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Meisterschaft? Hertha BSC sollte lieber leisere Töne spucken

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Herthas Investor Lars Windhorst (r.) glaubt an die Meisterschaft | ODD ANDERSEN/Getty Images

Lars Windhorst hat noch einmal ordentlich Geld in Hertha BSC investiert und sieht eine glorreiche Zukunft: Theoretisch gäbe es keinen Grund, wieso die Berliner nicht einmal Meister werden sollten, so der Investor. Auch wenn er grundsätzlich richtig liegt, wären nach der vergangenen Saison durchaus leisere Töne angebracht.

Entweder hat Lars Windhorst ein ziemlich schlechtes Gedächtnis oder ihm ist schlicht egal, was bei Hertha BSC in der gerade beendeten Saison so alles los war - vor allem, seit der Investor selbst Jürgen Klinsmann in den Verein gebracht hat. Denn anders ist nicht zu erklären, dass Windhorst nach dem Abschluss dieser Spielzeit schon wieder davon spricht, dass die Hertha demnächst ja auch einmal Deutscher Meister werden könnte.

"Wenn alle Beteiligten mitspielen und nicht zu große Fehler gemacht werden, dann gibt es theoretisch keinen Grund, warum Hertha nicht auch einmal Deutscher Meister werden sollte und in der Champions League oben mitspielt", sagte Windhorst in einem Bild-Interview, schob aber immerhin eine kleine Einschränkung hinterher: "Wie schnell das geht, kann keiner vorhersagen."

Vor einem Jahr war es der "Big City Club"

Ähnliches sagt der 43-Jährige schon einmal vor ziemlich genau einem Jahr, als er seine Investitionen in der Hauptstadt begann: "Die Hertha kann wie andere Klubs in London oder Madrid zu einem echten 'Big City Club' werden", meinte Windhorst damals gegenüber dem Spiegel.

Was folgte, war eine überwiegend katastrophale Saison, in der sich die Berliner lange im Abstiegskampf befanden und zudem vor allem Abseits des Rasens für Schlagzeilen sorgten: Zum Beispiel durch eben jenen Klinsmann, der Hertha nach vorn bringen sollte, am Ende unter anderem durch seine Tagebücher aber nur verbrannte Erde hinterließ. Oder durch Salomon Kalous berühmtes Facebook-Live-Video.

Jurgen Klinsmann
Jürgen Klinsmann sollte Windhorsts Vision zum Leben erwecken - und scheiterte krachend | PressFocus/MB Media/Getty Images

Erst Bruno Labbadia brachte Ruhe rein: Er führte die Hertha nach der Corona-Pause aus dem Keller und ließ die Mannschaft durchaus schon ansehnlichen Fußball spielen. Die Zukunft der Alten Dame sieht zugegebenermaßen auch gar nicht schlecht aus: Mit Labbadia scheint endlich der passende Trainer gefunden, der Kader gibt schon jetzt etwas her und mit dem vorhandenen Geld lässt er sich auch in den aktuellen Zeiten noch deutlich verstärken.

Dementsprechend stimmt es natürlich, dass es theoretisch keinen Grund gibt, wenn "alle Beteiligten mitspielen und nicht zu große Fehler gemacht werden". Das ist aber ein sehr großes "Wenn". Geld alleine reicht nicht; irgendwelche Top-Spieler damit zu verpflichten, auch nicht. Es muss schon alles zusammenpassen, es braucht viel Arbeit, viel Zeit und auch ein wenig Glück, damit aus der grauen Maus der "Big City Club" wird, der in der Bundesliga dauerhaft ums europäische Geschäft mitspielt. Oder gar um die Meisterschaft.

Das hat Windhorst ja auch eingeräumt. Trotzdem ist es nach einer solchen Saison vermessen, das Wort Meisterschaft auch nur rein theoretisch in den Mund zu nehmen, so gut die Voraussetzungen für Herthas Zukunft auch sind. Die Berliner wären derzeit wohl besser beraten, weniger große Töne zu spucken und stattdessen Taten sprechen zu lassen - die Fallhöhe ist jedenfalls wieder gesetzt.