Modric im Interview: "Zidane kann bei Real eine Ära prägen wie Ferguson oder Wenger in England!"

Genies unter sich: Luka Modric und sein Coach Zinédine Zidane
Genies unter sich: Luka Modric und sein Coach Zinédine Zidane / Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images
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Vize-Weltmeister (irgendwie ja auch ein Titel!) ist er mit Kroatien geworden, mehrfacher Champions League-Sieger mit Real Madrid sowieso, dazu Meister und Pokalsieger in Kroatien und Spanien. Luka Modric kann wahrlich auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Modric spricht er über seinen langen Weg, Weggefährte Gareth Bale Bale, seine Trainer, Eden Hazard und ein Karriereende bei Real Madrid.

Dabei waren die Anfänge mehr als schwierig. Traumatisch wäre wohl der bessere Begriff. 1985 in Zadar (im heutigen Kroatien) geboren, erlebte der junge Luka die Schrecken des jugoslawischen Bürgerkriegs ungefiltert und am eigenen Leib. Gegenüber dem Programm "El Partidazo" des Radiosenders COPE (via marca.com) gab der 35-Jährige nun Einblicke in seinen Werdegang, von den brutalen Anfängen bis zu seiner Weihe als bester Fußballer Europas im Jahr 2018.

Tod des Großvaters als Kindheitsprägung

"Ich hatte eine unglaubliche Beziehung zu meinem Großvater", erzählt der Real-Star. "Meine Eltern arbeiteten viel und ich verbrachte viel Zeit mit ihm." Doch eines Tages wurde dem damals sechsjährigen Luka diese Bezugsperson jäh aus dem Leben gerissen. Serbische Freischärler ermordeten seinen Opa und sechs weitere Zivilisten im Dezember 1991 im Dorf Jasenice. Danach war nichts mehr wie es vorher war. "Es war sehr traurig, was passiert ist. Es hat mich sehr geprägt, weil ich damals noch sehr jung war. Es ist schade, dass er nicht mehr miterleben durfte, was ich in meiner Karriere erreicht habe. "

Modric und seine Trainer

"Ich mag solche ehrlichen Leute!": Modric unter den wachsamen Augen von José Mourinho
"Ich mag solche ehrlichen Leute!": Modric unter den wachsamen Augen von José Mourinho / AFP/Getty Images

Wie zum Beispiel seinen aufsehenerregenden Wechsel vom Premier-League-Spitzenklub Tottenham Hotspur zu den Königlichen von Real Madrid im Jahr 2012. Reals damaliger Trainer José Mourinho war die Triebfeder des Wechsels. "Er war eine Schlüsselperson bei meinem Wechsel nach Madrid. Schade, dass ich nur ein Jahr mit ihm zusammenarbeiten konnte, denn er ist ein großartiger Trainer und hat das über seine gesamte Karriere hinweg bewiesen. Ich werde ihm immer dankbar sein. Er ist hart, kommt aber immer gerade heraus. Ich mag solche ehrlichen Leute."

Auch für seine weiteren Trainer wie Carlo Ancelotti oder Rafa Benítez hat Modric nur lobende Worte übrig - doch sein aktueller Vorgesetzter steht nochmal über allen anderen. "Zidane ist ein Top-Trainer. Was er mit uns erreicht hat, ist nicht zu wiederholen. Von einigen Leuten wird er als Trainer immer noch nicht geschätzt, aber er gehört zu den allerbesten. Er hat klare Ideen und seine Art passt perfekt zu uns. Ich glaube, er kann bei Real eine ähnliche Ära prägen wie Ferguson oder Wenger es in England getan haben."

"Was über Bale gesagt wird, ist nicht fair!"

Elf gemeinsame Jahre in London und Madrid: Gareth Bale und Luka Modric
Elf gemeinsame Jahre in London und Madrid: Gareth Bale und Luka Modric / DeFodi Images/Getty Images

Auch zu einem vom Hof Gejagten wie Gareth Bale hat Modric eine klare Meinung: "Wir haben fast unsere gesamte Karriere zusammen verbracht. Vier Jahre bei Tottenham, sieben hier in Madrid. Er ist ein toller Typ, aber etwas schüchtern, genau wie ich. Was über ihn gesagt wird, ist nicht fair. Er wird nach seinen letzten Jahren hier beurteilt, aber was er insgesamt in Madrid geleistet hat, ist einfach beeindruckend. Ich persönlich bin gut mit ihm ausgekommen. Er hat zwar nicht viele Interviews gegeben, aber in der Kabine hat er mit uns auf spanisch geredet und war immer korrekt. Es ist schade, dass alles aufgrund der letzten eineinhalb Jahre vergessen wird."

Angesprochen auf das hier und jetzt bei Real Madrid, kommt er natürlich auch an Kommentaren über seine Weggefährten Eden Hazard oder Vinicius Jr nicht vorbei. Den Belgier sieht der Kroate als einen "der Besten der Welt" an. "Ich bin überzeugt, dass er das auch in dieser Saison zeigen wird, wenn ihn die Verletzungen verschonen." Dem brasilianischen Stürmer rät er, "sich nicht im Spiegel von Ansu Fati zu betrachten", sondern seinen eigenen Weg zu gehen. "Er hat ein außerordentliches Talent und wird das auch mit jedem Spiel mehr zeigen".

Froh, dass Messi in Spanien geblieben ist

Der Sieger von 2018 (Luka Modric) übergibt den Ballon d´Or an seinen Nachfolger (und Vorgänger) Lionel Messi)
Der Sieger von 2018 (Luka Modric) übergibt den Ballon d´Or an seinen Nachfolger (und Vorgänger) Lionel Messi) / FRANCK FIFE/Getty Images

Gefreut hat Modric auch der Verbleib von Lionel Messi beim Erzrivalen FC Barcelona. "Ich bin froh, dass er beim FC Barcelona geblieben ist. Er ist ein Gewinn für die spanische Liga. Als Spieler willst du dich schließlich immer mit den Besten messen."

Das gilt für Modric auch trotz seines mittlerweile fortgeschrittenen Alters von 35 Jahren. An ein Karriereende will der Kroate dennoch nicht denken. "Klar, will ich bei Real Madrid bleiben. Aber das liegt nicht allein an mir, sondern natürlich auch am Klub. Ich fühl mich jedenfalls gut und fit, und denke, dass ich noch genügend Fußball in mir habe, um wichtig zu sein. Mein Wunsch ist es, meinen Vertrag zu verlängern und hier meine Laufbahn zu beenden. Wir werden sehen, was passiert. Noch habe ich mit dem Präsidenten nicht darüber gesprochen. Aber wir haben ein gutes Verhältnis und ich bin sicher, dass wir eine gute Lösung finden werden."

Madrid als Lebensmittelpunkt nach der Karriere

Einen Verbleib in der spanischen Hauptstadt kann sich Modric auch nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn gut vorstellen. "Wir werden sehen, wo wir am Ende leben werden. Meiner Frau und den Kindern gefällt Madrid und wir würden gerne hier bleiben. Wenn ich es heute entscheiden müsste, blieben wir wohl in Madrid."