DFB-Frauen

Merle Frohms im Porträt: Schult-Nachfolgerin mit überragenden Reflexen

Helene Altgelt
Merle Frohms ist die deutsche Nummer eins
Merle Frohms ist die deutsche Nummer eins /
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"Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt" - dieser Satz stand im Mittelpunkt eines Videoclips, mit dem die DFB-Frauen die WM 2019 in Frankreich bewarben. Drei Jahre später steht das nächste große Turnier, die EM in England, vor der Tür. Die Namen der DFB-Kickerinnen kennt die Nation aber immer noch nicht. Damit sich das ändert, stellt 90min die wichtigsten Spielerinnen der deutschen Elf vor. Heute im Porträt: Die Nummer eins im Tor, Merle Frohms.


Rolle und Position

Die Flexibilität von Alexandra Popp oder Lena Oberdorf hat Merle Frohms nicht, aber das ist ihr als Torhüterin auch schwer vorzuwerfen. Frohms hat sich als klare Nummer eins im deutschen Tor etabliert und wird trotz der zuletzt starken Leistungen von Almuth Schult sicher dafür zuständig sein, den Kasten sauber zu halten. Das Wissen um ihren Stammplatz hat Frohms auch für diese Saison beflügelt: "Es stärkt einen wahnsinnig, wenn man das Vertrauen der Bundestrainerin hat.", erklärte sie vor einer Woche auf einer Pressekonferenz.

Mit Eintracht Frankfurt hat Frohms eine erfolgreiche Saison hinter sich. Im Vergleich zu der enttäuschenden letzten Spielzeit, die auf Platz sechs endete, steigerten sich die Adlerinnen enorm und wurden hinter Wolfsburg und Bayern Dritter. Ein Erfolg, an dem Frohms großen Anteil hatte. So hielt sie etwa beim Heimsieg gegen Bayern oder beim dramatischen 3:2 gegen Hoffenheim mit ihren Paraden den Sieg fest.

Karriere

"Ich hätte nicht gedacht, dass mich der heutige Tag so bewegt. [...] Es gibt so viele schöne Momente mit dem VfL Wolfsburg, wir haben so viele Erfolge gefeiert und auch Titel gewonnen, ich kann gar nicht differenzieren, was das größte Highlight war."

Das sagte Merle Frohms vor vier Jahren, als noch nicht unbedingt abzusehen war, dass sie bei der nächsten EM Stammtorhüterin sein würde. Frohms verkündete damals ihren Abschied vom VfL Wolfsburg nach sieben Jahren.

Der Schritt zu Wolfsburg wirkte 2011 logisch: Frohms stammt aus Celle, nur eine Autostunde von Wolfsburg entfernt. Bei dem lokalen Verein Fortuna Celle durchlief sie die Jugendmannschaften im Juniorenbereich und ging schließlich mit 16 Jahren, wie so viele andere, den Schritt in den Frauenfußball. Damals galt sie schon als großes Torhütertalent, war laut Wolfsburgs damaligem Trainer und heutigem sportlichen Leiter Ralf Kellermann von mehreren Klubs umworben.

In Wolfsburg verlief zunächst alles nach Plan, bereits anderthalb Jahre nach dem Wechsel durfte Frohms ihr Debüt in der Bundesliga feiern. Danach aber kam sie hauptsächlich in der zweiten Mannschaft zum Zug, denn an der Welttorhüterin von 2014, Almuth Schult, war kein Vorbeikommen. Im Alter von 23 Jahren folgte also der Schritt in den idyllischen Süden Deutschlands, und in Freiburg spielte sich Frohms wieder ins Rampenlicht. Bereits kurz nach ihrem Wechsel debütierte sie in der Nationalmannschaft.

Schrittweise ging es dann wieder in den Norden: Zunächst zu Eintracht Frankfurt (damals noch der 1. FFC Frankfurt). Dort wurde sie zur Stammtorhüterin im DFB-Team, was auch zu einem großen Teil an der Schwangerschaft ihrer ehemaligen Mentorin und Konkurrentin Almuth Schult lag. Diesen Platz hat sie bis heute nicht mehr abgegeben und mit konstanten Leistungen überzeugt. Auf die Nachfolge als Nummer eins bei der Nationalmannschaft wird in diesem Sommer die Nachfolge als Nummer eins bei Wolfsburg folgen: Da es Schult in die USA zieht, hat der VfL Frohms aus ihrem Vertrag in Frankfurt herausgekauft - eine besondere Rückkehr für sie.

Stärken

Schult bringt die Erfahrung von drei großen Turnieren mit der DFB-Elf sowie zahlreichen Champions-League-Saisons mit. Frohms dagegen stand noch nicht bei einem internationalen Wettbewerb zwischen den Pfosten, für sie als Stammtorhüterin gibt es aber trotzdem gute Argumente:

Frohms hat die vermutlich besten Reflexe in der Bundesliga und ist mit ihrer Reaktionsschnelligkeit auch internationale Klasse. Welche Bälle sie teils noch aus dem WInkel kratzt, ist erstaunlich. Frohms ist mit ihren 1,75 Metern keine Riesin, hat aber viel Sprungkraft und ist sowohl was die Fuß-, als auch was die Handabwehr angeht, stark.

Zudem kann sie gut mit dem Ball umgehen und entspricht damit dem Prototyp einer modernen Torhüterin. Frohms' Abschläge sind gut und ihre Pässe zu den Innenverteidigerinnen laufen kaum Gefahr, abgefangen zu werden. Sie wird vermutlich nicht versuchen, die gegnerischen Stürmerinnen auszudribbeln, aber Frohms ist meist souverän am Ball und lässt sich nicht so leicht unter Druck setzen.

Außerdem ist sie eine lautstarke Torhüterin, die das Spiel von hinten anleiten will und der Verteidigung öfters mal sagt, wenn sie mit deren Positionierung nicht zufrieden ist. Damit ist Frohms auch schon eine Führungsspielerin auf dem Platz und gibt der Abwehrkette das Gefühl, ein sicherer Rückhalt zu sein.

Merle Frohms
Sagt auch mal was, wenn's nicht so gut läuft: Merle Frohms / Martin Rose/GettyImages

Ein weiterer Punkt ist ihre Fähigkeit, Elfmeter zu parieren. Auch bei Turnieren hat sie damit Erfahrung: Bei der U17-EM parierte sie zwei Elfmeter und verhalf so ihrem Team zum Titel. In der jüngeren Geschichte mit der Nationalmannschaft war sie ebenfalls zur Stelle und hielt 2019 gegen England im Wembley-Stadion spektakulär einen Elfer.

Schwächen

Frohms merkt man ihre Unerfahrenheit teilweise noch an, wenn die Abstimmung mit den Vorderleuten nicht perfekt ist. Missverständnisse zwischen ihr und den Abwehrspielerinnen führten schon öfters für den Gegner zum Erfolg. Teilweise ist sie außerdem beim Herauslaufen noch zu zögerlich und könnte bereits früher eine Chance vereiteln.

Alles in allem ist Merle Frohms aber eine sehr talentierte Torhüterin, die mit außergewöhnlichen Reflexen ausgestattet ist. In vielen Begegnungen hält sie ihr Team mit Glanzparaden im Spiel, sodass sie auch bei der EM eine Schlüsselspielerin sein wird.


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