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FC Schalke 04

Schalke-Talk: Nach seinem Aus erzählt Schneider wild drauf los

Yannik Möller
Feb 17, 2021, 9:25 AM GMT+1
Jochen Schneider wirkte beim Talk-Format erleichtert
Jochen Schneider wirkte beim Talk-Format erleichtert / Alexander Hassenstein/Getty Images
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Wenige Stunden nach der Bekanntgabe zur anstehenden Trennung zwischen Schalke und Jochen Schneider fand das "MitGEredet"-Talkformat zwischen ihm und den angemeldeten Vereinsmitgliedern statt. Dabei plauderte er aus dem Nähkästchen und wirkte ziemlich erleichtert.

Eine solche Talfahrt, wie Schalke 04 sie seit inzwischen über zwölf Monaten durchmacht, lässt niemanden kalt. Weder die Fans an erster Stelle, noch die Spieler oder Vereinsverantwortlichen. So entpuppte sich der zunächst etwas kurios wirkende "MitGEredet"-Talk mit Jochen Schneider, da nur wenige Stunden nach seines angekündigten Aus, als Nährboden für interessante Personalien.

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Der scheidende Sportvorstand, so berichteten es zahlreiche Teilnehmer dieses inzwischen dritten Talks, schien erleichtert und befreit ob des abgefallenen Drucks, nun da seine Zukunft geklärt ist. Während der erneut fast 90 Minuten äußerte er sich zu verschiedenen Themen: Fehlgeschlagene Transfers bestimmter Spieler, die sportliche Krise, Selbstkritik und die Knappenschmiede.

Jochen Schneider (mit Sascha Riether) wird Schalke verlassen
Jochen Schneider (mit Sascha Riether) wird Schalke verlassen / Christof Koepsel/Getty Images

Schalke laut Schneider gänzlich ohne Transferbudget: Von Burgstaller, über Kenny bis zu Kolasinac

Bereits im Sommer stand kein Transferbudget zur Verfügung. Was bei allen Berichten und Spekulationen immer wieder angemerkt wurde, stellte sich demnach für die handelnden Personen als sehr komplizierte Situation mit stark eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten dar. So habe es laut Schneider erst etwas Budget gegeben, als die Abgänge von Guido Burgstaller und Sebastian Rudy feststanden. Durch die Coronakrise sei man beispielsweise nicht in der Lage gewesen, den zuvor ausgeliehenen Jonjoe Kenny erneut auszuleihen oder ihn gar zu verpflichten.

Auch die Rückkehr von Sead Kolasinac, zunächst angedacht für den Sommer, sei deshalb kein realistisches Thema gewesen. Möglich wurde dieser Schritt im Winter durch die neuen beziehungsweise verlängerten Sponsorendeals.

So wurde der Sportvorstand, der derzeit noch das Tagesgeschäft leitet, auch auf die zuvor abgegebenen Jugendspieler Florian Krüger (Erzgebirge Aue) und Lennart Czyborra (Atalanta Bergamo - an den FC Genua ausgeliehen) angesprochen, da sich viele Fans wünschten, von deren Rückkaufoptionen Gebrauch zu machen. Die sehr ernüchternde Antwort: Für Krüger, der in der 2. Bundesliga bereits bei zehn Toren und sechs Vorlagen steht, sei kein Geld vorhanden gewesen. Selbst die wohl benötigten 1,5 bis zwei Millionen Euro standen dem S04 nicht zur Verfügung. Wahnsinn.

Vorausgegangene Personalentscheidungen wurden ebenfalls thematisiert. Ein Mitglied ließ fragen, weshalb der Vertrag mit Guido Burgstaller in der Fast-Abstiegs-Saison vor zwei Jahren längerfristig verlängert wurde. Schneider sagte, was bereits bekannt war: Er habe nur eine Zusage an den Stürmer des vorigen Managements (Christian Heidel) umgesetzt, nicht selbst entschieden.

Daniel Caligiuri habe ein "sehr gutes" Angebot vom Verein bekommen, es jedoch nicht angenommen. Zur Zeit rund um die Entscheidung, dass der heute 33-Jährige den Klub verlässt, gab es viel Kritik an der Vereinsführung, ihn ziehen zu lassen. Schon kurz danach war von einem guten Angebot die Rede, das der FCA-Spieler jedoch ablehnte. Bastian Oczipka hat zwar einen bis 2023 gültigen Vertrag bekommen, der Schneider zufolge jedoch sehr leistungsorientiert (heißt: Einsätze als Maß) gestaltet sei.

Zukunftsprojekt Knappenschmiede: Ehemaliger Spieler kommt hinzu - neues Scouting und Spielerentwicklung

Allerdings wurde nicht bloß in die Vergangenheit geschaut, so wie Breel Embolo marktwertgerecht verkauft aber damals viel zu teuer eingekauft wurde (klare Kritik an Heidel), sondern auch über die nahe Zukunft gesprochen. So wurde u.a. der Vertrag mit Manuel Baum aufgelöst, das Arbeitspapier von Timo Becker soll langfristig verlängert werden und Stoke City kann Rabbi Matondo nach Ablauf der Leihe verpflichten. Dem jungen Waliser habe es an der Bereitschaft, das Allerletzte für Schalke zu tun, gefehlt, so Schneider.

Die Scouting-Abteilung wird - mal wieder - umstrukturiert. Der 50-Jährige erklärte, dass sich Königsblau künftig wieder speziell auf die Länder fokussieren werde, mit denen man bereits gute Erfahrungen hat machen können. Ein Bereich, der in der Knappenschmiede schon fokussiert wurde - hier ist es richtig, Schneider lobend zu erwähnen: Wichtige Investitionen in die Jugendabteilung und neue Spieler nahmen unter ihm zu. Ein Langzeit-Projekt unter der Führung Norbert Elgerts.

Apropos Knappenschmiede: Schon bald soll ein ehemaliger S04-Spieler als Jugendtrainer hinzustoßen. Einen Namen nannte der Noch-Sportvorstand nicht, allerdings gab es sehr viel Lob für die betroffene Person. Manche Fans tippen auf Tim Hoogland, der dem Verein immer verbunden geblieben ist und der bereits verlauten ließ, sich ein solches Szenario vorstellen zu können.

Als vorgezogenes Fazit zu seiner eigenen Zeit auf Schalke erklärte Schneider auf Nachfrage, welche drei Dinge er im Nachhinein gerne anders gemacht hätte: Erstens, bei Transfers mehr auf sich selbst und weniger auf andere hören. Zweitens, mit mehr Deutlichkeit auf besagte Transfers drängen. Drittens, die Krise und den Ernst der Lage früher erkennen und Alarm schlagen. So sei intern zu lange beschönigt worden.

An dieser Stelle kann man vielleicht etwas Mitleid haben, dass Jochen Schneider offenbar vom großen Konstrukt Schalke etwas unterdrückt oder gar aufgefressen wurde, wie es die Bild in einem Kommentar formuliert. Andererseits könnte man ebenso sagen, dass er nicht das Format und die Erfahrung hatte, in seiner mächtigen Position in der ersten Reihe zu stehen und die Entscheidungen bewusst zu treffen.

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