Piqué mit deutlichen Worten Richtung Barca-Klubführung: "Das ist eine Schweinerei!"

Legte noch einmal verbal nach gegen seinen Klub-Präsidenten: Barça-Kapitän Gerard Piqué
Legte noch einmal verbal nach gegen seinen Klub-Präsidenten: Barça-Kapitän Gerard Piqué / Quality Sport Images/Getty Images
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Wer geglaubt hat, dass mit der Vertragsverlängerung von Gerard Piqué, einem der Lautsprecher der Mannschaft, nun alles chico sei beim FC Barcelona, sieht sich spätestens nach den jüngsten Aussagen des 33-Jährigen eines Besseren belehrt. Denn abermals teilte der Verteidiger mächtig gegen Klubpräsident Bartomeu aus.

Neues wurde dabei zwar nicht zu Tage gefördert. Aber alte, noch nicht vernarbte Wunden neu aufgerissen - wie die durch den Bartomeu-Gate geschlagenen. Angeblich soll die Führungsspitze des Klubs Geld (und nicht zu knapp!) dafür ausgegeben haben, die schwierigen Charaktere innerhalb der Mannschaft (also die, die auch mal den Mund aufmachen) in den sozialen Netzwerken zu diffamieren und schlecht dastehen zu lassen.

Pique: "Das ist eine Schweinerei!"

"Ich, als Spieler des Klubs, ", so Piqué in einem Interview gegenüber der La Vanguardia, "sehe, wie mein Klub Geld, das er jetzt von uns wiederhaben will, ausgegeben hat, um uns zu kritisieren. Und zwar nicht nur Außenstehende mit einer historischen Beziehung zum Verein, sondern aktive Spieler. Und das ist eine Schweinerei!"

Daraufhin habe er Bartomeu direkt darauf angesprochen. "Und er sagte mir: ´Gerard, davon wusste ich nichts!´Und ich glaubte ihm. Und dann siehst du, ein paar Wochen später, dass die Person, die das ganze angezettelt hat, immer noch im Klub ist. Das schmerzt mich sehr."

Das Messi-Theater

Natürlich konnte auch das tagelange Theater um einen möglichen Abgang Lionel Messis nicht fehlen in Piqués Abrechnung. "Ich als Präsident hätte anders gehandelt. Mit Messi selbst hatte ich in jenen Tagen nicht so viel Kontakt, weil ich dachte, dass es sich um eine sehr persönliche Angelegenheit handelte. Ich entsinne mich nur eines Rates, den ich ihm gab: ´Leo, halt durch. Es ist nur ein Jahr, und dann kommen neue Leute!´"

Sein Wechsel-Theater im Sommer hielt den Klub mächtig auf Trab: Lionel Messi
Sein Wechsel-Theater im Sommer hielt den Klub mächtig auf Trab: Lionel Messi / DeFodi Images/Getty Images

Wie es überhaupt zu dem Zerwürfnis zwischen Superstar und Klub kommen konnte, ist Piqué, einem der vier Mannschaftskapitäne, immer noch unerklärlich. "Wie kann es sein", fragt er sich, "dass der beste Fußballer der Geschichte, den zu bewundern wir das Riesenglück hatten, eines Morgens aufwacht und ein Burofax an den Klub schickt, weil er das Gefühl hat, nicht gehört zu werden? Das ist so derart schockierend. Messi verdient alles, was man ihm geben kann. Das neue Stadion müsste seinen Namen tragen, und dann den des Sponsoren. Mir müssen unsere Legenden schützen und nicht demontieren. Das nervt mich ungemein."

Desweiteren kommentierte der Weltmeister von 2010, dass er es komisch finde, dass ehemalige Klub-Legenden wie Xavi, Guardiola, Puyol oder Valdés nicht im Klub beschäftigt sind. "Irgendwas wird in diesem Klub nicht gut gemacht. Diese Leute muss man für immer binden. Sie sind Teil der Geschichte dieses Vereins, sie haben ihn groß gemacht. Sie müssten mit von der Partie sein."

Piqué über Gehaltskürzungen

Auch das in diesen Corona-Zeiten nicht nur in Barcelona vielkommentierte Thema der freiwilligen Gehaltskürzung wurde von Piqué angesprochen. "Als Kapitän vertrete ich die Interessen der Mannschaft und unterschreibe sie. Wir sind ein vereinter Kader. Aber dann gibt es die, die davon sprechen, dass es Zerwürfnisse innerhalb der Mannschaft gebe und so weiter. Das taten sie, als viele Spieler mit ihren Nationalmannschaften unterwegs waren. Sie schmissen uns einfach alle in den gleichen Sack. Jeder Spieler ist persönlich frei genug, den Vorschlag der Klubführung freiwillig zu akzeptieren. Eine andere Sache ist es jedoch, wenn dich der Klub unilateral und mit den Formen, wie er es getan hat, dazu zwingen will."

Über seine Vertragsverlängerung verlor Piqué auch noch einige Worte. "Der Klub sagt mir, und einigen anderen Spielern, dass er aufgrund der Pandemie wirtschaftlich stark zu leiden hat. Und in einem solchen Kontext steht Barça über allem anderen. Barça hat mir alles gegeben, und so bin ich auch bereit, meinen Teil zu leisten. Sie sagen, dass ich all das Geld, auf das ich jetzt verzichten muss, mir in Zukunft ausgezahlt wird. Also schauen wir auf die Zahlen, und ich schlage einen Betrag vor."

Die Entlassung Valverdes

Musste als Tabellenführer seinen Hut nehmen: Ernesto Valverde
Musste als Tabellenführer seinen Hut nehmen: Ernesto Valverde / GIUSEPPE CACACE/Getty Images

Rein sportlich konnte Piqué die Entlassung von Ernesto Valverde im Januar nicht nachvollziehen. "Wir werden nie wissen, was genau passiert ist. Aber mir persönlich erschien es, nach zwei gewonnenen Meistertiteln und als Tabellenführer, nicht logisch, mitten in der Saison den Trainer zu entlassen. Und dann kommt der Klub, versammelt uns und stellt uns vor die vermeintliche Wahl, die Entlassung zu befürworten oder nicht. Und wir sagen: ´Das ist eure Angelegenheit!´"

Das 2:8 gegen die Bayern

Ganz zum Schluss verlor Piqué auch noch ein paar Worte über das erdrutschartige 2:8 im Champions League-Viertelfinale gegen die Bayern. "Wenn du auf diese Weise gegen Bayern verlierst, dann liegt es daran, dass du deine Routine irgendwie vernachlässigt hast. So was passiert nicht von einem Tag auf den anderen. Mit diesem 2:8 sind wir auf den Boden gekommen, und wir alle mussten die Reset-Taste drücken, um zu sehen, was für den Klub am besten wäre. Und zwar aus der Bescheidenheit heraus, beim Rudern und sich darüber im Klaren seiend, dass niemand unverzichtbar ist."