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RB Leipzig nach dem Re-Start: Dieses Jahr noch nicht titelreif!

RB am Scheideweg: Wann kann Nageslmann die ersehnten Titel angreifen?
RB am Scheideweg: Wann kann Nageslmann die ersehnten Titel angreifen? | Alexander Hassenstein/Getty Images

RB Leipzig ist mit zwei Unentschieden aus drei Spielen in den Re-Start der Bundesliga gestartet und findet sich in der Tabelle inzwischen ganze neun Punkte hinter dem Spitzenreiter FC Bayern auf Platz drei wieder. Und so muss man in Sachsen feststellen: Titel sollen und müssen irgendwann gewonnen werden, doch noch nicht dieses Jahr.

In Leipzig gibt man sich trotz der finanziell äußerst vorteilhaften und privilegierten Lage stets bescheiden. Bereits im Januar sah sich Sportdirektor Markus Krösche gezwungen, auf die Euphoriebremse zu treten und den Kampf um den Titel erst einmal hintanzustellen, um selbigen den Bayern und dem BVB ausfechten zu lassen.

Damals stand man nach 19 gespielten Partien auf Platz eins der Bundesliga-Tabelle, die Herbstmeisterschaft war bereits eingeheimst. Und damals hätte man Krösche dessen Statement zur Saisonausrichtung beinahe auch noch abgekauft, wäre es nicht der RB Leipzig gewesen von dem dort gesprochen wird.

Leipzig muss sich wieder hinten anstellen

Neun Spieltage und zwei Monate Corona-Pause später, sieht die Welt in Leipzig erneut etwas anders aus. Mittlerweile ist genau das eingetroffen, was Krösche mehr oder weniger prophezeit hatte: Leipzig reiht sich hinter Bayern und Dortmund auf Platz drei in der Tabelle ein und kann sich, sollten die Bayern, die erst jüngst den deutschen Classico gegen den BVB mit 1:0 für sich entscheiden konnten, ihre Form halten, vom Titelrennen verabschieden.

Was inzwischen auch klar geworden ist: Leipzig ist in dieser Saison tatsächlich noch nicht bereit. Zwei Unentschieden aus den ersten drei Post-Corona-Partien zeigen, dass man für das Meisterschaftsrennen noch nicht genügend Kaltschnäuzigkeit mitbringt. Gegen Freiburg und Hertha BSC, die zugegebenermaßen im Augenblick spielen, als hätten sie vergessen, dass sie vor dem Re-Start noch die Alte Dame aus Berlin waren, muss eben gewonnen werden, will man ganz oben mitspielen. Ebenfalls deutlich geworden ist, dass man entgegen aller Beteuerungen, man wolle erst angreifen, wenn man bereit dazu ist, dies gerne schon gewesen wäre. Und anschließend daran knüpft sich die Frage, ob und vor allem wann dies in den nächsten Jahren der Fall sein wird.

Denn: Gerade in dieser Saison haben einige Akteure bei RB nochmal einen großen Leistungssprung gemacht. Allen voran Timo Werner spielt eine Bomben-Saison und könnte nächstes Jahr in England kicken. Marcel Sabitzer, dessen Entwicklung vielleicht sogar noch beeindruckender ist als die Werners, weil weniger erwartbar, hat sich ebenfalls in Europa begehrt gemacht und wurde bereits mit Barcelona in Verbindung gebracht. Dazu gesellen sich noch weitere Stammkräfte wie Dayot Upamecano und Ibrahima Konaté, die ebenfalls schon mit einem Abgang in Verbindung gebracht wurden bzw. speziell im Falle Upamecanos sogar mit einer möglichen Rekordablösesumme.

Den Roten Bullen droht also ein Ausverkauf, den man auf die Schnelle wohl nicht so einfach zu kompensieren wüsste. Zwar ist abgesehen von Werner bei noch keinem der genannten konkret ein Verkauf vorgesehen oder gar ein Wechsel in Aussicht, doch erstens werden Europas Spitzenklubs mit ihren Angeboten nicht mehr lange auf sich warten lassen, und zweitens würde in der kommenden Saison nur durch Werners Wechsel bereits der Toptorschütze des Teams fehlen. Rechnet man dazu noch dessen Vorlagen, ist der 24-Jährige an fast der Hälfte aller Leipziger Treffer beteiligt.

Droht die Stagnation?

Die Sachsen könnten in ihrer Entwicklung dementsprechend um Jahre zurückgeworfen werden. Ein Problem, das verdeutlicht, dass sich der Verein derzeit am Scheideweg befindet. Es droht die Stagnation. Denn auch wenn man bislang gerne kleine Brötchen gebacken hat, ist klar, dass man eines Tages, und allzu lang soll es eben auch nicht mehr dauern, zumindest in der Bundesliga um den Titel mitspielen will. Das ist zum einen der Anspruch des Investors und zum anderen auch der des Trainers, der vor nicht allzu langer Zeit seinen Ehrgeiz mit dem eines gewissen Michael Jordan verglich, was ohne weitere Nachfragen bedeutet: Es müssen Titel her. Sollte Nagelsmann in der kommenden Spielzeit das Gefühl haben, dass man sich von der Meisterschaft eventuell sogar noch entfernt hat, ist auch dessen Verbleib in Leipzig nicht sicher.

Und auch den Fans kann man in der nächsten Spielzeit und spätestens in der darauffolgenden Saison nicht mehr mit Bescheidenheits-Beteuerungen daherkommen und auf Zeit spielen. Will man sich langfristig in der Bundesliga als Top-Drei-Mannschaft etablieren und auch in der Champions League erfolgreich sein, muss man zum einen näher ran an die großen Zwei, und zum anderen zu einer Marke und Adresse werden, die es schafft seine Leistungsträger zu halten.

In diesem Jahr hat man noch Zeit sich über die kommenden Spielzeiten Gedanken zu machen und kann in zumindest halbwegs sicherem Fahrwasser die erneute Champions League-Qualifikation klarmachen. Die folgende Saison wird dann schon eher darüber entscheiden, wann man in Leipzig tatsächlich endgültig bereit ist, den Schritt zum Spitzenklub zu gehen.