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Ein Solo-Lauf für die Geschichtsbücher: Ronaldos Wahnsinns-Tor von Compostela wird 25

Guido Müller
Spielte nur eine Saison für Barça: Ronaldo (hier mit Iván de la Peña)
Spielte nur eine Saison für Barça: Ronaldo (hier mit Iván de la Peña) / Claudio Villa/GettyImages
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Zwar spielte Ronaldo Luís Nazário de Lima, kurz: Ronaldo, nur eine Saison für den FC Barcelona, doch für viele gilt die Barcelona-Version des fantastischen Brasilianers immer noch als die Beste. Auch sein berühmtestes Tor schoss der Carioca im blau-roten Dress der Katalanen.


Es jährt sich dieser zum Weltkulturerbe des Fußballs gehörende Treffer zum 25. Mal. Es war der 12. Oktober 1996, der damals auf einen Samstag fiel. Und auf den 7. Spieltag der Saison 1996/97.

Aber eigentlich war es nicht so sehr ein simples Tor, dass dem 20-Jährigen damals am nordwestlichen Rand Spaniens gelang. Vielmehr war es ein Gesamtkunstwerk, bestehend aus Technik, Athletik, Schnelligkeit, Zielstrebigkeit, Koordination - und jeder Menge Chuzpe.

Die rein technischen Daten können dieses Meisterwerk nur unzulänglich beschreiben: insgesamt dauerte Ronaldos Slalomlauf durch die komplette Mannschaft der SD Compostela zehn Sekunden. Dabei legte er eine Strecke von 48 Metern zurück, für die er 34 Schritte und 16 Ballberührungen brauchte.

"Ich dachte nur: 'Oh, mein Gott!' Das ist außergewöhnlich!"

Compostelas damaliger Schlussmann Fernando sah das Unheil (aus seiner Sicht!) schon von Weitem kommen: "Ich dachte, er muss doch irgendwann mal fallen bei all den Fouls, die er einstecken musste. Aber er hielt sich und hielt sich und kam immer näher. Ich dachte nur: 'Oh, mein Gott. Das ist außergewöhnlich.' Es war das beste Tor, das ich jemals kassiert habe." (via marca.com)

Ein anderer direkt beteiligter Zeitzeuge, Compostelas Verteidiger William, hat bis heute keine Probleme damit, zuzugeben: "Wenn ich damals auf der Tribüne gesessen hätte, hätte ich auch applaudiert. Was wäre der Fußball ohne solche Tore?"

Williams damaliger Abwehrkollege Bellido glaubt, eine Erklärung für die Unfähigkeit seiner Kameraden, Ronaldo zu stoppen, parat zu haben: "Irgendwie dachten alle von uns, dass der nächste ihn schon stoppen würde. Doch am Ende schaffte es keiner."

Dabei waren sie teilweise schon dicht genug dran, um den Brasilianer zu Fall zu bringen. Schiri Victor Esquinas Torres erinnert sich: "Ich ließ die Szene einfach laufen, aber ein paar Mal hatte ich die Pfeife schon im Mund."

Für Ronaldos rumänischen Teamkollegen Gheorghe Popescu war es "zusammen mit Maradonas Treffer gegen England das beste Tor, das ich je in meinem Leben gesehen habe".

Ronaldos englischer Trainer Bobby Robson hatte zunächst gar keine Worte mehr für das, was er da gerade gesehen hatte, sondern fasste sich neben der Ersatzbank nur noch ungläubig an den Kopf.

"Am Ende hatte ich endlich genug Platz, um zu schießen!"

Und wie beschreibt der Hauptdarsteller seinen Wahnsinnstreffer? "Ich bekam im Mittelfeld den Ball. Ich spürte, wie ich festgehalten und an mir gezerrt wurde, konnte mich aber behaupten. Ich sah, wie die gesamte gegnerische Verteidigung auf mich zustürmte. Am Ende, nach einer weiteren Finte, hatte ich endlich genug Platz, um zu schießen."

Doch was nützen die besten Beschreibungen, wenn man es nicht selbst gesehen hat? Deshalb hier noch mal für alle, die bisher noch nicht die Gelegenheit dazu hatten oder den Treffer einfach nur mal wieder sehen wollen:

Übrigens: wenn es nach Compostelas damaligem Vereinspräsidenten Jose María Caneda gegangen wäre, wäre diese "Scheiße" (O-Ton) nie passiert: "Ich hätte ihn mit dem Ellbogen gerammt, und dann weiß ich nicht, ob er an mir vorbeigekommen wäre."

Zum Glück für die Fußball-Welt saß Caneda nur auf der Tribüne. Applaudiert hat er aber trotzdem nicht.

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