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Bayern München

Rummenigge über Gehälter-Wahnsinn und das Financial Fair Play

Dominik Hager
Apr 7, 2021, 5:20 PM GMT+2
Karl-Heinz Rummenigge stellt klar, dass Transfers wie Dayot Upamecano eine Ausnahme darstellen werden.
Karl-Heinz Rummenigge stellt klar, dass Transfers wie Dayot Upamecano eine Ausnahme darstellen werden. | Pool/Getty Images
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Transfers in Zeiten der Corona-Pandemie sind selbst für Spitzenklubs zum absoluten Kraftakt geworden. Die Vereine werden sich demnach auch in der kommenden Saison zweimal überlegen, welche Spieler ihr Geld wert sind. Im Interview mit der englischen Zeitung The Athletic hat sich Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge zur finanziellen Problematik und dem Transfer von Dayot Upamecano geäußert.

Die 42,5 Millionen Ablöse, die der FC Bayern in Dayot Upamecano investiert hat, dürften ähnlich schmerzhaft gewesen sein wie die 80 Millionen für Lucas Hernández vor zwei Jahren. Grund hierfür ist die Corona-Pandemie, die den Bayern laut Rummenigge vier bis fünf Millionen Euro pro Spiel kosten soll. Trotz allem sei die Verpflichtung des Leipziger Abwehrstars "notgedrungen" gewesen.

Dayot Upamecano, Thomas Mueller
Upamecano im Zweikampf mit Müller | Pool/Getty Images

"Wir werden David Alaba verlieren und vielleicht ein oder zwei weitere Defensivspieler. Wir wollten die größte Qualität, die auf dem Markt verfügbar ist, für diese wichtige Position holen - das ist Upamecano", argumentiert Rummenigge. Allerdings werden auch für den Ligakrösus Bayern München derart teure Transfers zu einer Seltenheit werden. Angesichts der derzeitigen Lage gehe es nun darum, "vernünftig und clever" zu agieren.

Rummenigge kritisiert Gehälter-Wahnsinn

Mit dieser neuen Strategie dürften die Münchner allerdings nicht alleine sein. So haben 99 Prozent der restlichen Klubs die gleichen Probleme wie die Münchner. Laut Rummenigge reiche jedoch eine Verringerung der Ablösesummen nicht aus, um die Schwierigkeiten zu lösen. "Alle, mit denen ich spreche, wollen ihre Gehaltsliste wegen Covid-19 reduzieren. Das gilt auch für Bayern. Die Ablösesummen sind letzte Saison um 50 Prozent gesunken, was gut war, aber die Gehälter haben sich nicht entsprechend nach unten angepasst", kritisiert er. Im Gegenteil: "Wir stellen fest, dass die Spieler und ihre Berater nicht gerne zu den bestehenden Konditionen verlängern, sondern noch mehr wollen," erläutert der Bayern-Boss. Die Münchner durften diese Erfahrung zuletzt bei David Alaba machen. Der Verein setzte letztlich jedoch ein klares Zeichen, diesen Weg nicht weitergehen zu wollen.

Solange es jedoch Vereine gibt, die bereit sind, den Spielern noch höhere Summen zu bezahlen, wird der Kreisel jedoch nicht zu stoppen sein. Die Konsequenzen daraus sind schon jetzt zu sehen und könnten sich weiter dramatisieren. Derzeit schreiben die Spitzenteams abgesehen von zwei, drei Ausnahmen ohnehin schon rote Zahlen. Wie lange dieses Spiel so weiter gehen kann, ist fraglich.

Rummenigge selbst lobt ausgerechnet die Zahlen von Chelsea London, also dem Klub, der im Sommer 2020 fast 250 Millionen Euro ausgegeben hatte. "Die Zahlen von Chelsea sehen sehr positiv aus. Marina Granovskaia hat einen sehr guten Job gemacht", lobt der Bayern-Boss. Ob Chelsea wirklich als positives Beispiel durchgehen kann, ist aber zweifelhaft. Zwar ist es richtig, dass die Londoner in den letzten beiden Jahren auch knapp 180 Millionen einnehmen konnten, so stehen alle Zahlen im Einfluss der Transfersperre bis zum Sommer 2020.

Rummenigge fordert striktes Einhalten der FFP-Regelung

Wenn man bedenkt, dass Chelsea 250 Millionen für eine rundum erneuerte Truppe ausgegeben hat, muss man auch anmerken, dass Paris 222 Millionen Euro für Neymar alleine ausgegeben hat. Transfers in dieser Größenordnung werden laut Rummenigge jedoch vorerst nicht mehr stattfinden. "So viel ist sicher", legt er sich fest. Dies liege weniger an den Ressourcen der Klubs, sondern mehr am Financial Fair Play. Ansonsten wären Paris und Manchester City wohl die großen Gewinner der Pandemie. Dank finanzieller Unterstützung aus Katar und den Emiraten schwimmen beide Klubs noch immer in Geld.

"Im Moment darf man 30 Millionen Euro über drei Jahre verlieren. Man kann aber nicht einmal einen Spieler für diese Summe kaufen", erklärt Rummenigge die Beschränkungen. Demnach seien die Klubs zu einer "rationalen Herangehensweise" gezwungen. Allerdings bemängelt der Vorstandsvorsitzende der Münchner, dass die Regeln nicht konkret genug wären und die Strafen nicht funktionieren. "Vereine, die in Zukunft gegen die Regeln verstoßen, müssen mit viel härteren Sanktionen rechnen. Wir müssen es dieses Mal wirklich richtig durchziehen", fordert er.

Zudem warnt der 65-Jährige auch entschieden davor, die Regularien zu lockern. "Die Abschaffung des FFP würde ein ruinöses Wettrüsten nach sich ziehen. Wir können nicht an den Punkt gelangen, an dem nur noch Vereine im Besitz von Milliardären konkurrieren können", stellt er klar. Eine Ansicht, die die meisten teilen dürften, damit der Fußball nicht vollkommen vom Sport zum Kommerz wird.

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