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1. FC Nürnberg

Nürnbergs neuer Jugend-Trainer: Teil des Rassismus-Skandal beim FC Bayern!

Yannik Möller
Apr 30, 2021, 8:29 PM GMT+2
Der 1. FC Nürnberg steht wegen des Jugendtrainers in der Kritik
Der 1. FC Nürnberg steht wegen des Jugendtrainers in der Kritik | ANDREAS GEBERT/Getty Images
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Mit Maximilian Knauer hat der 1. FC Nürnberg einen neuen Trainer für die U17 des Vereins gefunden und eingestellt. Eine sehr wichtige und nicht zu unterschätzende Aufgabe, die mit dieser Einstellung aber einen enorm faden Beigeschmack hat: Knauer flog in Folge des Rassismus-Skandals aus der Jugendabteilung von Bayern München.

Der 1. FC Nürnberg hat einen neuen Trainer für die U17-Mannschaft gefunden. Es ist Maximilian Knauer, der mit einer Vita in den Verein kommt, bei der auch die Jugendarbeit des FC Bayern eine große Rolle gespielt hat. Sechs Jahre war er dort tätig, bis zum Oktober 2020. Das spricht für seine fachliche Kompetenz im Fußball, mag man sagen.

Das mag auch richtig sein, sonst wäre er wohl nicht in München gewesen. Dass er dort war, ist aber aus einem ganz anderen Grund so wichtig: Dass er den Nachwuchs des FCB so plötzlich und mitten in der Saison verlassen musste, hatte einen Hintergrund. Und zwar den Rassismus-Skandal, damals aufgedeckt vom WDR-Magazin "Sport Inside".

Knauer in Rassismus-Skandal verwickelt - FCN-Sportchef Hecking spricht von "unbedachtem Fehlverhalten"

Knauer war in diesen Skandal verwickelt. Er war beispielsweise Mitglied in einer Whatsapp-Gruppe, in der nicht nur einmal Begriffe wie "Drecks-Türke", "Kanake" oder "Kameltreiber" fielen (via Bild). Das N-Wort war dort ebenso präsent wie sämtliche rassistische Vorurteile, wie dass Tunesier "auch alle stinken" würden. Eine fürchterliche Umgebung, gegen die offenbar keiner der Chat-Teilnehmer etwas einzuwenden hatte.

Es blieb aber nicht beim stillen Mitlesen. Ein Bild, das den Transport von Menschen (mit dem N-Wort belegt) zeigt und wie auch immer lustig gemeint sein sollte, kommentierte er mit sieben lachenden Emojis. Vorzeitig musste Knauers Vorgesetzter gehen, weitere Ermittlungen wurden aufgenommen. Später musste der Jugendtrainer selbst sowie ein Kollege gehen, andere wurden abgemahnt. Was wiederum erneut für eine tiefere Beteiligung in derartigen Chats, Unterhaltungen und Ansichten spricht.

Nürnberg scheint das kaum etwas auszumachen. Knauer soll U17-Trainer werden und bleiben. Dieter Hecking erklärte diese Entscheidung gegenüber der Bild: "Es gibt Werte beim FCN, für die wir einstehen. Es war ein unbedachtes Fehlverhalten von Max. Wir haben im Vorfeld Kontakt zu Bayern München gesucht, um uns abzusichern. Nach diesen Gesprächen sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass wir ihm eine Chance geben wollen. Sollte eine rechtlich belastbare Entwicklung eintreten, würden wir die Situation aufs Neue kritisch bewerten."

Der Trainer selbst spricht von einer "absolut bedauernswerten" Tat vor einigen Monaten. Die Nutzung dieser Emojis sei "unachtsam und naiv" gewesen, doch "zu keinem Zeitpunkt war das Ganze von einem rassistischen Gedanken getragen".

