FC Schalke 04

Lob für Schalker Knappenschmiede - doch liefert sie wirklich?

Yannik Möller
Schalke legt viel Wert auf die Knappenschmiede
Schalke legt viel Wert auf die Knappenschmiede / Soccrates Images/GettyImages
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Der FC Schalke brachte einen U19- und einen U23-Stürmer mit zum Spiel gegen St. Pauli. Für Co-Trainer Sven Piepenbrock war das ein Anlass, mal wieder die Arbeit der Knappenschmiede in den Vordergrund zu rücken. Doch liefert die S04-Jugendarbeit wirklich noch, wie ihr Ruf besagt?


Durch den Covid-Ausfall von Dimitrios Grammozis steht zurzeit Co-Trainer Sven Piepenbrock bei Schalke 04 im Fokus. Vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli musste er die Verletztenliste kommunizieren. Angesichts der zwei nachrückenden Angreifer aus der U19 und der U23 betonte er sinngemäß, dies sei mal wieder ein Zeichen für die tolle Arbeit der Knappenschmiede.

"Das muss man ja hier loben: Wir haben eine super Zusammenarbeit mit der Knappenschmiede. Mit Mathias Schober, mit Norbert Elgert, mit Torsten Fröhling, die uns auch da auch in dieser Woche unterstützt haben", so Piepenbrock dazu.

Knappenschmiede hat an Qualität verloren: Nur ein Schalke-Spieler in der 2. Liga

Aus der Schalker Jugend sind schon zahlreiche große Namen gekommen. Spieler wie Leroy Sané, Manuel Neuer, Mesut Özil oder Julian Draxler sind nur einzelne Beispiele für die gute Jugendarbeit, in der auf U19-Coach Elgert immer wieder und berechtigterweise das Hauptaugenmerk liegt.

Allerdings ist die Zeit zum letzten Sané lange her, und auch in der nächsten Zeit dürfte es erstmal keinen neuen Sané geben.

Blickt man auf die aktuelle Saison, so gehören mehrere Knappenschmiede-Spieler zum regelmäßigen Spieltagskader: Henning Matriciani, Florian Flick, Blendi Idrizi, Mehmet-Can Aydin und Kerim Calhanoglu stehen dabei im Vordergrund. Timo Becker und Malick Thiaw natürlich ebenso, doch sind die beiden schon seit längerer Zeit bei den Profis dabei.

Sofort fällt auf: Von den Eigengewächsen spielt nur Thiaw regelmäßig in der Startelf, Aydin schafft es immerhin halbwegs. Bei den restlichen Namen handelt es sich viel eher um Einwechselspieler. Calhanoglu und Becker sind in der Regel nicht einmal mehr im Kader. Und das im Alltag der 2. Bundesliga.

Längst vorbei sind die Tage, als sich die nachrückenden Eigengewächse im oberen Drittel der Bundesliga zeigen durften - teilweise sogar in der Königsklasse aufspielen konnten.

Norbert Elgert
Norbert Elgert gilt als der Profi-Macher auf Schalke / Maja Hitij/GettyImages

Auch im Vorjahr sah die Ausbeute nicht besser aus: Can Bozdogan zeigte teils gute Ansätze, konnte in der Sommer-Vorbereitung aber nicht überzeugen und wurde verliehen. Nassim Boujellab hatte von Beginn an kaum eine Chance, derzeit kommt er auch beim FC Ingolstadt kaum zu Einsätzen. Levent Mercan durfte sich gefühlt noch nie richtig zeigen, hat aber auch bei Karagümrük in der Türkei erst schlappe 40 Minuten spielen dürfen.

Im Angriff kein anderes Bild: Matthew Hoppe konnte sich zwar in einzelnen Spielen zeigen, doch die nötige Konstanz findet er auch heute bei Mallorca noch immer nicht. Ahmed Kutucu konnte zwar ein paar Profi-Tore erzielen, aber sich nie wirklich durchsetzen. Aktuell kämpft er bei Basaksehir um Einsatzzeiten.

