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Nuri Sahin rockt die Süper Liga und träumt von der Bundesliga

Martin Bytomski
Steht mittlerweile an der Seitenlinie statt auf dem Rasen: Nuri Sahin
Steht mittlerweile an der Seitenlinie statt auf dem Rasen: Nuri Sahin / BSR Agency/GettyImages
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Über Nacht wurde Nuri Sahin vom Profi zum Trainer. Seitdem fliegt er mit seinem Klub Antalyaspor durch die türkische Süper Lig und begeistert mit erfrischendem Offensivfußball. Es wäre nur folgerichtig, wenn der charismatische Coach irgendwann wieder bei seinem Herzensclub landen würde.


Vielleicht liegt es an seinem Lächeln, seiner einnehmenden Art. Nuri Sahin umgibt eine Aura des Herzlichen. Er wählt seine Worte bedacht, respektvoll und diplomatisch, ohne dabei in Nichtssagende abzuschweifen. So ist es kaum verwunderlich, dass dem langjährigen Profi von Borussia Dortmund von den BVB-Fans geliebt wird. Doch seit zwei Jahren macht sich Sahin auf, auch die Zuneigung der türkischen Fans zu gewinnen. Erst auf, jetzt neben dem Platz.

Im Heimatland seiner Eltern ließ Sahin seine Karriere nach einer durchwachsenen Zeit beim SV Werder Bremen ausklingen. Der im sauerländischen Meinerzhagen aufgewachsene Mittelfeldregisseur schnürte ab Sommer 2020 für Antalyaspor die Schuhe. Sofort war Sahin Stammspieler. Am Ende wurde die Klasse gehalten, Ziel erfüllt. Auch in die aktuelle Saison ging er als Profi. Mit 33 zwar bereits im fortgeschrittenen Alter, jedoch noch nicht rentenreif. Und doch wurde er über Nacht in den vorzeitigen Fußballer-Ruhestand geschickt, denn im Oktober 2021 beerbte er bei Antalyaspor Ersun Yanal als Trainer. Und sorgte seitdem für Aufsehen in der Mittelmeerstadt.

Eignungstest per Telefon

„Der Klub hatte sich am Freitag von unserem damaligen Trainer getrennt, am Sonntag klingelte dann mein Telefon. Präsident Aziz Cetin und Sportdirektor Aytac Altay waren am Apparat und begannen, mich auszufragen: ‚Wie denkst du über die Situation? Was denkst du, ist jetzt notwendig?‘ Ich habe ganz offen und ehrlich meine Gedanken geschildert“, berichtet Sahin im Kicker-Interview. Offensichtlich waren die Gedanken auch für Altay erhellend, jedenfalls saß Sahin nur kurze Zeit später auf dem Trainstuhl von Antalyaspor.

Und formte aus dem einstigen Abstiegskandidaten Sahin eine Mannschaft, die aktuell gerade einmal vier Zähler hinter einem Europa-Conference-League-Platz liegt. Der frühere türkische Nationalspieler verordnete seiner Mannschaft eine neue Spielweise. Kennzeichen: Aggresivität, hohes Verteidigen und ein fast kloppsches Pressing und Gegenpressing. Runderneuert kommt Sahins Team auf einen starken Punkteschnitt von 1,72 Zählern pro Partie. „Mit dem Amtsantritt von Nuri Sahin haben wir begonnen, sehr attraktiven Fußball zu spielen. Das sehen wir auch an den vollen Zuschauerrängen. Er hat eine andere Fußballphilosophie. Es ist für jeden ersichtlich, wie das Team vor Nuri Sahin und jetzt mit ihm spielt. Jeder sieht, dass wir ohne Furcht spielen“, beschreibt es Antalyaspors Präsident Aziz Cetin.

Zwei deutsche Trainer als Vorbild

Zwar hat Sahin keinen Trainerschein und steht zumindest auf dem Papier noch hinter Lizenzinhaber Alfons Groenendijk in der zweiten Reihe. Doch auch ohne Trainerlehrgänge kann Sahin mit Blick auf seine bewegte Spielerkarriere auf viel Wissen verschiedener Coaches zurückblicken: Etwa José Mourinho, Bert van Marwijk oder Brendan Rodgers. Doch zwei deutsche Übungsleiter haben den Novizen nachhaltig beeindruckt: Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. „Klopp ist mein Idol“, meint Sahin: „Er ist der perfekte Mensch. Es ist doch so: Das Fachwissen haben viele, anders kannst du den Job ab einem gewissen Niveau nicht ausüben. Aber was ihn abhebt von allen anderen, ist seine Menschlichkeit.“

Aber auch Thomas Tuchel hat es ihm angetan. Vor allem seine Ansprache während einer Mannschaftssitzung nach einer Testspielniederlage von Borussia Dortmund: „Thomas war unzufrieden, weil manche von uns dachten, es sei ja nicht so schlimm, weil es nur die Vorbereitung sei. Dann zeigte er uns Szenen von John Terry und Carles Puyol. Nicht aus Pflichtspielen, sondern aus vermeintlich unbedeutenden Tests, damit wir sehen, mit welcher Intensität sie auch in solchen Partien verteidigt haben.“

Rückkehr zum BVB scheint vorgezeichnet

Dass Antalyaspor bei dem furiosen Start seiner Trainerkarriere nicht die letzte Station bleiben wird, scheint nur logisch. Und ebenfalls fast zwangsläufig dürfte Sahin irgendwann wieder bei Borussia Dortmund aufschlagen. Dem Klub, dem er als Kind die Daumen drückte, bei dem er als Balljunge eingesetzt war und dann als Kopf der Meistermannschaft von 2011 fungierte. „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass Borussia Dortmund eine Herzensangelegenheit für mich ist und ich davon träume, einmal als Trainer einen Sieg vor der Südtribüne zu feiern“, gibt Sahin freimutig zu: „Als ich damals den BVB verlassen habe und nach Bremen gegangen bin, saß ich abends mit meiner Frau zu Hause und sagte zu ihr: 'Ich glaube, ich habe irgendwann das Zeug dazu, diesen Verein zu trainieren.“

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