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Nach Sieg gegen den BVB: Deshalb ist Borussia Mönchengladbach die attraktivste Mannschaft der Bundesliga

Christopher Kleis
Jan 23, 2021, 4:24 PM GMT+1
Borussia Mönchenglabach ist momentan in einer super Form.
Borussia Mönchenglabach ist momentan in einer super Form. | Lars Baron/Getty Images
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Am Freitagabend gewann Gladbach das Borussen-Duell gegen Dortmund mit 4:2. Die Mannschaft von Marco Rose überzeugte dabei über die vollen 90 Minuten. Die Entwicklung, die das Team seit seiner Amtsübernahme genommen hat, ist bemerkenswert. Momentan muss man sich auch als neutraler Fan eingestehen, dass die Fohlen die spaßigste Mannschaft der Liga sind.

Es wird stets der Weg nach vorne gesucht

Lars Stindl hat jetzt schon so viele Tore erzielt wie in der letzten Saison.
Lars Stindl hat jetzt schon so viele Tore erzielt wie in der letzten Saison. | INA FASSBENDER/Getty Images

Es klingt wie eine abgedroschene Fußballweisheit, aber nur wer offensiv spielt, kann auch Tore schießen. Bei Borussia Mönchengladbach steht das Offensivspiel an der Tagesordnung. Schon jetzt konnten die Fohlen 35 Tore erzielen. Macht einen Schnitt von 2,05 Toren pro Spiel. Nur der FC Bayern München ist da besser. Gladbach kann sich also auf seinen Sturm verlassen.

Außerdem ein großes Plus ist die Variabilität im Angriff. Marco Rose rotiert viel und gibt jedem mal die Chance, sich zu präsentieren. Die Spieler zahlen das mit Leistungen zurück. Alassane Plea (2 Tore, 1 Vorlage), Marcus Thuram (3 Tore, 3 Vorlagen) und Breel Ambolo (3 Tore, 3 Vorlagen) Teilen die Scorerpunkte unter sich auf und machen es dem Gegner so schwer, sich auf die favorisierte Doppelspitze einzustellen.

Gesetzt im Angriff ist nur Lars Stindl. Der Kapitän hat jetzt schon neun Tore selbst geschossen und sechs Vorlagen gegeben. Über ihn läuft fast jeder Angriff. Und die werden bei Gladbach meistens sehr schnell mit viel Tempo gespielt. Lange Ballstafetten sind eher selten. Meistens passiert alles überfallartig. Ballgewinn im Mittelfeld oder der Abwehr, dann werden die Sechser gesucht, Pass auf Stindl und der bedient entweder die startenden Stürmer oder die durchgesprinteten Außenverteidiger. Die gegnerischen Verteidiger müssen sich also meistens auf mindestens drei Spieler konzentrieren. Das schafft Räume und Stindl kann auch selbst zum Abschluss kommen.

Aber auch die Abwehr macht mit. Die beiden Außenverteidiger stehen oft extrem hoch, gehen schon an der Mittellinie ins Pressing über. Damit verteidigen sie gegnerische Angriffe sehr früh und ersticken sie so direkt im Keim. Die Innenverteidiger spielen die Bälle nicht nur hin und her, sondern suchen auch oft den freien Mitspieler im vorderen Drittel. Gegen Borussia Dortmund konnte man vor allem Matthias Ginter gut dabei beobachten, wie er immer wieder das Spiel so öffnete.

Das Mittelfeld trumpft mit der perfekten Mischung auf

Florian Neuhaus ist Gladbachs Durchstarter der Saison.
Florian Neuhaus ist Gladbachs Durchstarter der Saison. | Lars Baron/Getty Images

Marco Rose galt schon zu Salzburger Zeiten als Förderer der Jugend. In Gladbach bekommen nun auch Spieler wie Florian Neuhaus und Denis Zakaria ihre Gelegenheit. Beide haben sich in der Startelf festgespielt und stehen schon jetzt bei internationalen Top-Clubs auf dem Einkaufszettel. Vor allem die Mischung macht es. Der Abräumer Zakaria erobert die wichtigen Bälle im konsequent praktizierten Gegenpressing. Damit können sich Neuhaus und Kramer auf das Offensiv-Spiel konzentrieren.

Neuhaus gilt als kommender Spielmacher in der Nationalmannschaft. Vor allem schnelle Vertikalpässe sind seine Stärke. Spätestens seit dem Champions-League-Hinspiel gegen Inter Mailand sind seine Qualitäten bekannt. Kramer ist als Ruhepol neben den beiden jungen Wilden enorm wichtig. Der Weltmeister kann das Spiel auch mal beruhigen und seine Kollegen anleiten, wenn die sich nicht so ganz an den Matchplan halten.

Die Abstimmung klappt hervorragend. Nur selten tun sich Lücken auf. Und wenn, dann werden die sofort von den lauffreudigen Gladbachern geschlossen. Für jede Mannschaft ist dieser Verbund sehr schwer zu knacken. Roses Mannschaft kämpft mit Teamgeist füreinander und verhindert so viele gefährliche Abschlüsse.

Die Spieler sind in Topform

Jonas Hofmann ist bei Borussia Mönchengladbach unverzichtbar geworden.
Jonas Hofmann ist bei Borussia Mönchengladbach unverzichtbar geworden. | Stuart Franklin/Getty Images

Auch nach Rückschlägen gibt die Borussia nicht auf. Gegen Dortmund verspielte man eine Führung, aber drehte das Spiel trotzdem noch. Es ist auffällig, wie fit die Mannschaft ist. Sowohl körperlich als auch im Kopf. Fehler passieren, werden abgehakt und weiter geht es. Natürlich spielt hier die aktuelle Form auch eine große Rolle.

Dabei ist vor allem Jonas Hofmann hervorzuheben. War er unter Hecking noch ein reiner Flügelspieler, hat er unter Rose sehr viele Freiheiten im Angriff. Gegen den FC Bayern München hob Florian Neuhaus im Sky-Interview seine Qualitäten hervor. Besonders Läufe in die Tiefe und sein eiskalter Abschluss sind eine ständige Gefahr für jeden Gegner. Außerdem kann "Hofi" auch vorbereiten. Neben vier erzielten Toren, legte er auch schon sieben Tore für die Mitspieler auf.

Es ist anzumerken, dass Hofmann als Beispiel der allgemeinen Situation dienen soll. Sowohl er als auch alle anderen Spieler setzen die taktischen Anweisungen von Marco Rose perfekt um. Die erste Viertelstunde ist meistens geprägt von Anlaufen am gegnerischen Strafraum. So wird direkt von Anfang an Unruhe ins Aufbauspiel reingebracht und eine Grundnervosität hergestellt. Danach ziehen sich die Fohlen bis zur Mittellinie zurück, aber lassen trotzdem keine Luft zum Atmen. Die Stürmer nehmen ihre Rolle als erste Verteidiger perfekt an. Die Mittelfeldspieler machen die Mitte zu, es muss also über außen gehen und da lauern mit Laimer und Bensebaini zwei schnelle Außen, die auch den schnellen Gegenangriff einleiten können.

Einziges Manko in dieser Saison ist bisher, dass zu viele Spiele noch als Unentschieden endeten. Aber die Form zeigt deutlich in Richtung der Champions-League-Plätze. Wenn die Mannschaft von Marco Rose weiterhin so spielt wie aktuell, dann wird es in der Rückrunde kaum eine Mannschaft geben, die vor den Fohlen sicher ist. Wer weiß, vielleicht winkt ja am Ende auch ein Titel im DFB-Pokal.

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