Real Madrid

Reals Wunderheilung: Erst "sehr schlechte Situation", dann Mbappe-Angebot

Yannik Möller
Real-Präsident Florentino Perez klagte über die finanzielle Lage
Real-Präsident Florentino Perez klagte über die finanzielle Lage / Soccrates Images/Getty Images
facebooktwitterreddit

Satte 160 Millionen Euro soll Real Madrid für einen vorzeitigen Transfer von Kylian Mbappe geboten haben. Eine kleine Sensation, glaubt man den über die letzten Monate geäußerten Worten von Präsident Florentino Perez. Immerhin sprach dieser aus finanzieller Sicht von einer "sehr schlechten Situation", aus der nur die umstrittene Super League die Königlichen retten könne.


Real Madrid möchte Kylian Mbappe künftig zu den eigenen Spielern zählen. Das ist längst keine Neuigkeit mehr. Schon über eine geraume Zeit werden die beiden Parteien miteinander in Verbindung gebracht. Genährt durch die Weigerung des Weltklasse-Stürmers, bei Paris Saint-Germain einen neuen Vertrag zu unterschreiben.

Alles schien auf einen ablösefreien Wechsel im nächsten Sommer hinauszulaufen. Dann endet bekanntlich das Arbeitspapier bei PSG und Mbappe könnte sich den Königlichen deutlich einfacher anschließen. Ein Szenario, das schon fast wie in Stein gemeißelt schien.

Am Dienstagabend wurde jedoch übereinstimmend berichtet, Madrid habe ein 160 Millionen Euro schweres Angebot für Mbappe abgegeben. Damit war klar: die Spanier wollen einen sofortigen Transfer forcieren. Inzwischen soll es zwar abgelehnt worden sein, doch es ist durchaus möglich bzw. sogar wahrscheinlich, dass es nochmal etwas aufgebessert wird.

In Madrid scheint es also zu einer kleinen Wunderheilung gekommen zu sein. Wir erinnern uns an die Worte von Klub-Präsident Florentino Perez im Bezug auf seine Vision der Super League. Wegen des Scheitern vor einigen Monaten beklagte er (via SZ): "Die Reichen verlieren jetzt eine Menge Geld."

Florentino Perez
Florentino Perez betonte die finanzielle Notwendigkeit einer Super League / Jonathan Moscrop/Getty Images

Außerdem sei diese Liga ein absolut notwendiges Rettungsprogramm: "Viele wichtige Vereine in Spanien, Italien und Großbritannien möchten eine Lösung für eine sehr schlechte finanzielle Situation finden. Hier bei Real Madrid haben wir viel Geld verloren."

An drastischen Worten sparte er nicht. "Wir haben eine sehr schlechte Situation. Wenn es keinen Gewinn gibt, besteht die einzige Möglichkeit darin, unter der Woche wettbewerbsfähigere Spiele zu spielen", betonte er.

Es sei eine "sehr schlechte Situation", in der sich Madrid finanziell befinde. Und das ohne Rettung in Aussicht.

Wenige Monate später bietet man 160 Millionen Euro für einen Spieler, der vermutlich in zwölf Monaten ablösefrei ohnehin zum Klub wechseln würde. Für einen Spieler, der keinerlei Anstalten macht, seinen aktuellen Vertrag zu verlängern. Dabei soll er bereits mehrere Angebote der Pariser abgelehnt haben.

Trotz größerer Transfereinnahmen: Wunderheilung bei Real oder Perez'sche Trugbilder zur Super League

Natürlich muss man auch auf die Einnahmeseite schauen, um ein komplettes Bild zu bekommen. Für Martin Ödegaard hat man 35 Millionen Euro bekommen. Weitere 40 Millionen Euro wurden für Raphael Varane überwiesen. Dazu hat man mit Sergio Ramos den absoluten Großverdiener verloren.

Nicht zu vergessen ist auch der letzte Sommer. Dort hatte Madrid keine neuen Investitionen in Spieler getätigt, gleichzeitig aber Akteure wie Achraf Hakimi oder Sergio Reguilon verkauft.

Und trotzdem sind die Worte Perez' im Bezug auf das Mbappe-Angebot dadurch nicht aufzuwiegen. Seine drastische Beschreibung, Real könne ohne die Super League oder eine andere derartige Finanzspritze eklatante Probleme bekommen, sind gerade einmal ein paar Monate her. Sie fielen also zu einem Zeitpunkt, an dem die Transferbilanz der Saison 2020/21 längst inbegriffen war.

Kylian Mbappe
Real möchte Kylian Mbappe schon jetzt verpflichten / John Berry/Getty Images

Dazu dürften auch die Ödegaard-, Varane- und Ramos-Millionen längst nicht ausreichen, um eine "sehr schlechte Situation" zu kitten. Definitiv nicht bis zu einem Punkt, an dem man 160 Millionen Euro für Mbappe bieten kann. Und das unter den Umständen, dass man ihn voraussichtlich auch ablösefrei bekommen kann. Der Preis dafür: zwölf Monate Geduld.

Dementsprechend scheint die von Perez mehrmals betonte "kritische Phase" wohl sehr gut überstanden worden zu sein. Durch welche wundersamen Fügungen auch immer. Eine finanzielle Wunderheilung. Und dafür haben Einnahmen und Einsparungen von (effektiv) drei Spielern gereicht.

Alternativ könnte man davon ausgehen, dass Perez im Frühjahr dieses Jahres stark übertrieben hat. Entweder bei der Einordnung der Finanzkraft seines Vereins, oder bei der als "Super League" betitelten ach so edlen Rettungsaktion. Womöglich auch bei beidem. Welcher Variante man dahingehend glaube mag, ist wohl jedem selbst überlassen.

facebooktwitterreddit