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Borussia Mönchengladbach

Martin Stranzl über die erfolgreiche Relegation: "Meine ganz persönliche Meisterschaft!"

Christian Gaul
May 3, 2021, 1:11 PM GMT+2
Martin Stranzl feierte den Klassenerhalt mit der Borussia
Martin Stranzl feierte den Klassenerhalt mit der Borussia | PATRIK STOLLARZ/Getty Images
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Abgeschlagen stand die Borussia nach der Hinrunde der Saison 2010/11 auf dem letzten Tabellenplatz der Bundesliga. Der Abstieg schien unausweichlich, doch verpflichtete man vor der Rückrunde einen 30-Jährigen Österreicher als neuen Abwehrchef - die Rechnung ging auf und Martin Stranzl machte sich in der Folge zur Legende in Gladbach.

In jedem der 17 Rückrundenspiele dieser sagenumwobenen Saison stand Martin Stranzl für die Borussia auf dem Feld. Auch die zwei Relegationsspiele gegen den VfL Bochum bestritt der Verteidiger über die vollen 180 Minuten.

Nicht nur wegen seiner Statur galt er dabei als absoluter Anker der damals niedergeschlagenen Mannschaft. Stranzl war ein absoluter Anführer und Vollprofi, der das gesamte Team mit sich reißen konnte und damit einen sehr großen Anteil am vermiedenen Abstieg hatte.

In der Folge war der Österreicher auch Teil des Gladbacher Aufschwungs, der letztlich bis in die Champions League führen sollte. Dabei musste Stranzl selbst vorher einige Umwege gehen, um die Geschichte genau so schreiben zu können.

"Es war eine geile Zeit" - Stranzl bleibt unvergessen bei der Borussia

In der Jugend seines Geburtsortes Güssing spielte Stranzl seit seinem sechsten Lebensjahr. Als 17-Jähriger verließ er 1997 seine Heimat und schloss sich der TSV 1860 München an, wo er seine ersten Erfahrungen in Deutschland sammeln sollte.

Nach über 100 Auftritten für die Profis von 1860 machte er 2004 den Schritt zum VfB Stuttgart, wo er jedoch nicht so richtig warm wurde und nur zwei Jahre später ein Angebot des russischen Klubs Spartak Moskau annahm.

Genau diesen Karriereschritt bezeichnet Stranzl im Nachhinein als immens wichtig, da er in der russischen Hauptstadt erst zum Abwehrchef reifen konnte.

Denn wäre er "zwei oder drei Jahre früher zu Borussia gekommen", hätte man vermutlich einen anderen Martin Stranzl vorgefunden. So jedenfalls sieht es der Spieler selbst im Interview mit dem Gladbacher FohlenEcho (via Borussia.de).

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Martin Stranzl und Dante - was für ein Duo | PATRIK STOLLARZ/Getty Images

Denn in den fünf Jahren bei Spartak entwickelte sich Stranzl zu einem echten Charakter auf dem Platz. Dass er im Januar 2011 geholt wurde, um den Gladbacher Abstieg zu "begleiten", sorgte dennoch vielerorts für Kopfschütteln.

Doch der Ausgang ist bekannt. Im Duett mit dem Brasilianer Dante verhinderte Stranzl nicht nur den Gang in die 2. Bundesliga, sondern war er eine der Stützen für den bis heute anhaltenden Aufstieg des Traditionsklubs. "Das ist meine ganz persönliche Meisterschaft", verrät der ansonsten in seiner Karriere titellose Stranzl.

Nach fünf Jahren und 145 Auftritten im Dress der Fohlen beendete der Unvergessene 2016 unter Tränen seine aktive Laufbahn. Nach mehreren Muskelverletzungen und anhaltenden schweren Rückenproblemen wurde überdeutlich, dass sein Körper einfach genug hatte vom harten Geschäft des Profi-Fußballs.

Mittlerweile lebt der 40-Jährige mit seiner Familie wieder nahe seines Geburtsortes im österreichischen Burgenland. "Wir wollten raus aus dieser Höher-Schneller-Weiter-Gesellschaft. Klar, wir sind zum Glück auch in der Lage, uns das leisten zu können. Aber ich will den Kindern und der Familie etwas zurückgeben", gab sich Stranzl sehr besonnen.

Die Ruhe soll ihm nach einer langen Zeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit gegönnt sein. "Ich sage eigentlich im Moment so gut wie alle Medienanfragen ab. Aber für Borussia mache ich natürlich eine Ausnahme", so Stranzl.

Denn die Beziehung zwischen dem ehemaligen Abwehrchef und der Borussia ist beileibe keine einseitige. "Es war einfach eine geile Zeit", beschrieb Stranzl die bei den Fans unvergessene Phase des Vereins.

Das komplette Interview mit dem FohlenEcho ist nur Mitgliedern der Borussia zugänglich. Wollt ihr dabei sein, dann klickt: hier.

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