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Schalkes Jonjoe Kenny im 90min-Gespräch: "Wollen die Saison positiv beenden"

Jun 26, 2020, 6:12 PM GMT+2
Jonjoe Kenny
Jonjoe Kenny konnte Schalke tatkräftig unterstützen | TF-Images/Getty Images
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Exklusiv - Jonjoe Kenny war der wichtigste Leihspieler für Schalke in der nun endenden Saison, sehr schnell erspielte er sich einen Stammplatz. Nach 15 Spielen ohne Sieg möchte sich das Team mit einem Erfolg von den Fans verabschieden - im Gespräch mit 90min äußerte sich der junge Brite auch zu Taktiken in der Bundesliga, seinen Teamkollegen und zur Bedeutung seiner Leihe.

Schon in seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz für Schalke 04 wusste Jonjoe Kenny zu überzeugen, sodass sich der Rechtsverteidiger schnell zum Fan-Liebling unter den Neuzugängen hochspielen konnte. Mit der am Wochenende endenden Saison geht auch seine Leihe vom FC Everton zu Ende - Kenny wird dem S04 den Rücken kehren müssen.

Unsere englischen 90min-Kollegen haben im Interview mit dem 23-Jährigen über seine Erfahrung in Deutschland gesprochen, über die dazu notwendigen Umstellungen, den taktischen Aspekt der Bundesliga und auch über seine Teamkollegen - große Stücke scheint er vor allem auf Rabbi Matondo zu halten.

Kenny: "Ich wollte das deutsche Leben leben"

Zu Beginn der Saison sprach Kenny davon, sich vollkommen auf Schalke, die Umgebung und das bis dato unbekannte Deutschland einzulassen. "Es war alles anders für mich", so der Brite. "Wenn ich zu Hause bin, habe ich meine Eltern, die viel für mich machen. Ich bin in meiner Komfortzone, ich kann mit Freunden ausgehen, das Leben ist leicht. Als ich nach Deutschland kam, musste ich viele Dinge lernen."

David Wagner, Jonjoe Kenny
S04-Coach David Wagner setzte frühzeitig und regelmäßig auf den 23-Jährigen | TF-Images/Getty Images

Neben den fußballerischen Aspekten gab es für den gebürtigen Liverpooler auch im ganz normalen Alltag das ein oder andere, woran er sich erst gewöhnen musste: "Hier fährt man auf der anderen Straßenseite, hier spricht man eine andere Sprache, es gibt einen ganz anderen Lebensstil. Als ich sagte, ich wolle mich darauf einlassen, wollte ich ein Teil dessen sein, ich wollte das deutsche Leben leben, die Sprache lernen und schlicht zu Schalke als Verein gehören."

Dass er sich schnell einleben wollte, habe ihm wirklich dabei geholfen, sich frühzeitig zurechtzufinden - ein solcher Ehrgeiz abseits des Platzes kann natürlich auch auf sportlicher Ebene helfen. Wenig verwunderlich also, dass er sehr früh zum Stammspieler wurde und somit ganze 34 Pflichtspiele für den S04 absolvieren durfte - in denen er zudem zwei Tore erzielte. Außerdem gehörte er zu den Nominierten für den Titel des Bundesliga-Neulings der Saison.

Matondo griff Kenny unter die Arme - Schalke-Verbleib lange Zeit ein Thema

Mit anderen englischen Spielern in der Bundesliga gebe es zwar keinen großen Kontakt, aber Rabbi Matondo als Waliser habe ihm unter die Arme greifen können. "Er hat mir sehr geholfen und mir gezeigt, wie hier alles vonstatten geht. Ich hatte Glück, eine andere englisch-sprachige Person hier zu haben, genauso wie Weston McKennie."

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Rabbi Matondo hat Kenny dabei geholfen, sich auf Schalke zurechtzufinden | SASCHA SCHUERMANN/Getty Images

Über weite Teile der Saison wurde eine etwaige Verpflichtung Kennys diskutiert, oder zumindest eine verlängerte Leihe anvisiert. Da er sich so schnell einleben und auch auf dem Platz überzeugen konnte, wo er sich stets in jeden Zweikampf warf, machten sich die Vereinsverantwortlichen Hoffnungen auf einen Verbleib. Auch Kenny selbst, so hieß es noch im Frühling, würde gerne beim S04 bleiben. Nicht zuletzt aufgrund der Coronakrise hat sich dieser Wunsch jedoch zerschlagen.