Sowohl bei Eltern mancher Spieler der entsprechenden Mannschaft, als auch intern soll seine Einstellung für viel Diskussionsstoff gesorgt haben - nicht verwunderlich, bei dieser sogar noch kurzfristigen Historie. Eine Abkehr von dieser Personalentscheidung scheint es aber, zum jetzigen Stand, nicht zu geben.

"Jeder, der rassistische Scheiße toleriert, hat in unserem Verein nichts zu suchen." - Kommentar

Ein Mann, der rassistische Begriffe, Vorurteile, Erzählungen und Bilder nicht nur regelmäßig toleriert, akzeptiert und gedeckt hat, sondern sie selbst auch noch selbst befeuert hat, der begeht kein "unbedachtes Fehlverhalten", wie Hecking es formuliert. Derjenige verhält sich eindeutig und ganz klar rassistisch, und nichts anderes. Was, wenn nicht das Verwenden, Tolerieren und Anfeuern derartiger Begriffe, ist ganz klar rassistisch?

Mit der Einstellung Knauers entscheidet sich Nürnberg dazu, das fachliche Wissen so hoch zu werten, dass eine solche Geschichte - die zudem erst etwas mehr als ein halbes Jahr geahndet werden musste - an Bedeutung verliert. Und das ist einfach nur im hohen Maße zu kritisieren. Und zwar völlig ungeachtet dessen, welchen sportlichen Vorteil dieser Trainer mitbringen könnte.

Die Situation würde "aufs Neue kritisch" bewertet werden, "sollte eine rechtlich belastbare Entwicklung eintreten", erklärte Hecking ebenfalls. Soll das etwa bedeuten, dass es erst zu Maßnahmen kommen würde, wenn sich Knauer erneut glasklar rassistisch äußert? Dass nur gehandelt werden würde, wenn sich aus dem FCB-Fall noch neue Informationen ziehen lassen, was nicht der Fall sein wird?

Dem Verein aufgrund dieser Entscheidung grundsätzlich ein Rassismus-Problem zuzuschieben, das ist wohl etwas hoch gegriffen. Immerhin wurde diese absolut unverständliche Entscheidung nur von wenigen Personen getroffen. Dennoch ist es eine Frage, auf welcher Wertebasis eine Gemeinschaft - und zwar hier der 1. FC Nürnberg - seine Personalentscheidungen trifft. In anderen Worten: Das Leitbild des Vereins wird an dieser Stelle mit Füßen getreten.

Dieter Hecking
Dieter Hecking erntet sehr viel Kritik wegen der Verteidigung der Personalie (Archivbild) | Alex Grimm/Getty Images

Ein Leitbild, das in diesem Punkt ganz klar formuliert ist (via nordbayern.de): "Wir setzen voraus, dass jede Art von Diskriminierung abgelehnt und unterlassen wird. Jeder Mensch, unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Hautfarbe, Herkunft, Glauben, sozialer Stellung, Behinderung oder sexueller Identität respektiert wird."

Knauer hat Diskriminierung nicht abgelehnt, er war an dieser aktiv beteiligt. Er hat junge Menschen, denen er auch bei Werten und Moral ein Vorbild sein soll, nicht einheitlich respektiert. Indem er gar nicht erst eingegriffen hat, als andere Menschen aufgrund ihrer Abstammung und Hautfarbe verächtlich gemacht und beleidigt wurden, stattdessen noch dazu beigetragen hat, hat er eindrucksvoll bewiesen, dass er bei einem Verein wie Nürnberg, der ein solches Leitbild zu respektieren hat, kein Amt annehmen kann. Oder darf.

Bayern-Fans hatten aufgrund dieses Rassismus-Skandals in ihrem Nachwuchs ein Transparent aufgehängt. Dieses Transparent sollte auch für den FCN gelten, und mit diesen Worten kann man dieses Thema wohl auch am besten abschließen: "Jeder, der rassistische Scheiße toleriert, hat in unserem Verein nichts zu suchen."

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