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Schiri-Entscheidungen im Real-Spiel sorgen bei Barça für Diskussionen

Quique Setien, Zinedine Zidane
Setién und Zidane sind nun punktgleich an der Spitze | Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images

Ob es am mediterranen Temperament der Beteiligten liegt oder an der fast schon todernsten Rivalität zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona - auf jeden Fall sorgen alljährlich Schiedsrichterentscheidungen in der Primera División für teils wochenlange Streitereien unter diesen beiden Klubs. Die vergangene Woche steht dafür fast schon exemplarisch.

Piqué mit angedeuteten Verschwörungstheorien

Erster Stein des Anstoßes war ein nicht gegebenes Tor des FC Valencia bei der 0:3-Niederlage der Chés im Estadio Alfredo di Stéfano am vergangenen Donnerstagabend. Dem vermeintlichen Führungstor der Gäste durch Rodrigo Moreno verwehrte der VAR nach minutenlangem Studium der Fernsehbilder am Ende die Anerkennung. Was wiederum Barcelonas Gerard Piqué zu der bissigen Formulierung veranlasste, dass es so, "unter den aktuellen Bedingungen schwierig" werde, die Meisterschaft noch zu gewinnen.

Angesichts von noch 24 zu vergebenen Punkten wirken Piqués Äußerungen geradezu lächerlich

Das ist schon ein wenig arg schwarz gemalt. Zumal beide Teams momentan punktgleich an der Spitze stehen (Real hat den direkten Vergleich gewonnen und ist deshalb vor Barça Tabellenführer) und noch acht Spiele zu bestreiten sind. Macht 24 Punkte, die noch zu vergeben sind. Bereits jetzt die Schuld auf die Unparteiischen abschieben, wenn es womöglich in acht Wochen nicht zum Titel reichen sollte, ist alles andere als souverän. Und einfach nur schlechter Stil. Fairplay? Wird zwischen diesen beiden Klubs nur in homöopathischen Dosen ausgetauscht.

Und Piqués angedeutete Verschwörungstheorien dürften sich seit letztem Wochenende wohl noch verstärken. Denn am gestrigen Sonntagabend sah sich die Real Sociedad aus San Sebastián in ihrem Spiel gegen die Königlichen um die Früchte ihrer Arbeit gebracht. Ein aus ihrer Sicht fragwürdiger Elfmeter an Vinicius Jr und ein wegen einer Abseitsstellung nicht gegebenes eigenes Tor seien, so ein klubinterner Bericht, am Ende maßgeblich für die Niederlage verantwortlich gewesen.

Zarte Kritik Setiéns an Piqués Äußerungen

Piqués Trainer Quique Setién wiederum bemühte sich, nicht noch mehr Feuer ins Öl zu gießen. Unterließ es aber gleichzeitig auch, die Debatte von der Wurzel her zu beenden - und womöglich auch auf eigene Bevorteilungen seitens der Referees in der Vergangenheit hinzuweisen. Wie sagt schon die alte Fußballer-Weisheit: über eine ganze Saison gleichen sich bestimmte Ungerechtigkeiten aus. Konkret auf die Vorkommnisse während des Spiels des Titelrivalen im Baskenland, sagte Setién: "Es gibt Dinge, die wir nicht beeinflussen können und die nicht von uns abhängen. Wir müssen unsere Spiele gewinnen. Über das Spiel gestern (in San Sebastián, die Red.) kann ich nur sagen, dass alle Welt gesehen hat, was passiert ist. Da wird ein jeder sein eigenes Urteil drüber fällen."

Seinen Abwehrchef nahm der Coach zwar auch in Schutz, deutete dann aber die Fragwürdigkeit dessen Kommentars zumindest leise an : "Piqué schien mir schon immer, nicht erst jetzt, eine intelligente Person zu sein. Ich will da gar nicht spekulieren, sondern höre nur Worte. Und denen entnehme ich einen gewissen Frust über verloren gegangene Punkte (Barça spielte beim Tabellendritten FC Sevilla 0:0, die Red) und über einen Gegner, der kaum Fehler macht. Da kann es schon mal vorkommen, dass man einen Kommentar nicht in die richtigen Bahnen lenkt."

Am Ende schimmerte also doch, ganz zart und gut verpackt, ein wenig Kritik des Trainers an den Auslassungen Piqués durch. Vom Cheftrainer eines der wichtigsten und mächtigsten Klubs im Weltfußball darf man das allerdings auch erwarten.