2. Bundesliga

Schalke gegen den HSV: Ein Streifzug durch die Jahrzehnte

Guido Müller
Eine Szene aus dem letzten Bundesliga-Duell (April 2018) beider Klubs: Thilo Kehrer im Duell mit Jann-Fiete Arp
Eine Szene aus dem letzten Bundesliga-Duell (April 2018) beider Klubs: Thilo Kehrer im Duell mit Jann-Fiete Arp / PATRIK STOLLARZ/Getty Images
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Es ist der Kracher zum Auftakt der diesjährigen Zweitliga-Saison. Am morgigen Freitag (20.30 Uhr) treffen in der Veltins-Arena der FC Schalke 04 und der Hamburger SV aufeinander. Ein echter Bundesliga-Klassiker - re-launched im Unterhaus. Ein Streifzug durch die Historie dieses Evergreens.


Bereits vor der Einführung der Fußball-Bundesliga im Jahr 1963 hatten sich beide Klubs schon einige Duelle um die Deutsche Meisterschaft geliefert. Die Premiere gab es am 8. Juli 1928, als die Hausherren aus Hamburg vor 10.000 Zuschauern im Stadion Hoheluft mit 4:2 gewannen.

Bis zum Startschuss der Bundesliga gab es dann noch sechs weitere Duelle. Das letzte war sogar ein echtes Finale: am 18. Mai 1958 sicherten sich die Königsblauen vor 85.000 Zuschauern im Niedersachsenstadion zu Hannover durch ein ungefährdetes 3:0 die Deutsche Meisterschaft.

Die Bilanz aus der Prä-Bundesligazeit: vier Siege für die Knappen, drei für die Hamburger (darunter ein knackiges 8:2 im Juni 1952).

Große Spieler, die für beide Klubs spielten

Doch richtig rund ging es dann ab den Sechzigerjahren. Und schon damals waren Wechsel zwischen beiden Klubs keine Seltenheit. Prominentestes Beispiel aus jener Zeit war sicherlich Willi Schulz.

Der war bereits deutscher Nationalspieler, als er im Jahr 1965 den Pott verließ und nach Hamburg wechselte.

Dass er dies nicht als Absteiger tat, verdankte er (und natürlich Schalke 04) nur dem Umstand, dass die Liga nach ihrem zweiten Jahr von 16 auf 18 Klubs aufgestockt worden war. Schalke war in der Spielzeit 1964/65 letzter geworden.

In Hamburg wurde Schulz vom Mittelfeldspieler (damals noch "Mittelläufer" genannt) zum Abwehrspieler umgeschult und wurde auf dieser neuen Position zu einem der besten Spieler Deutschlands.

Seinen Spitznamen "World-Cup-Willi" erhielt Schulz während der Weltmeisterschaft 1966 in England. Pate stand das damalige homophone Maskottchen "World-Cup-Willie" (mit "ie"). Bei diesem WM-Turnier machte sich Schulz auch international einen Namen.

Franz Beckenbauer, Werner Krawmer, Willi Schulz, Wolfgang Paul
Willi Schulz (2. v. r.) während eines Trainings (mit Franz Beckenbauer) bei der WM 1966 / Central Press/Getty Images

Sogar Pelé adelte Schulz

Wie gut Schulz war, mag ein Zitat von Pelé verdeutlichen. Der brasilianische Weltstar, für viele immer noch der beste Spieler der Fußball-Historie, sagte einmal: "Das Fußballer-Leben könnte so schön sein, wenn es diesen säbelbeinigen Schulz nicht gäbe."

In den Achtzigerjahren nahm ein gewisser Wolfram Wuttke den gleichen Weg wie Schulz. Zuvor hatte "Wutti" ein zweijähriges Intermezzo bei Borussia Mönchengladbach (unter Trainer Jupp Heynckes), kehrte jedoch 1982 (nach Schalkes erstem Wiederaufstieg) vorübergehend nach Gelsenkirchen zurück.

