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Owen und Fabregas diskutieren: Werden Vorlagen heutzutage überbewertet?

Yannik Möller
Cesc Fabregas äußert sich bei Twitter häufig zu taktischen Themen
Cesc Fabregas äußert sich bei Twitter häufig zu taktischen Themen / Xavier Laine/Getty Images
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Aktuell werden Vorlagen im Fußball überbewertet, indem sie mit Toren gleichgestellt werden - obwohl diese viel schwieriger sind. Das ist die Meinung von Michael Owen, der ehemaligen Stürmer-Ikone Englands. Positionsgetreu dagegen hält Cesc Fabregas, der die Gegenposition einnimmt. Ein Austausch über Twitter.


Ungewöhnlich, aber ebenso erfrischend häufig und offen äußert sich Cesc Fabregas auf seinem Twitter-Account über das tägliche Geschehen im Fußball. Ob es Lob für andere Spieler ist, Austausch über laufende Spiele oder auch taktische Aspekte.

Owen und Fabregas debattieren über Wertung von Vorlagen und Toren

Am Dienstagabend nahm er Stellung zu einer Meinung eines anderen Twitter-Nutzers: Michael Owen. Ja, der Michael Owen. Der englische Stürmer, der alleine für den FC Liverpool in 297 Pflichtspielen auf dem Platz stand und in diesen ganze 158 Tore erzielen konnte. Owen meint nämlich: Vorlagen werden heutzutage überschätzt, da sie mit Toren als erbrachte Leistung nahezu gleichgesetzt werden.

"Buchstäblich eines von zehn Toren entsteht primär durch den Assist. Aber ein Spieler, der einem Mitspieler den Ball über fünf Meter passt, bevor dieser einen Kracher über 30 Yards in den Winkel schießt, kriegt genauso viel Beachtung", schrieb der heute 41-Jährige.

Danach ergänzte er: "Mein Punkt ist, dass es viel schwieriger ist ein Tor zu erzielen als es vorzubereiten. Und dass wir diese beiden Aktionen dennoch als gleichwertig betrachten - was Schwachsinn ist."

Fabregas, der noch immer in Monaco unter Vertrag steht und dort regelmäßig eingewechselt wird, entgegnete: "Da kann ich nicht ganz zustimmen, Michael. Eine Chance zu kreieren und sie vorzubereiten kann teilweise doppelt so kompliziert sein, wie das Tor zu machen oder einen Lauf zu starten. Unterschätze nicht die kurze Zeit und den kleinen Raum, den wir im Mittelfeld für Entscheidungen haben, um euch [Stürmer] zu unterstützen - inklusive der Kreativität und Vorstellungskraft, die nötig sind, um euch zu finden."

Auf diese Antwort reagierte Owen, ebenso respektvoll aber meinungsstark. Er schrieb: "Natürlich wird es viele Beispiele geben um beide Seiten zu unterstützen, Cesc. Und es ist ja keine Überraschung, auf welcher Seite wir jeweils stehen! [...] Wir werden bald Matchbälle für Spieler vergeben, die drei Assists in einem Spiel gemacht haben..."

Tatsächlich ist diese Diskussion ein gar nicht zu seltenes Thema rund um den Fußball. Faktoren, die benutzt werden, um Spieler zu bewerten, werden von vielen Fans und Experten anders ausgelegt. Der eine findet Tore wichtiger, der andere Vorlagen - auch je nach Position. Manch einer guckt auf die jeweiligen Szenen, andere werten Heatmaps, Laufwege und -werte aus.

Wie Owen sagte: Dass er als Stürmer die eine und Fabregas als Mittelfeldspieler die andere Meinung zu diesem Punkt vertritt, ist keine Überraschung. Sie haben jeweils erlebt, wie schwierig ihre Aufgabe auf dem Feld sein kann. Während ein einfacher Pass eine wichtige Vorbereitung sein kann, kann ein sehr leicht erzieltes Tor auch von großer Bedeutung sein.

Jeder Fußballfan, Fußballspieler oder Fußballexperte hat diesbezüglich eine andere Ansicht. Ein gutes Beispiel ist Jadon Sancho. In der Regel macht er in einer Saison ungefähr ebenso viele Tore wie Assists. Was ist wichtiger, oder besser gefragt: Was sollte wie gewichtet werden? Die Meinungen gehen auseinander. Erneut ein Punkt Owens, der auch auf Fabregas zutreffen wird: "Ich bleibe bei meiner Meinung."

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