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Raffael verlässt Gladbach: Danke für sieben unvergessliche Jahre!

Raffael scheiterte gestern einige Male an Dannis Smarsch
Raffael scheiterte gestern einige Male an Dannis Smarsch


Nach sieben Jahren verlässt Raffael Borussia Mönchengladbach mit Ablauf dieser Saison. Es waren sieben unvergessliche Jahre eines großartigen Spielers und Menschen. Ein paar Worte an den vielleicht besten Gladbacher Spieler des vergangenen Jahrzehnts, die nicht wiedergeben können, wie besonders Raffael war.

Diese Brasilianer mit ihren Künstlernamen - wie soll man die denn bei der Startaufstellung vernünftigen vorstellen? Es gibt schließlich keinen Vornamen, den dann der Stadionsprecher sagt und keinen Nachnamen, den dann die Fans grölen. Es gibt nur einem Namen. Sowas wie Raffael. Aber das stimmt nicht, da steckt noch viel mehr dahinter. Und das weiß jeder Gladbach-Fan.

Raffael ist ein wahnsinniger Fußballer und ein noch besserer Mensch. Ersteres konnte ein jeder jahrelang Woche für Woche bewundern, letzteres betonen Weggefährten immer wieder. Nicht umsonst hat der nach außen stille Brasilianer im Team von Borussia Mönchengladbach den Spitznamen "Papi".

Es zeigt sich aber auch in den Aktionen: Er wechselte gleich drei Mal zu Trainer Lucien Favre, weil er sich mit ihm gut verstand und unter ihm seine besten Leistungen zeigte. Er blieb, als die Hertha 2010 aus der Bundesliga abstieg, um sie wieder nach oben zu schießen (was ihm gelang) und er blieb auch in Mönchengladbach, als er einer der besten Spieler der Bundesliga war und sicher auch woanders hätte spielen können.

Doch am Niederrhein fühlt sich Raffael wohl, er wäre auch gerne weiter geblieben. Nach sieben Jahren endet aber seine Zeit bei der Borussia, sportlich bringt es beide Seiten wohl einfach nicht mehr weiter. Es ist schade, doch es ist verständlich. Was bleiben, sind sieben unvergessliche Jahre mit unglaublichen Spielen.

Als Raffael 2013 zur Borussia kam, erwartete man einen technisch starken und torgefährlichen Brasilianer, doch wie gut er dann tatsächlich war, hatte wohl kaum einer auf dem Schirm. Lucien Favre vielleicht. Raffael verzückte alle mit seiner überragenden Technik und seinen unglaublichen Dribblings, erzielte viele Tore und gab ebenso viele Assists.


Besonders in Erinnerung geblieben ist ein Spiel in der Campions League gegen den FC Barcelona im September 2016. Aber nicht, weil Julian Korb das Spiel seines Lebens machte und Neymar zu Tode nervte, oder weil Marc-Andre ter Stegen erstmals zurückkehrte, nein, wegen Raffael; obwohl der nur 48 Minuten spielte. Was er in der ersten Halbzeit mit der Defensive der Katalanen anstellte, war phänomenal, teilweise beschäftigte er drei, vier Spieler gleichzeitig - und dribbelte sie alle aus. Völlig verdient führten die Fohlen zur Pause 1:0. Kurz nach Wiederbeginn musste Raffael dann aber verletzt raus, Barca machte Barca-Sachen und gewann noch. Trotzdem ein unvergesslicher Auftritt.

Und solche Auftritte gab es viele. Man kann sicher einige Argumente dafür finden, dass Raffael der beste Gladbacher Spieler des vergangenen Jahrzehnts gewesen ist. Das Herz und die Seele der Offensive über viele Jahre war er aber ganz sicher; wenn Raffael mal fehlte, dann fehlte der Borussia ihr wichtigster Spieler für die offensive, lange Zeit sogar überhaupt.


In seinem letzten Spiel am Samstag, gegen die Hertha, zeigte es sich auch noch einmal deutlich: Mit Standing Ovations wurde Raffael eingewechselt und als er plötzlich frei vor dem Tor auftauchte, schwoll die Geräuschkulisse auch ohne Fans merklich an; leider ohne Happy-End, weil Dennis Smarsch in seinem Startelf-Debüt im Berliner Tor natürlich keine Geschenke verteilte. Trotzdem war es noch einmal ein schöner Moment, "Papi" ein letztes Mal auf dem Rasen zu sehen.


Er will seine Karriere fortsetzen, irgendwo. Es ist ihm zu gönnen, dass er dann fit bleibt und nochmal ein oder zwei gute Jahre als Profikicker durchlebt. Vielleicht schaut sich der Stadionsprecher dann ab, was Torsten Knippertz im Borussia-Park stets gerufen hat: "Cateano de Araujo". Denn das ist sein voller Name, natürlich in Verbindung mit "Raffael", was dann die Fans aus voller Inbrunst riefen.

Und so bleibt nur noch, sich zu bedanken: Für sieben wunderbare Jahre und einige unvergessliche Momente, für einen großartigen Fußballer und Menschen. Danke, Raffael!