"Noch wurde nichts gesagt," erklärte der Abwehrspieler im Hinblick auf seine weitere Zukunft beim FC Everton. "Sie haben zurzeit genug zu erledigen, sie müssen erst ihre eigene Saison beenden und dann sehen wir weiter." Seit dem Re-Start in der Premier League haben die Toffees vier Punkte in zwei Spielen holen können.

S04-Absturz nach Re-Start: "Wir wollen positiv aufhören"

Der Re-Start mit dem Wiedereinstieg ins Training in der Bundesliga habe sich gut angefühlt, so Kenny. Zunächst habe Königsblau in Gruppen trainiert, meistens unterteilt in Verteidiger, Mittelfeldspieler und Offensiv-Akteure. "Es ist immer schwer, wenn man zwei oder drei Monate nicht spielt, das ist länger als die Sommerpause inklusive der Vorbereitung, wenn alles seinen normalen Gang nimmt. Die Hauptsache war es, die restlichen Spiele zu absolvieren um die Saison beenden zu können", meinte der Brite.

Im Gegensatz zu Everton hat Schalke den Re-Start allerdings komplett in den Sand gesetzt - so wie eigentlich die gesamte Rückrunde. Am letzten Spieltag kann Kenny seiner Mannschaft nicht helfen, eine fünfte Gelbe Karte verhindert seinen Einsatz. Dennoch wusste er ein klares Ziel zu formulieren: "Wir wollen positiv aufhören. Wir haben die Saison sehr gut begonnen - die Auftritte waren dann nicht mehr gut, was man in den Ergebnissen gut sehen kann. Was viele aber nicht sehen, ist, dass wir sechs, sieben Spieler verletzt hatten. Nimmt man sechs, sieben Spieler aus einem Team heraus, wird das jede Mannschaft beeinflussen, egal wie groß sie ist."

Jonjoe Kenny
Am 3. Spieltag konnte Kenny sein erstes S04-Tor erzielen | TF-Images/Getty Images

Mit zahlreichen Verletzungen habe Schalke Pech gehabt, doch sei dieser Aspekt auch Teil des Fußball-Geschäfts. Man müsse sowohl mit den positiven, als auch mit negativen Zeiten umgehen können. Das sei schließlich genau das, was er für seine persönliche Entwicklung gebraucht habe, zog Kenny aus der gemischten Saison ein insgesamt positives Fazit für sich.

Damit meinte er auch den Umgang mit der Coronakrise, wo er Schalke als Verein ein großes Lob aussprach: "Sie sind wirklich sehr gut mit uns umgegangen, wir haben uns sehr sicher gefühlt." Die Spiele ohne Zuschauer empfand Kenny zwar als ungewohnt, am Ende seien die Spieler aber auch "Profis, deren Job es auch ist, mit der weltweiten Pandemie (im Fußball) passend umzugehen. Wir dürfen uns nicht beschweren, es war die richtige Entscheidung, hinter geschlossenen Türen zu spielen."

Taktische Herangehensweise in der Bundesliga viel detaillierter: "Eine großartige Erfahrung"

Zudem blickte er auf die Spielzeit zurück und auf die Erfahrungen, die er in diesem vergangenen Jahr gemacht habe. Ein großer Unterschied im Vergleich zur Premier League? "Eine großer Faktor, den ich bemerkt habe, waren die Taktiken jedes Teams. Die Spiele sind nicht so schnell, hin und her und das immer wieder, wie es in England ist - es ist viel taktischer: Die eigene Form zu halten, die Schwachstelle der gegnerischen Teams zu finden und diese ständig zu attackieren."

Dabei werde viel mehr Detailarbeit investiert, was er für sich selbst genossen habe - Wege zu lernen, wie man sich auf verschiedene Mannschaften vorbereitet. Verschiedene Spielformen zu bespielen, gegen unterschiedliche Spielideen anzutreten und auch etliche Spielertypen kennenzulernen, sei für seine Entwicklung eine großartige Erfahrung gewesen.

Kostic und Jakob als harte Gegenspieler - Kennys Tipp: Entwicklung von Matondo beobachten

Aus den Spielen sei ihm vor allem Filip Kostic von Eintracht Frankfurt als schwieriger Gegenspieler im Gedächtnis geblieben, auch Ismail Jakob, Flügelspieler vom 1. FC Köln, erwähnte Kenny.

Für die Trainingsspiele fiel seine Wahl auf Rabbi Matondo: "Er ist zu schnell." Gleichzeitig sei sein Freund auch ein Spieler, dessen Zukunft und Entwicklung im Auge behalten werden sollte. Kenny ist sich sicher, dass Matondo bald durchstarten wird.

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