben. In der heimischen Liga nur unter ferner liefen, in der Champions League schon nach drei Spielen mit dem Rücken zur Wand. Mit einem exhaustiven Vergleich der letzten Jahre hat das Fachblatt as nun versucht, den sportlichen Niedergang statistisch zu ergründen.


Untersucht wurde dabei die statistische Bilanz der jeweiligen Barça-Teams (Pässe, Ballbesitz, Torschüsse usw.) im Zeitraum zwischen 2008/09 und der aktuellen Spielzeit.

Startend mit der Ballbesitzquote der Blaugrana, wird schnell erkennbar, dass auf das jahrelange Erkennungsmerkmal, den Ballbesitz, in den letzten Jahren immer weniger Wert gelegt wurde.

Ballbesitz

Und wenn auch der Unterschied zwischen der ersten untersuchten Saison (2008/09) und der aktuellen nur geringfügig erscheint (65,7 Prozent vor dreizehn Jahren gegenüber 63,8 in der laufenden), liegen zwischen dem Höchstwert von 72,7 Prozent (erreicht in der Spielzeit 2010/11) und dem Tiefstwert von 63,3 Prozent (datierend aus der Saison 2017/18) satte 9,4 Prozentpunkte.

Dazu kommt: seit der Spielzeit 2011/12, als ein Wert von 70,3 Prozent erreicht wurde, hat keine Mannschaft mehr die 70-Prozent-Marke überschritten.

Unmittelbar mit dieser Größe (des Ballbesitzes) steht auch die Anzahl der Pässe der sogenannten Führungsspieler in Relation. Zwischen den Jahren 2008/09 und 2013/14 war dies unzweifelhaft Xavi Hernández.

Pässe des Führungsspielers

In seinen Spitzenzeiten (2010/11 und 2011/12) erreichte das Gehirn jener Mannschaft Durchschnittswerte von annähernd 100 Pässen pro Spiel (96, 8 bzw 97,8). Im Mittel der sechs Spielzeiten zwischen 2008/09 und 2013/14 lag Xavis Wert bei 90,7 Pässen pro Spiel.

Xavi Hernandez
Die langjährige Schaltzentrale der Blaugrana: Xavi Hernández / David Ramos/GettyImages

Weit abgeschlagen von solchen Werten liegt Sergio Busquets, der in seiner stärksten Spielzeit (2017/18) auf 77,5 Pässe pro Spiel kam. In der laufenden Saison liegt er bei 73,9. Ebenfalls alarmierend: seit der Saison 2013/14 kam kein Führungsspieler der Katalanen mehr auf einen Wert von über 80 Pässen pro Spiel.

Balleroberungen im gegnerischen Drittel

Was die Intensität im offensiven Pressing betrifft, sind die Zahlen ebenfalls ernüchternd. In der Saison 2014/15 gelangen dem Team noch 500 Balleroberungen im defensiven Drittel des Gegners. Diese Zahl sank in der vergangenen Saison um 20 Prozent auf nur noch 401.

Auch die Anzahl von Torschüssen und Treffern, die aus Balleroberungen in des Gegners Defensive entsprangen, sank zwischen beiden genannten Saisons dramatisch. Bei den Torschüssen von 70 auf 47, bei den Toren von 16 auf 8.

Doch auch die Defensivarbeit hat an Intensität eingebüßt. Gelangen dem Team in der Spielzeit 2008/09 noch durchschnittlich 17,2 Balleroberungen, sank dieser Wert in der letzten auf nur noch 9,8.

Gegnerische Angriffe

Entsprechend leicht kommen die Gegner heutzutage vor das Tor der Blaugrana. Mit eigenen konstruierten Angriffen gelang ihnen dies in der Saison 2008/09 gerade 6 Mal (!) pro Spiel. In der Saison 2018/19 erhöhte sich dieser Wert auf geradezu skandalöse 50 Mal pro Match. Auch der aktuelle Durchschnittswert der laufenden Saison (11) ist fast doppelt so hoch wie der vor dreizehn Jahren.

Bei gegnerischen Angriffen, die aus dem Umschaltspiel resultierten, sieht es nicht viel anders aus. Diese gestiegene defensive Anfälligkeit macht sich natürlich auch in der Offensive bemerkbar. Und zwar auch schon vor dem Verlust des Ausnahmespielers Lionel Messi.

Eigene Torschüsse pro Spiel

Schossen die Blaugrana in der Saison 2008/09 noch durchschnittlich 17,2 Mal pro Spiel aufs gegnerische Tor, fiel diese Zahl schon in der Saison 2019/20 (mit Messi!) auf 12,7. In der aktuellen Spielzeit (ohne Messi!) liegt der Durchschnittswert gar nur noch bei 11,1.

Barcelona v Sevilla - Copa del Rey Final
Ohne ihn hakt es im Angriff: Lionel Messi / Anadolu Agency/GettyImages

Zahlen, sagt man ja, lügen nicht. Schon gar nicht im ergebnisorientierten Fußball-Sport. Die Klubführung ist in den kommenden Monaten (oder gar Jahren) gefordert, mit den richtigen personellen Entscheidungen für eine Umkehr dieser unheilvollen Dynamik zu sorgen.

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