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Fußball-Perversion auf die Spitze getrieben: Newcastle bittet Fans auf Scheich-Verkleidungen zu verzichten

Simon Zimmermann
Ein Bild mit Symbolkraft
Ein Bild mit Symbolkraft / Ian MacNicol/GettyImages
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Die Vorfreude der Magpies-Fans auf das erste Heimspiel unter neuer Eigentümerschaft schien schier grenzenlos zu sein. Am vergangenen Sonntag verkleideten sich zahlreiche Anhänger von Newcastle United mit traditionellen arabischen Gewändern, im nahen Osten üblichen Kopfschmuck und klebten sich falsche Bärte an. Selbst die Flagge Saudi-Arabiens war mehrfach zu sehen.

Die 2:3-Niederlage des Tabellen-19. gegen Tottenham verkam da fast schon zur Nebensache. Was juckt den gemeinen Fan schon eine poplige Liga-Pleite, wenn in Zukunft dank der neuen Eigentümer die Spitze der Liga angegriffen wird?

Schließlich gelten die Magpies nach der Übernahme eines Konsortiums, an dessen Spitze der saudi-arabische Staatsfonds (Public Investment Fund) steht, als reichster Klub der Welt. Das Vermögen von Kronprinz Mohammed bin Salman, der den Staatsfonds leitet, wird auf irrwitzige 380 Milliarden Euro geschätzt.

Die Magpies-Anhänger feierten es am vergangen Sonntag erneut ausgelassen und wollten mit ihren Verkleidungen wohl kreativ sein. Dass es die neuen Eigentümer mit Menschenrechten im eigenen Land ebenfalls kreativ halten und auch vor Morden nicht zurückschrecken, scheint den gemeinen Newcastle-Fan nicht die Bohne zu jucken. Vielmehr wird der neue Reichtum ausgelassen gefeiert.

Newcastle United v Tottenham Hotspur - Premier League
Selbst die Flagge von Saudi-Arabien wurde stolz präsentiert / Robbie Jay Barratt - AMA/GettyImages

Newcastle mit Statement zu Verkleidungen

Aus Sicht der neuen Eigner wohl zu ausgelassen. Die Magpies gaben am Mittwoch ein Statement ab. Der Klub "bittet die Fans höflich, bei den Spielen keine traditionelle arabische Kleidung oder aus dem Nahen Osten stammende Kopfbedeckungen zu tragen, wenn sie solche Kleidung normalerweise nicht tragen würden".

"Niemand von der neuen Eigentümergruppe fühlte sich durch die Kleidung der Fans, die sich für diese Art des Feierns entschieden hatten, in irgendeiner Weise angegriffen. Es war eine Geste, die als positiv und einladend empfunden wurde.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass diese Kleidung kulturell unangemessen ist und das Risiko birgt, andere zu beleidigen. Alle Besucher des Klubs werden wie immer dazu ermutigt, das zu tragen, was für ihre eigene Kultur oder Religion die Norm ist, um auch weiterhin die breite und reiche multikulturelle Gemeinschaft und Gruppe widerzuspiegeln, aus der der Klub mit Stolz seine Unterstützung bezieht", heißt es im Klub-Statement weiter.

Bei den Szenen vom vergangenen Sonntag und dem Statement vom Mittwoch bleibt dem Fußball-Fan, der froh ist, dass sein Verein keine Eigentümer mit diesem Hintergrund hat, wohl nicht viel mehr als Kopfschütteln übrig.

Die Perversion und die Auswüchse des Profifußballs wurden uns jedenfalls einmal mehr "beeindruckend" zur Schau gestellt - leider!

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