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Spanische Medien: Keine konkreten Anzeichen für Messis Abwanderungswunsch

Aug 17, 2020, 2:22 PM GMT+2
Lionel Messi
Hüllt sich in Schweigen: Superstar Lionel Messi! / Pool/Getty Images
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Noch immer breiten sich beim FC Barcelona (und in der gesamten Stadt) die Schockwellen des fussballerischen Erdrutsches vom vergangenen Freitagabend aus. Die aus Brasilien lancierte Meldung, dass Superstar Lionel Messi gegenüber der Klubführung seinen Wunsch geäußert haben soll, den Verein noch in diesem Sommer zu verlassen, dementierte nun die barça-nahe Mundo Deportivo in ihrer heutigen Ausgabe unter Berufung auf klubinterne Quellen.

An die Klub-Verantwortlichen ist Messi bisher nicht herangetreten

Demnach hätten weder Òscar Grau, Vorstandsvorsitzender des Klubs, noch Vereinspräsident Josep Maria Bartomeu und auch nicht der Technische Direktor Eric Abidal irgendeine in diese Richtung gehende Kommunikation des Cracks erhalten. Diese drei Personen wären aber die dafür angezeigten Personen gewesen.

Tags zuvor hatte das brasilianische Internetportal Esporte Interativo die Meldung rausgebracht, dass der Floh, ob des schmachvollen 2:8 gegen den deutschen Rekordmeister, entschieden habe, die Koffer zu packen und den Verein ein Jahr vor Ablauf seines bis 2021 gültigen Vertrages zu verlassen. Eben jener Journalist verbreitete das Gerücht, der als erster vom Rekord-Transfer von Neymar zu PSG berichtet hatte. Sofort kamen natürlich anderenorts entsprechende Gerüchte auf, dass sein neuer Klub Manchester City sein könnte.

Aus dem direkten Umfeld des Spielers sei indes, so berichtet die Mundo Deportivo weiter, keine Stellungnahme zu erlangen gewesen. Weder im bestätigenden noch im dementierenden Sinne.

Keine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Messi "sein" Barça verlässt.

Insgesamt halte ich persönlich einen Abgang von Messi weiterhin für unwahrscheinlich. Und die Wahrscheinlichkeit wird in der Zukunft auch nicht größer. Da aber sein Kontrakt im nächsten Jahr ausläuft, wird sich in den kommenden Monaten seine Zukunft zwangsläufig klären müssen. Und es kann dabei nur zwei Szenarien geben: entweder er verlängert (zu nicht weniger Bezügen als bisher) oder aber er geht. Ersteres halte ich weiterhin für eindeutig wahrscheinlicher, als die Option, Messi noch einmal in einem anderen Vereinstrikot (in Europa) als dem des FC Barcelona auflaufen zu sehen.

Messis Dankbarkeit gegenüber dem Klub

Man darf nicht vergessen: mit nunmehr 33 Jahren biegt der Argentinier gerade auf die Zielgerade seiner Laufbahn ein. Wobei das auch für seinen langjährigen Widersacher Cristiano Ronaldo galt, als dieser das weiße Hemd Reals gegen das schwarz-weiße der Alten Dame aus Turin tauschte. Aber CR7 ist, welch Neuigkeit, ein komplett anderer Typ als Messi. Dass dieser wiederum sich privat sehr wohl fühlt in der Metropole am Mittelmeer, hat er oft genug kundgetan. Für seine Familie soll dasselbe gelten. Man darf auch nie die Umstände seiner Anfangszeit beim FC Barcelona außer Acht lassen. Es war der Klub, der dem damals noch in den Kinderschuhen steckenden Messi die kostspielige Hormonbehandlung ermöglichte, um sein Körperwachstum etwas zu beschleunigen. Die damit verbundene (und auf Lebenszeit befristete) Dankbarkeit des Spielers ist ein nicht zu verachtender Faktor - und ein Pfund, mit dem der Klub wuchern kann.

Obwohl natürlich auch klar ist, dass der FCB schon damals nicht rein altruistisch, sondern natürlich auch mit Blick auf die Entwicklung eines kommenden Superstars des Weltfußballs gehandelt hat. Die spätere Entwicklung gab den Blaugrana ja auch recht. Und ob es überhaupt aktuell einen Klub gibt, der bereit wäre (nicht zu verwechseln mit: in der Lage wäre), das weiterhin astronomisch hohe Gehalt (um die 50 Millionen Euro netto jährlich) des Megastars zu stemmen, ist schon unter "normalen" Umständen mehr als zweifelhaft. Doch inmitten der Corona-Krise wird sich jeder Klub zweimal überlegen, derart finanziell in die Vollen zu gehen.

Neuaufbau beim FC Barcelona mit Messi als Gallionsfigur

Dem FC Barcelona jedoch bleibt fast nichts anderes übrig, denn Messi ist sowas wie das Kirchenoberhaupt der Fußballgläubigen in Barcelona. Ein Messi woanders als bei Barça ist schlichtweg für die meisten culés unvorstellbar. Und so wird der seit Freitag postulierte Neuanfang wohl auch mit ihm durchgezogen. Um ihn herum soll eine Mannschaft geformt werden, die wieder an die Erfolge der Vergangenheit (immerhin vier Champions League-Titel seit 2006) anknüpfen soll. Ob dies mit einem Spieler, der seinen Zenit höchstwahrscheinlich schon überschritten hat, ein wirklich sinnvolles Unternehmen ist, steht wieder auf einem anderen Blatt Papier.

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