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Schalke am Boden: Wie konnte es soweit kommen? Wagner und Schneider auf Spurensuche

David Wagner
Ist Schalke-Coach David Wagner mit seinem Latein am Ende? | Pool/Getty Images

Das Schalker Formtief hat sich inzwischen zu einer waschechten Krise entwickelt. Mit nur sieben Punkten aus elf Rückrundenpartien steht S04 vor einem Scherbenhaufen. Europapokal? Inzwischen kein Thema mehr! Nach der 1:2-Pleite gegen Düsseldorf herrscht bei Königsblau Erklärungsbedarf. Besonders die konsternierten Aussagen von S04-Trainer David Wagner überraschen - und sagen gleichzeitig sehr viel aus.

Gegen die Fortuna schossen sich die Knappen tatsächlich wieder in Führung. Das 1:0 kurz nach Anpfiff der zweiten Hälfte war das erste S04-Tor nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Geholfen hat es dennoch nicht, da Düsseldorf kurz danach das Spiel noch drehte.

Schalke-Statistiken des Grauens - Saisonziel längst verfehlt

Insgesamt sprechen die Schalker Statistiken der Partie am Mittwoch grauenhafte Bände. Nur ein Drittel Ballbesitz (gegen den Tabellen-16.!) und eine Passqoute von gerade einmal 63 Prozent lassen auf eine völlig hilflose und verunsicherte Mannschaft schließen. Es ist die verdorbene Kirsche auf einer Rückrunden-Torte, die schon lange nicht mehr genießbar ist.

Seit Jahreswechsel befindet sich die königsblaue Mannschaft im Steilflug nach unten. Fünf eigens geschossene Tore in der Bundesliga sind Tiefstwert, nur Schlusslicht Paderborn erspielte sich in der Rückrunde ebenso mickrige sieben Punkte. 24 Gegentore, viele davon nach katastrophalen individuellen wie auch kollektiven Fehlern, zeugen zudem von einer nicht existierenden Defensivleistung.

Hatte man nach einer grandiosen Hinrunde, als man auf einem Europa-League-Platz Weihnachten feiern durfte, noch das realistische Ziel Europapokal im Blick, geht es bei Schalke 04 längst nur noch darum, die Saison einigermaßen unbeschadet zu überstehen.

S04-Boss Schneider: Kritik betrifft den ganzen Verein, nicht nur den Trainer

Nach dem Auftritt gegen Düsseldorf mussten sich abermals die Verantwortlichen Knappen der Presse stellen. Sportvorstand Jochen Schneider appellierte an den ganzen Verein. Die aktuelle Kritik sei Kritik am ganzen Verein, alle müssten nun die Dinge besser machen, so Schneider gegenüber Sky. Die Schuld allein am Trainer festzumachen wolle er nicht: "Da gehören alle im Verein dazu", so Schneider. Dennoch vermied er ein klares Bekenntnis zum Wagner.

Jochen Schneider
Schneider: "Negativlauf schnellstens beenden" | Thomas Lohnes/Getty Images

Für Schneider gehe es jetzt um alles: "Wir können uns nicht so präsentieren wie in den letzten drei Spielen. Das ist ein gehöriger Negativlauf, den müssen wir schnellstens beenden." Die Mannschaft müsse im kommenden Spiel gegen Werder Bremen dringend eine gute Leistung zeigen. Das Spiel gegen die Fortuna war dagegen "kein gutes Spiel. Das kann man nicht schön reden."

Wagner verteidigt Defensivtaktik - welche Möglichkeiten bleiben dem Trainer noch?

Die Person, die wohl mehr als alle anderen Einfluss auf den Auftritt der Mannschaft nehmen kann, ist Trainer Wagner. Für den einstigen Erfolgsträger der Hinrunde geht es längst um die eigene Zukunft beim Verein. Gegen die Fortuna setze der 48-Jährige auf eine stark defensive Ausrichtung. Hinten sicher und per Konter für Gefahr sorgen, so lautete der Plan.

Allerdings kann der Bus noch so gut geparkt sein - patzen die Spieler, werden Löcher in die Defensivtaktik gerissen. Gegen Fortuna etwa sorgte eine unglückliche Abwehr von Keeper Markus Schubert für den Ausgleich, kurz danach zeigte sich die komplette Defensive beim 1:2 schläfrig.

Wagner will dennoch an seiner Idee festhalten. "Zu etwas anderem" so der Trainer, sei sein Team sowieso "nicht in der Lage". Wagner weiter: "Im Moment ist das unsere Möglichkeit, um vielleicht Punkte zu holen." Auf Schalke weiß man die Tage nicht, ob man mehr lachen oder weinen sollte.

"Wir wissen, warum, und wir wollen alles dafür tun, dass wir aus dieser Phase wieder herauskommen", versucht Wagner zu versichern, dass der Fokus noch da sei. Allerdings scheinen die Möglichkeiten des Kaders ausgeschöpft. Trotz vielerlei Rückschlägen setzt der Trainer seit Wochen auf dieselben Spielern, sei aus aus Verletzungsgründen oder aus fehlendem Vertrauen in die (teilweise noch sehr jungen) Alternativen.

Offensive Tristesse, viele Fragen und keine Antworten

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Schalke 04: Ein Symbolbild | MARTIN MEISSNER/Getty Images

Gerade in der Offensive herrscht Stagnation. Schalkes Stürmer Benito Raman, Rabbi Matondo, Ahmed Kutucu, Guido Burgstaller und Michael Gregoritsch bringen es gerade einmal auf neun Bundesligatore! Toptorschützen sind die Mittelfeldakteure Suat Serdar (sieben Treffer) und Amine Harit (sechs) - die beide zurzeit verletzt fehlen. Das einzige Tor gegen Düsseldorf schoss übrigens Weston McKennie. Position? Zentrales Mittelfeld...

Der Blick von Schalke 04 richtet sich mehr denn je nach unten. Aktueller Inhaber der Hassliebe Relegationsrang ist ironischerweise Fortuna Düsseldorf. Zwischen den NRW-Klubs liegen noch zehn Punkte. Bei nur sechs restlichen Spieltagen auf der Uhr wird Königsblau wohl vom kompletten Knockout verschont bleiben, es wird wohl auf eine mehr oder wenige heftige sportliche Nahtoderfahrung hinauslaufen.

Unterm Strich bleiben die Fragen. Wie konnte es soweit kommen? Wer wird im Klub seinen Posten räumen müssen? Und wie möchte man im Sommer als finanziell angeschlagener Klub in Zeiten von Corona den Kader effektiv umbauen? Es wird schwer werden, darauf Antworten zu finden.