Der HSV, damals frisch gebackener Europapokalsieger der Landesmeister, nahm Wuttke in der Saison 1983/84 unter Vertrag. Mit Trainer Ernst Happel kam der lockere Wuttke jedoch überhaupt nicht klar und wechselte im Jahr 1985 nach Kaiserslautern.

Ein Jahr zuvor, zur Spielzeit 1984/85 war HSV-Mittelstürmer Dieter Schatzschneider, der seinen Vorgänger Horst Hrubesch in Hamburg nie ersetzen konnte, aus der Hansestadt ins Revier gewechselt.

Ihm nach taten es in den Neunzigerjahren Sascha Jusufi (1991/92), der aufgrund von Verletzungsproblemen jedoch kein einziges Pflichtspiel für die Knappen bestreiten konnte, und Sven Kmetsch (1998/99), der während seiner sieben Jahre auf Schalke immerhin zweimal den DFB-Pokal erringen konnte.

In den Nuller-Jahren dieses Jahrhunderts war der Transfer von Torwart Frank Rost von Schalke zum HSV (in der Winterpause der Saison 2006/07) sicherlich der bedeutendste Wechsel zwischen beiden Klubs.

Dreieinhalb Jahre später, zur Spielzeit 2010/11, zahlte der Hamburger SV dann 7,5 Millionen Euro an die Westdeutschen, um Innenverteidiger Heiko Westermann zu verpflichten. Der sollte im Volkspark die Lücke, die Jerome Boateng nach seinem Wechsel zu Manchester City hinterlassen hatte, stopfen.

Königlicher Glanz in der Saison 2010/11

Wahrlich königlichen Glanz verbreiteten die Duelle beider Klubs in dieser Spielzeit aber aus anderen Gründen. Denn ab jener Saison schnürte die frühere Real-Legende Raúl für Schalke die Schuhe, während sich die Hamburger ein halbes Jahr zuvor die Dienste von Ruud van Nistelrooy gesichert hatten.

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Entschied mit zwei Toren das "königliche" Duell gegen Raúl: Ruud van Nistelrooy / AFP/Getty Images

Am 1. Spieltag besagter Saison 2010/11 kam es dann in Hamburg zum ersten Aufeinandertreffen der beiden Superstars in der Bundesliga, das die Rothosen dank zweier Tore des Niederländers für sich entscheiden konnten.

Der jüngste aufsehenerregende Spielerwechsel zwischen beiden Klubs war sicherlich der von Simon Terodde, der sich nach nur einem Jahr (und dem verpassten Wiederaufstieg) in Hamburg zur morgen anlaufenden Spielzeit den Königsblauen anschloss.

Fünf gemeinsame Trainer

Doch nicht nur auf Spielerebene gab es zahlreiche Überschneidungen. Mit Rudi Gutendorf, Aleksandar Ristic, Huub Stevens, Mirko Slomka und Felix Magath haben auch fünf Trainer bei beiden Stationen gewirkt.

Huub Stevens
Hatte sowohl auf Schalke als auch in Hamburg Erfolg: Huub Stevens / Soccrates Images/Getty Images

Hinzu kommen der aktuelle Trainer der Knappen, Dimitrios Grammozis, sowie André Breitenreiter (der in der Saison 2015/16 auf Schalke das Sagen hatte), die als Spieler beim HSV aktiv waren.

Bisweilen äußerst klangvolle Namen also, die man mit beiden Klubs in Verbindung bringt. Doch mittlerweile ist der Glanz verblichen.

Was Heiko Westermann, morgen Co-Kommentator bei Sky (das Spiel wird auch auf SAT.1 im Free-TV übertragen), in der Bild zu der bitteren Feststellung kommen lässt: "Ich finde, es ist für beide Vereine eine echte Katastrophe, dass sie abgestiegen sind."

Doch beide Vereine haben es im Laufe ihrer jeweils mehr als hundertjährigen Geschichte immer wieder geschafft, einer Talsohle auch wieder einen Aufschwung folgen zu lassen. Ab morgen haben sie nun die Möglichkeit, den ersten Schritt in eine bessere Zukunft zu machen.

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