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Die MLS auf dem Weg an die amerikanische Sportspitze

Marc Knieper
Der Fußball wird in den USA größer und größer
Der Fußball wird in den USA größer und größer / Andy Mead/ISI Photos/GettyImages
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Der Fußball in den USA stand und steht im Schatten nationaler Mega-Sports wie American Football und Basketball. Nichtsdestotrotz befördert sich die Major League Soccer (MLS) vermehrt auf die Bildfläche vieler Fans - und könnte schon in einigen Jahren unter den neuen Generationen zur beliebtesten Sportart avancieren.


Die MLS scheint auf der Überholspur! Spieler und Spielphilosophie werden besser - vor allem in den letzten Jahren konnten einige Hochkaräter an Land gezogen werden. Brillante Fußballer wie Bastian Schweinsteiger, Kaká, Wayne Rooney, David Villa und Zlatan Ibrahimovic intensivierten das Interesse am amerikanischen Fußball und fixierten weltweit die Blicke zahlreicher Fußballfans.

Einen großen Faktor spielt hierbei natürlich auch das liebe Geld. Der im Sommer bevorstehende Wechsel zu Kanada-Klub Toronto FC beschert Lorenzo Insigne stattliche 13,3 Millionen Euro jährlich. Damit avanciert der italienische Weltmeister noch weit vor LAFC-Kapitän Carlos Vela (5,6 Mio.) zum bestbezahlten MLS-Profi.

  • Info: In der Saison 2022 nehmen 28 Mannschaften an der MLS teil, davon 25 aus den USA und drei aus Kanada (Vancouver, Toronto und Montreal). 2023 kommt St. Louis City dazu.
Lorenzo Insigne wechselt im Sommer in die MLS
Der Insigne-Wechsel geht als rekordbrechender Mega-Deal in die MLS-Geschichtsbücher ein / Nicolò Campo/GettyImages

Dass das Interesse wächst, hängt auch damit zusammen, dass sich die MLS dem Puls der Zeit bedient. Die Liga vermarktet sich überragend via Social Media, spricht im Internet mit einer Vielzahl (potenzieller) Fans und generiert dadurch eine Menge Sympathie. Man hält sich gewissermaßen im Kosmos der Generation Z auf.

Zu lokal: MLS braucht stattliche TV-Verträge

Aber: Die MLS hat und hatte es nicht immer so einfach wie in den sozialen Medien der heutigen Zeit. Sie ist geprägt durch finanzielle Sorgen, Führungswechsel und dem anhaltenden Problem, genügend TV-Rechte und -Gelder zu bekommen. Noch immer wird der Markt vermehrt durch die lokalen Fans und deren Ticket- sowie Merchandising-Käufe bestimmt.

Minnesota United-Fan
Die MLS lebt zum Großteil durch Ticket- und Merchandising-Verkäufe an die lokalen Fans / Shaun Clark/GettyImages

Im Content-Zeitalter und aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation ist es für die MLS wichtiger denn je, bestmöglich auf die Bildfläche der großen Fernsehsender zu geraten. Die Liga benötigt hohe Fernsehgelder, um weiter zu wachsen.

Weit vor der MLS gab es übrigens die von 1968 bis 1984 ausgetragene North American Soccer League. Bereits damals war man darum bemüht, einige Stars ins Boot zu holen und verpflichtete unter anderem Pele und Franz Beckenbauer.

Alte Stadien, schlechte Regeln - der Start der MLS

Das Problem: Man wollte zu schnell zu viel. Stichwort: Overspending. Die Liga brach wegen finanzieller Sorgen zusammen. Außerdem gab es noch keine "soccer-specific stadiums". Man spielte in alten American Football- oder kleinen College-Stadien.

1993 rief man schließlich die neue, noch heute existierende MLS ins Leben. Sechs Jahre später erbaute man das erste reine Fußballstadion: das Columbus Crew Stadium, die alte Spielstätte des Columbus Crew Soccer Club.

Viele Fans kritisierten um die Jahrtausendwende, dass man versuche, den Fußball zu amerikanisieren. Das veränderte Regelwerk war ihnen ein Dorn im Auge. Man übernahm Elemente des College Soccers und High-School-Fußballs. Bei einem Unentschieden gab es zur Bestimmung des Siegers Elfmeterschießen. Ein Sieg wurde unüblicherweise lediglich mit einem Punkt berechnet.

Fußballspezifische Stadien als Wendepunkt

Mit der Abschaffung dieser absurden Regeln und dem Baustart vieler "soccer-specific stadiums" kamen sie zurück bzw. erstmals dazu: die leidenschaftlichen Fans der MLS. Mittlerweile gibt es 27 solcher Stadien.

Die im Jahr 2007 herbeigeführte "Designated Players Rule" sorgte zudem dafür, dass man eben nicht zu schnell zu viel für Spieler ausgab, sondern Star-Profis aus dem Ausland nur peu à peu verpflichten konnte. Ein schlauer Weg, die Liga-Attraktivität langsam, aber sicher zu steigern.

David Beckhams Wechsel zu LA Galaxy
Aufsehenerregend: David Beckhams Wechsel zu LA Galaxy im Sommer 2007 / Frazer Harrison/GettyImages

Die Klubs werden immer wertvoller. 2008 lag der Durchschnittswert der MLS-Teams bei 37 Millionen Dollar. Heute sind die MLS-Teams laut Sportico im Durchschnitt 550 Millionen Dollar wert. Spitzenreiter mit 860 Millionen Dollar ist Los Angeles FC.

  • Info: Mit fünf Titeln ist LA Galaxy Rekordmeister der MLS, dicht gefolgt von D.C. United mit vier Meisterschaften.

Übrigens: 2018 war der Fußball in den USA unter den 18 bis 34-Jährigen ebenso beliebt wie Basketball. Beide Sportarten erreichten in einer Gallup-Umfrage elf Prozent. American Football blieb mit 30 Prozent auch in dieser Generation noch auf Platz eins der beliebtesten Sportarten zum Anschauen im Fernsehen.

Vorsicht vor zu starker Kommerzialisierung

Die MLS befindet sich auf einem guten Weg und bildet vermehrt die im Fußball stets wichtigen Rivalitäten und Traditionen. Aber aufgepasst: Geld stinkt. Eine perfide Kommerzialisierung kann den Plan der Verantwortlichen nach hinten losgehen lassen.

Die bevorstehende WM-Austragung 2026 kommt der MLS entgegen. Bis dahin dürfte sich das Fußball-Fieber in Amerika noch einmal gewaltig steigern. Spätestens das Event könnte als eye opener für viele zuvor uninteressierte Fans dienen. Wir bleiben gespannt.


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