Geht man fairerweise noch ein weiteres Jahr (2019/20) zurück, zeigt sich ein sehr ähnliches Bild - trotz der noch erfolgreichen Hinrunde unter David Wagner. Jonas Carls rückte nach, ebenso schon zuvor benannte Jugendspieler. Nichts, was auch nur annähernd als nächster Knappenschmiede-Star zu verkaufen wäre.

Investitionen in die S04-Jugend für mittelfristige Erfolge - derzeit nur einzelne Lichtblicke?

Für die letzten Jahre lässt sich also ein ernüchterndes Fazit ziehen. Zum einen rückten vergleichsweise wenige Spieler zum Profi-Team durch. Das ist bereits ein Zeichen inzwischen mangelnder Qualität in den Nachwuchsteams. Zum anderen konnten sich diejenigen, die die Chance bekamen, nicht durchsetzen. Bis auf Thiaw spielt nicht ein ausgebildeter Jugendspieler regelmäßig in der zweiten Liga für S04 auf.

Das ist schon sehr mau, vergleicht man das mit den paar Jahren zuvor. Gefühlt kamen teilweise ganze Schalke-Generationen aus der eigenen Jugend. Es gab Zeiten, in denen standen Benedikt Höwedes, Joel Matip, Sead Kolasinac, Draxler und Co. alle zusammen auf dem Platz. Andere wie Max Meyer oder auch Kaan Ayhan sorgten für weiteres Material. In Liga eins und auch international, wohlgemerkt. Davon ist man weit entfernt.

Semin Kojic
U-Nationalstürmer Semin Kojic könnte sich bei S04 einen Namen machen / Karina Hessland/GettyImages

Das Problem: Auch für die nächsten ein, zwei Jahre gibt es nur einzelne Lichtblicke. Derzeit zeichnet sich keine Gruppe von Knappenschmiede-Spielern so besonders aus, dass ihre Profi-Debüts schon jetzt mit Spannung erwartet werden.

Zurecht im Fokus stehen beispielsweise Torwart Daniel Rose, Zehner Juan Cabrera, Flügelspieler Sidi Sané (ja, der kleine Bruder von Leroy) oder Stürmer Semin Kojic aus der U19. Zurzeit sorgen sie für Spaß und etwas Hoffnung, doch bleibt es fraglich, ob sie sich dann auch durchsetzen werden. Die U23 ist momentan ziemlich schlecht unterwegs. Sie spielt einen schlechten Fußball und bietet kaum Spieler als echte Profi-Alternativen an. Immerhin bleibt die U17 sehr erfolgreich.

Schalke muss wieder bessere Chancen bieten - und den Nachwuchs aufbessern

An dieser Stelle sei fairerweise aber auch erwähnt, dass Schalke in den letzten Spielzeiten alles andere als ein einfaches Pflaster für Jugendspieler war. Nahezu konstant schlechte Stimmung durch sportlichen Misserfolg, unzählige Trainerwechsel und ein konstant schlechter Fußball-Stil. Es gibt wahrlich leichtere Ebenen, über die ein junger Spieler nachrücken und sich zeigen kann.

Bleibt zu hoffen, dass die über das letzte und auch dieses Jahr trotz Corona intensivierten Investments in die Knappenschmiede alsbald ihre Wirkung entfalten. Das gilt für frühzeitige Transfers, für die Ausstattung und Professionalisierung der gesamten Jugendarbeit sowie die grundsätzliche Durchlässigkeit zur ersten Mannschaft.

Denn so toll und erfolgreich, wie Piepenbrock die Knappenschmiede beschrieben hat, war sie zuletzt nicht mehr. Die Suche nach dem nächsten Sané, der begeistern und später viele Millionen einbringen kann, geht weiter. Wobei es zunächst auch wünschenswert wäre, wenn erstmal wieder grundsolide Zweit- oder gar Erstliga-Spieler nachrücken könnten.

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